Defend Monica Amundi

Amundi: Marktbedingungen und Entwicklung in der Coronavirus-Krise

Amundi : Inzwischen unterschätzen Anleger das Ausmass der Krise nicht mehr, sondern gehen mit dem Beitritt der USA zu den Notfallmassnahmen von einer globalen Eskalation aus. Das hat zu einer Marktzerrüttung und Überreaktionen geführt…

Investment Talks zur Lage an den Kapitalmärkten von Pascal BLANQUÉ, Group Chief Investment Officer; Vincent MORTIER, Deputy Group Chief Investment Officer, und Monica DEFEND, Global Head of Research.


Die Phase von Überreaktionen wird wahrscheinlich noch einige Zeit andauern, da eine Nachricht die nächste jagt. China und Italien können als Frühindikatoren betrachtet werden, was Länder erwarten können.

Die Makrodaten werden sehr schwach sein, wie wir bei den Einzelhandelsumsätzen und den Zahlen zur chinesischen Industrieproduktion für Januar und Februar gesehen haben. Entscheidend wird sein, dass die Aktivitäten nach den Eindämmungsmassnahmen wieder aufgenommen werden.

Auch hier ist China unser führender Indikator. Italien wird bei der Beurteilung der Auswirkungen und der Dauer der Krise in Europa eine entscheidende Rolle spielen, gefolgt von den USA. Wir befinden uns noch in einem zu frühen Stadium, um massgebliche Verbesserungen zu sehen.

Die nächsten zwei Wochen werden entscheidend sein, um die Auswirkungen der Eindämmungsmassnahmen zu erkennen und die potenzielle Dauer des Wirtschaftsabschwungs abzuschätzen. Jede positive (oder negative) Überraschung in diesem Sinne wird sich auf die Marktstimmung durchschlagen. Darüber hinaus wird die Wiederaufnahme der Aktivitäten in China es ermöglichen, das Risiko eines zweiten Virusausbruchs einzuschätzen.

Politische Reaktion

Zum ersten Mal seit 2008 erkennen die Behörden die Notwendigkeit koordinierter globaler Massnahmen. In ihrer Erklärung kündigten die G7-Staats- und Regierungschefs an, dass sie “alles Notwendige tun” würden, um die Weltwirtschaft zu unterstützen. Auf nationaler Ebene kündigen die politischen Entscheidungsträger Auffangnetze und Steuerpakete zur Unterstützung ihrer jeweiligen Wirtschaft und Gesundheitsausgaben an, während die wichtigsten Zentralbanken mit Liquiditätsfazilitäten, Quantitative-Easing-Programmen und Zinssenkungen eingegriffen haben. Die EZB hat beschlossen, ein neues befristetes PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) im Wert von 750 Milliarden Euro aufzulegen. Dies ist nur die jüngste in einer Reihe von Maßnahmen, um die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs für die Wirtschaft der Eurozone abzufedern und die Finanzstabilität in der Eurozone zu erhalten. Dies sollte aber noch nicht das Ende der Zentralbankinterventionen sein. Zudem erwarten wir weitere fiskalische Schritte. Ziel des Politikmixes ist, sicherzustellen, dass die Volkswirtschaften den vorübergehenden Stillstand überleben und letztlich ihre Finanzstabilität erhalten. Dies wird letztlich zu einer höheren Verschuldung und zu deren Monetarisierung führen. Quantitative Easing und extrem niedrige Zinsen werden, wenn nicht für immer, so doch zumindest für eine sehr lange Zeit, fortbestehen. Helikoptergeld ist ebenfalls eine reale Möglichkeit geworden, aber es wird ein weiterer Sprung in unbekannte Gewässer sein. Aber auch in dieser Krise liegt eine Chance für die Eurozone. Im Gegensatz zur Euro-Krise betrifft das Coronavirus alle Länder. Der Anreiz, den institutionellen Rahmen der Eurozone zu stärken und sich auf die Emission von Euro-Schuldtiteln zu bewegen, ist höher als in der Vergangenheit: Wir befinden uns jetzt in einem “Jetzt oder nie” Moment für die Eurozone.

Marktaussichten

Jetzt ist es zu spät zum Verkaufen und zu früh zum Kaufen. Ein Verkauf in der aktuellen Phase könnte die Fähigkeit der Anleger beeinträchtigen, ihre langfristigen Ziele zu erreichen. Die Märkte sind derzeit auf der Suche nach einem Signal für das Ende des Abwärtstrends, wie zum Beispiel Anzeichen, dass der Virus eingedämmt werden kann oder dass Behandlungsmöglichkeiten gefunden werden und werden bis dann weiterhin volatil bleiben. In dieser Situation positionieren wir uns bei Risikoassets vorsichtig und legen grosses Augenmerk auf die Liquidität bei. An den Kreditmärkten werden die Ausfallraten wahrscheinlich sprunghaft ansteigen. Ausserdem ist mit einer neuen Welle von Rating-Herabstufungen wahrscheinlich – vor allem bei US-Unternehmen mit BBB-Rating, die in Richtung High-Yield absacken könnten. Hinsichtlich der Sektoren wird der Energiesektor innerhalb der US-HY-Emittenten am stärksten betroffen sein, da gleichzeitig die Ölpreise zusammenbrechen. Insgesamt besteht noch Spielraum für eine Spread-Ausweitung. Eine Konzentration auf Unternehmen mit guten Fundamentaldaten wird entscheidend sein, um diese Phase zu meistern.

An den Aktienmärkten mag die Baisse ungewöhnlich und wahrscheinlich von extremem Ausmass sein, aber sie wird nicht so lange dauern wie 2008-09. Wir bleiben mit Blick auf das Jahresende optimistisch und rechnen mit einer starken Erholung der Marktpreise und einer Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen.

Quelle: AdvisorWorld.ch