BlackRock : Aktueller Blick auf die Märkte – Ein Jahr Trump

Wer den seit nun einem Jahr amtierenden US-Präsidenten nur ein paar Minuten beobachtet, seinen Äußerungen lauscht oder seine Twitter-Meldungen liest, wird sich vermutlich schnell eine Meinung bilden….

Von Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie für Deutschland, die Schweiz, Österreich  und Osteuropa bei BlackRock


Und die könnte so ausfallen wie die Erwartungen vieler, die im Vorfeld der Wahl für den Fall eines Wahlsiegs Trumps Schlimmes für die US-Wirtschaft befürchtet hatten. Zu offensichtlich schädlich würden sich angekündigte Maßnahmen wie die Ausweisung von 11 Millionen illegalen Einwanderern, das Anzetteln von Handelskriegen mit Mexiko und China oder gigantische neue Staatsausgaben auf längere Sicht auswirken. Nur in der kurzen Frist, so waren sich Anleger einig, würden Maßnahmen wie Steuersenkungen und weniger Regulierung sich positiv auf Wachstum und Gewinne auswirken.

Bemerkenswerterweise ist das erste Jahr unter Trump ökonomisch betrachtet recht ordentlich verlaufen. Zum einen liegt dies daran, dass die gefährlichsten ökonomischen Giftpillen nicht zum Einsatz kamen, die meisten illegalen Migranten bis dato also weiter im Land bleiben dürfen und auch offene Konfrontationen in Handelsfragen bisher ausgeblieben sind. Es ist also – Stand heute – nicht so schlimm gekommen, wie Trump selbst angekündigt hatte. Zweitens spielt bisher die Zeit der TrumpAdministration in die Karten. Während kurzfristig die Hoffnung auf die Segnungen von Deregulierung und niedrigen Unternehmenssteuern die Gewinnfantasien beflügelt, werden sich die Nachteile der Trumponomics erst im Zeitablauf bemerkbar machen. Vor allem aber profitiert die Regierung in ihrem ersten Jahr davon, dass die Weltwirtschaft sich robust entwickelt. Die in Europa und in Asien stattfindende Beschleunigung des Wachstums hat auch die USA mitgezogen. Am Ende des ersten Jahres Trump lässt sich also konstatieren, dass Amerikas Wirtschaft nicht wegen, sondern trotz Trump brummt.

Bei alledem lohnt sich ein näherer Blick auf die Steuerreform. So ist beispielsweise zu erwarten, dass sich die Lücke zwischen den Unternehmen mit hoher Steuerbelastung und jenen mit niedrigen effektiven Steuersätzen verringern dürfte. Grund hierfür ist die Tatsache, dass der Steuersatz von 35% auf 21% fällt und davon Unternehmen in der Nähe des bisherigen Höchstsatzes profitieren, während im Gegenzug einige Steuerlöcher geschlossen werden, was vor allem Firmen betreffen dürfte, die genau solche Steuerminderungen bisher ausgenutzt haben. Im Ergebnis wird die Steuerlandschaft homogener, ähnlich wie dies schon einmal, nach der Steuerreform unter Ronald Reagan im Jahr 1986, zu beobachten war. Andererseits ist noch völlig offen, welche Sektoren mehr und welche weniger profitieren. Erst jetzt arbeiten sich die Steuerexperten der großen US-Unternehmen durch den Hunderte von Seiten starken Gesetzestext. Die gerade beginnende Berichtssaison für das vierte Quartal 2017 dürfte ein guter Anlass für die Firmen sein, ihre Anleger über die zu erwartenden Steuereffekte ins Bild zu setzen.

Und schließlich bleibt noch das Dauerthema Schuldenobergrenze. An diesem Freitag läuft die „Continuing Resolution“ (CR) aus, mit der im September Zeit gekauft worden war, weil sich Republikaner und Demokraten nicht auf eine dauerhafte Anhebung der Grenze einigen konnten. Weiterhin scheint dies schwer vorstellbar, so dass wohl nur eine erneute CR den „government shutdown“, also eine Einstellung etwa staatlicher Gehaltszahlungen, verhindern kann. Darauf werden die Marktteilnehmer Ende dieser Woche mit Argusaugen schauen.

 Was bedeutet das für Anleger?

Auch in der mittleren Frist wird die US-Fiskalpolitik im Fokus der Anleger bleiben. So dürfte die Frage, wer in Zukunft der US-Regierung das viele für die Steuerreform benötigte Geld leihen wird, und zu welchen Konditionen, für die Rentenmärkte zunehmend bedeutsam werden. Schon letzte Woche führten Sorgen, dass China zukünftig weniger US-Bonds kaufen könnte, zu einem Anstieg der Zinsen. Feiern die Märkte also zurzeit noch die kurzfristigen Segnungen der Trump-Politik, könnte es damit später im Jahr eng werden, wenn etwa die langfristigen Zinsen stärker steigen als von Anlegern für gut befunden. Sorgt darüber hinaus die Steuerreform wirklich für eine derart starke Wachstumsbeschleunigung wie von Trump stets vollmundig versprochen, könnte sich auch die Fed zu schnelleren Zinsanhebungen veranlasst sehen als bisher unterstellt. Tritt dieses Szenario ein, könnte sich die Steuerreform als Bumerang erweisen. Dann sollten Anleger die schöne Zeit kräftig steigender Aktienkurse genießen, solange sie anhält.

Quelle: AdvisorWorld