BlackRock : Aktueller Blick auf die Märkte – Das Ende der ultralockeren Geldpolitik

Auf dem deutsch-französischen Ministertreffen in der vergangenen Woche wollte Merkel vor allem eines: eine neue Harmonie zwischen Paris und Berlin demonstrieren….

Von Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa


Tatsächlich spürt man bei der deutschen Kanzlerin die Erleichterung, in Frankreich wieder einen Partner an ihrer Seite zu wissen, mit dem sie eine ähnliche Sicht auf die Probleme der Eurozone und die möglichen Lösungsansätze teilt. Merkel unterstrich die Einigkeit auch durch ihre grundsätzliche Bereitschaft, zukünftig die Pläne für einen Eurozonen-Finanzminister sowie ein Eurozonen-Budget zu unterstützen. Für Macron stehen diese Pläne zur Vertiefung der Währungsunion, deren Umsetzung er bereits als Wirtschaftsminister unter Hollande forderte, vor allem für mehr Solidarität und Vergemeinschaftung. Merkel scheint sich aber auch noch aus einem anderen Grund für diese Form der Integration erwärmen zu können: Kontrolle. Denn die Vergabe von Mitteln aus einem Euro-Haushalt wäre wohl stets an Bedingungen wie Haushaltsdisziplin geknüpft. Letztlich kündigte Merkel letzte Woche „Überraschungen“ für nach der Bundestagswahl an, die wohl auch die Reformierung der Eurozone betreffen dürften. Will man eine erfolgreiche und stabile Währungsunion schaffen, gehört wohl in der Tat ein höheres Maß an interstaatlicher Solidarität dazu. Da jedoch auch der deutsche Steuerzahler einen großen Teil eines etwaigen Euro-Haushaltes finanzieren würde, bleibt die Frage, ob der Wähler hierzulande Lust auf Überraschungen hat.
 
Die gestern angebrochene Woche steht derweil abermals im Zeichen der Notenbanken. Am Donnerstag kommt die Europäische Zentralbank zusammen und berät über ihre Geldpolitik. Wie auch auf den letzten Sitzungen wird es wieder auf Nuancen beziehungsweise minimale Änderungen in der Kommunikationspolitik der Notenbank ankommen. Das Hauptaugenmerk wird am Donnerstag auf der Frage liegen, ob Draghi den Markt auf eine „Tapering“-Ankündigung im September vorbereitet. So könnte der EZB-Chef möglicherweise die Passage aus dem Pressestatement streichen, wonach eine Ausweitung des Ankaufvolumens über die gegenwärtigen 60 Milliarden Euro pro Monat hinaus eine theoretische Möglichkeit darstellt. Da die EZB ihre Rhetorik in den letzten Wochen und Monaten ganz offensichtlich in geplanter Art und Weise sukzessive gestrafft hat, stehen die Chancen für diese Anpassungen am Donnerstag durchaus gut. Sollte sich Draghi diese Woche jedoch gegen diese Vorankündigung entscheiden, wäre eine nächste Gelegenheit das traditionelle Notenbanker-Treffen in Jackson Hole gegeben. Das letzte Mal als der EZB-Chef im Jahr 2014 dort zu Gast war, kündigte er indirekt das QE-Programm an. Sollte Draghi Wert auf Symbolik legen, würde er das „Tapering“ wohl auch erst dort verkünden und nicht schon nächste Woche.
 
