Bantleon Kommentar : Umfeld für Aktien und Unternehmensanleihen wird rauer

Deutschland wird nicht führungslos – die SPD erbarmt sich und bringt sich als Edeljoker in Stellung. Für die Einwechslung werden CDU und CSU einen hohen Preis bezahlen müssen, was Dank der prall gefüllten Staatskassen aber kein unüberwindbares Problem darstellt…….

 

Dr. Harald Preißler  Kapitalmarktanalyse CIO Bantleon Bank AG, Zug Chefvolkswirt und Leiter Anlagemanagement


Selten waren die wirtschaftlichen Rahmendaten zu Beginn einer neuen Legislaturperiode so günstig wie derzeit. Das Wachstum ist rekordverdächtig und angesichts der historisch tiefen Arbeitslosigkeit und des grassierenden Fachkräftemangels dürfte 2018 einen kräftigen Lohnzuwachs für die Beschäftigten bringen. Dies zusammen mit den ohnehin steigenden Rohstoffpreisen nagt an den Gewinnmargen der Unternehmen und macht gleichzeitig der EZB beim Projekt »Ausstieg« Beine. Das Umfeld für die Aktienmärkte wird daher rauer, auch Unternehmensanleihen dürften es 2018 schwerer haben.

Jamaika ist tot, hoch lebe Angola – 3. Teil. Lange hat es nicht gedauert, bis sich die SPD nach dem spektakulären Scheitern der Schwarz-Gelb-Grünen Sondierungen erweichen liess und nun doch zumindest in Erwägung zieht, als Edeljoker einzuspringen. CDU und CSU frohlocken, da sie Neuwahlen ebenso wenig abgewinnen können wie einer Minderheitsregierung.

Einfacher wird die Regierungsbildung dadurch aber nicht, denn die Sozialdemokraten werden ihre Haut diesmal besonders teuer verkaufen. Nur so lässt sich der durch die Wankelmütigkeit der Parteispitze entstandene Imageschaden begrenzen. Der weihnachtliche Gabentisch dürfte daher, sollte die GroKo tatsächlich eine Fortsetzung finden, einige sozialpolitische Geschenke bereithalten. Dank der reichlich sprudelnden Steuereinnahmen hierzulande sind die damit verbundenen Zusatzausgaben indes problemlos zu meistern – am fehlenden Geld wird die Einigung jedenfalls nicht scheitern.

Selten waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu Beginn einer neuen Legislaturperiode so günstig wie derzeit. Die Wirtschaft wächst seit Sommer 2009 ohne Unterlass, das ist die längste Expansionsphase seit der Wiedervereinigung. Im 3. Quartal hat das BIP-Wachstum knapp 3,0% betragen, das ist in der Eurozone ein Spitzenwert – und mehr als die USA zustande gebracht haben.

Anders als in früheren Boomphasen ist der Erfolg nicht allein dem florierenden Export zu verdanken, sondern überwiegend der Binnennachfrage. Und wenn man den Frühindikatoren Glauben schenkt, ist die Erfolgsgeschichte noch nicht zu Ende. Der Einkaufsmanagerindex der Industrie hat im November ein neues 6½-jähriges Hoch erklommen, das IFO-Geschäftsklima erreichte sogar einen neuen historischen Rekord.

Das spricht dafür, dass die deutsche Wirtschaft – und dies gilt mit nur kleinen Abstrichen auch für die Eurozone – mit sehr viel Rückenwind in das Jahr 2018 startet. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote in Deutschland mit 5,6% so tief wie seit fast 30 Jahren nicht mehr, in weiten Teilen Süddeutschlands herrscht nicht nur Vollbeschäftigung, sondern ein echter Mangel an Arbeitskräften.

Die Gewerkschaften werden sich bei den im nächsten Jahr anstehenden Lohnverhandlungen nicht zweimal bitten lassen und einen kräftigen Schluck aus der Pulle einfordern. Ein Lohnabschluss im Metallgewerbe von ca. 4,0% ist keine Illusion, sondern erscheint durchaus im Bereich des Möglichen.

Aus dieser Saat wird aber nicht nur ein stattlicher Einkommenszuwachs keimen, auch die Inflation erhält einen Schub – und das hat gleich zwei Konsequenzen. Zum einen nagen höhere Lohnkosten im Zusammenspiel mit steigenden Rohstoffpreisen (Rohölpreisanstieg im laufenden Jahr +15%) an den Gewinnmargen der Unternehmen. Zum anderen setzt dies der EZB die Pistole auf die Brust, mit dem Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik Ernst zu machen. Da die Anleihenkäufe bis Herbst 2018 »versprochen« wurden, bleibt nur ein schärferes Wording, um den Kapitalmarktzinsen Beine zu machen.

Leidtragende dürften die Aktienmärkte sein, denen der Nachschub an guten Nachrichten ausgeht, was das Rückschlagsrisiko erhöht. Aber auch an den Anleihenmärkten wird das Umfeld rauer, was vor allem Unternehmensanleihen zu spüren bekommen werden. 

Quelle: AdvisorWorld