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Amundi: Starkes EU-Finanzierungspaket wird zum Game-Changer in der EU

Amundi : Starkes EU-Finanzierungspaket wird zum Game-Changer in der EU  und kann europäische und nachhaltige Anlagen kurzfristig beflügeln

Von Didier Borowski (Photo) , Head of Global Views, Eric Brard, Head of Fixed Income, und Kasper Elmgreen, Head of Equities


Die Einigung der EU-Staats- und Regierungschefs auf ein Finanzierungspaket von insgesamt 1,824 Billionen Euro ist ein wichtiges Ergebnis und ein zieht positive kurzfristige Impulse für europäische Assets nach sich.

Der Recovery Fund wird die Widerstandsfähigkeit der EU erhöhen. Allerdings wird er nicht vor dem ersten Quartal 2021 einsatzbereit sein. Das heißt, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen erst 2022 spürbar werden. Die Verantwortung zur konjunkturellen Stabilisierung liegt daher weiterhin in der Verantwortung der Mitgliedsstaaten.

Dennoch ist die Einigung über den Haushalt ein bedeutender Schritt und ein Game-Changer für die EU. Erstmals wird die EU Mittel antizyklisch mobilisieren. Die Fiskalpolitik wird damit zu einem Stabilisierungsinstrument im Krisenfall.

Wir sehen den Konjunkturfonds als dauerhaftes Instrument zur Förderung der Konvergenz zwischen EU-Ländern. Die Mittel werden es den fragilen und am stärksten betroffenen Ländern ermöglichen, dank des Triple-A-Ratings der Europäischen Kommission langfristige Schulden zu Zinssätzen aufzunehmen, die sie aus eigener Kraft nicht erzielen würden. Zum ersten Mal wird die Europäische Kommission im Namen der EU Schulden mit dem Ziel der Konvergenz und Umverteilung zwischen den Ländern emittieren. Es handelt sich dabei aber nicht um ein Nullsummenspiel. Die Mittel müssen zurückgezahlt werden, allerdings erst bis 2058 und nicht vor 2028. Das bedeutet, dass alle EU-Länder – einschließlich der Nettozahler – in den kommenden Jahren von dieser massiven Kreditaufnahme profitieren werden.

Stärkung der Position des Euros als Reservewährung

Die neuen von der Kommission im Namen der Mitgliedsstaaten ausgegebenen Anleihen, können den internationalen Reservestatus des Euro zu einer Zeit stärken, in der die Rolle des US-Dollars aufgrund der Entwicklung der öffentlichen Finanzen in Frage gestellt werden.

Entspannung bei Engpässen von Anleihen mit Spitzenratings

Dies wird darüber hinaus auch für Anleiheinvestoren von Bedeutung sein. In einer Welt, in der es an sicheren Anlagen mangelt, wird die Nachfrage nun auf ein großes Angebot an Papieren mit Spitzenratings stoßen. Wir erwarten, dass umfangreiche Emissionen von Gemeinschaftsanleihen ausländische Investoren dazu ermutigen sollten, die EU als Ganzes und nicht als Puzzle einzelner Emittenten zu betrachten.

Neubewertung von europäischen Aktien

Die Billigung des Recovery Fund ist eine von fünf Säulen, die eine absolute und relative Neubewertung von EU-Aktien nach sich ziehen sollte. Wir sehen von derzeitigen Niveaus aus noch Aufwärtspotenzial, vor allem wenn sich die zyklische Erholung, wie wir erwarten, fortsetzt. Während europäische Aktien insgesamt profitieren dürften, sollte dies besonders positiv für Finanztitel und Peripherieländer sein.

Anleihen: Einigung war bereits weitgehend eingepreist

An den EU-Anleihemärkten sollten es mehr Spielraum für zusammenlaufende Spreads geben, da der historische Tiefstand noch nicht erreicht ist. Allerdings könnte sich das allgemeine Umfeld eintrüben, da mit mehr idiosynkratischen Ereignissen zu rechnen ist. Sovereign-Anleihen aus Peripherieländern sollten vom Recovery Fund profitieren, auch wenn sie derzeit recht teuer sind. Die aktuellen Marktreaktionen deuten darauf hin, dass die Märkte mit einem positiven Ergebnis bereits rechneten. Um weiter zusammenzulaufen, werden die Renditenaufschläge für Staatsanleihen mehr Schub benötigen, was natürlich vom Tempo der Erholung und der Fähigkeit der Peripherieländer abhängen wird, in vollem Umfang davon zu profitieren. Dies gilt insbesondere für Italien.

Weiterer Schub für ESG

Die beträchtlichen Mittel für Klimaschutz- und Umweltprojekte dürften zudem positive Impulse für nachhaltige Aktien und Anleihen bieten.

Quelle: AdvisorWorld.ch