In den USA stellt sich dieser Tage nicht nur die Frage, wann die US-Notenbank mit ihrer Bilanzverkürzung beginnt (der September erscheint uns hierfür der wahrscheinlichste Monat zu sein), sondern auch immer mehr die Frage, ob und wenn ja, von wem Janet Yellen im Amt der Fed-Chefin beerbt wird. Sollte Donald Trump Yellen nach Februar 2018 keine zweite Amtszeit als Fed-Chefin zugestehen – was noch längst keine ausgemachte Sache ist –, mehren sich die Spekulationen, dass Gary Cohn ihr Nachfolger werden könnte. Cohn ist oberster Wirtschaftsberater von Trump und somit schon quasi per Definition ein Kandidat für die Yellen-Nachfolge, denn sehr häufig waren USNotenbank-Chefs zuvor im Weißen Haus beratend tätig. Allerdings blickt Cohn anders etwa als Yellen
oder Bernanke auf keine akademische, sondern auf eine Investmentbankerkarriere zurück. Für Trump, der den Kandidaten nominieren darf, aber sicher kein Hinderungsgrund. Zumal Cohn auch als Deregulierungsbefürworter gilt. Bekannt ist jedoch auch, dass er die aktuelle Geldpolitik von Yellen im Grundsatz gutheißt. Große Kursänderungen wären unter ihm daher wohl nicht zu erwarten. Aber ob er es tatsächlich wird? Abwarten!
 
Neben der EZB treffen sich diese Woche auch die Notenbanker in Japan. Ähnlich wie in Europa beobachten wir in Japan gegenwärtig ein vergleichsweise robustes Wachstum bei weiterhin niedriger Inflation. Allerdings ist der Preisauftrieb im Land der aufgehenden Sonne selbst von dem in der Eurozone noch ein gutes Stück weit entfernt: Die Kerninflationsrate liegt aktuell gerade einmal bei 0,4 Prozent. Anders als in den USA und Europa ist das Ende der ultralockeren Geldpolitik in Japan somit noch kein Thema. Die Notenbank in Japan wird in dieser Woche daher aller Voraussicht nach die Füße still halten.
 
Was bedeutet das für Anleger?
 
Der September kristallisiert sich immer mehr als der „High-Noon-Monat“ der Geldpolitik heraus. Ein mögliches „Tapering“ in der Eurozone und der Beginn der Bilanzreduzierung in den USA stehen bevor. Die Rentenmärkte haben diese beiden Ereignisse in Form höherer Zinsen seit Ende Juni zum Teil eingepreist. Da beide Ereignisse allerdings auch noch mit recht hoher Unsicherheit versehen sind, könnten weitere Zinsanstiege folgen, falls EZB und Fed tatsächlich ernst machen. Rentenmarktexposures sollten entsprechend auf diese Ereignisse vorbereitet werden.
 
An den Aktienmärkten herrscht dieser Tage vor allem in den USA gute Stimmung. Der Dow-JonesIndex sowie der S&P 500 erklommen auch aufgrund guter Quartalsberichte amerikanischer Banken jüngst neue Allzeithochs. Aber auch global aufgestellte US-Konzerne, die (wie etwa der TechnologieSektor) stark von Auslandsumsätzen abhängen, profitieren vom schwachen Dollar und stehen aktuell besonders gut da. Europäischen Aktien fehlte zuletzt hingegen ein klarer Kurstreiber. Außerdem steckt den Anlegern offenbar noch der Ausverkauf von Ende Juni in den Knochen.
 
Für japanische Aktien bleibt das Umfeld dank der ultralockeren Geldpolitik einerseits und der erfreulichen Konjunkturentwicklung in Japan andererseits sehr positiv, sodass wir hier an unserer Empfehlung festhalten, japanischen Aktien innerhalb des Aktienportfolios ein Übergewicht beizumessen.
 
Die Entwicklung britischer Aktien wird in dieser Woche hingegen abermals vom Thema Brexit bestimmt. Mit dem Beginn der zweiten Runde der Verhandlungen geht es nun ans Eingemachte. Das einzige was bis dato klar ist, ist das nichts geklärt ist. Von einem „Soft Brexit“ bis zu einem „No-Deal“Szenario mit „Hard Brexit“ scheint weiterhin alles möglich. Diese Unsicherheit belastet die Investitionen und den Konsum im Königreich und somit auch die dortigen Aktienmärkte. Wir bleiben bei Aktien aus UK daher weiter zurückhaltend.

Quelle: AdvisorWorld