BlackRock : Aktueller Blick auf die Märkte – Ein starkes Jahr klingt aus

Aktien haben seit Jahresanfang in nahezu allen Teilen der Welt kräftig zugelegt…

Von Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie für Deutschland, die Schweiz, Österreich  und Osteuropa bei BlackRock


Während für die USLeitbörsen der Optimismus schon früh im Jahr groß war, getrieben durch die vollmundigen Versprechungen des neuen Präsidenten, hatte bezüglich anderer Regionen zunächst Skepsis vorgeherrscht. Europa wirkte mit Blick auf sein gedämpftes Wachstum, vor allem aber die Drohkulisse populistischer Wahlsiege in den Niederlanden und Frankreich als unkalkulierbares Risiko, und in Asien schienen die Zeichen auf Stagnation (Japan) bzw. kontrollierte Wachstumsdrosselung (China) zu stehen. Im Jahresverlauf zeigte sich dann hingegen, dass viele der im ‚Trump Trade‘ eingepreisten Verheißungen wohl nicht eintreten würden, wogegen sich die politischen Risiken in Europa verflüchtigten und in Asien sich das Wachstum viel dynamischer präsentierte als gedacht. Anstatt eines Jahres, in dem Amerika eine dahindümpelnde Welt mühsam mitschleppen würde, erlebten wir eines, in dem Anleger nicht wegen, sondern trotz des merkwürdigen Amtsinhabers im Weißen Haus gerade an den Aktienmärkten gutes Geld verdienen konnten.

Dabei haben wir auch gelernt, dass niedrige Volatilität nicht per se eine Bedrohung ist. Analysen unserer Kollegen im BlackRock Investment Institute (BII) legen nahe, dass in der historischen Betrachtung Perioden niedriger Preisschwankungen eher der Normalfall als die Ausnahme gewesen sind, vor allem, wenn gleichzeitig die Schwankungsintensität der Makrovariablen ebenfalls niedrig, das ökonomische Umfeld also robust gewesen ist. Letzteres kann man angesichts der häufigen Aufwärtsrevisionen von Wachstumsschätzungen, die wir über den Verlauf des Jahres 2017 erleben durften, sicherlich als gegeben annehmen.

Die gute Nachricht ist, dass uns dieses positive Wachstumsumfeld auch 2018 erhalten bleiben dürfte. Die EZB präsentierte letzte Woche einen überraschend optimistischen Ausblick, die BIP-Prognose für den Euroraum 2018 wurde von 1,8% auf 2,3% ungewöhnlich kräftig nach oben gesetzt. Auch hierzulande ist die zuständige Zentralbank angesichts der starken Frühindikatoren ein ganzes Stück optimistischer geworden. Die Bundesbank revidierte jüngst die BIP-Schätzung für Deutschland 2018 von 1,7% auf 2,5%. Da braucht es zur volkswirtschaftlichen Unterfütterung eines weiteren ertragreichen Aktienjahres gar kein übermäßiges Vertrauen in die Wirkungen der US-Steuerreform mehr, von der wir angesichts der ungleichen Verteilungswirkungen in der Tat nur sehr moderate Wachstumsimpulse erwarten. Nach unseren Schätzungen wird der Anschub eher in der Größenordnung von zusätzlichen 0,1-0,2 Prozentpunkten beim BIP-Wachstum liegen, weit entfernt von den 1,0-2,0 Prozentpunkten, die Trump selbst regelmäßig verbreitet. Und dieser Mini-Wachstumsschub dürfte auch mit den extrem ungerechten Verteilungswirkungen der Reform, die für viele Haushalte sogar zu einer höheren Steuerlast führen dürfte, sehr teuer erkauft sein.

Was bedeutet das für Anleger?

Auch 2018 dürfte die Anlegerwelt also von anhaltend robustem Makrowachstum in den größten Volkswirtschaften der Welt geprägt sein. Zwar werden wir nicht ganz so viele Aufwärtsrevisionen und positive Überraschungen bei Wachstum und Unternehmensgewinnen sehen wie 2017. Andererseits erkennen wir gegenwärtig aber auch nur punktuelle Zeichen von Überhitzung, so dass auch das Risiko eines plötzlichen Konjunktureinbruchs überschaubar erscheint. Der ‚Steady State‘ soliden Wachstums bleibt das wahrscheinlichste Szenario. Die Inflation sollte eher schwach bleiben, für ein sprunghaftes Ansteigen sehen wir kaum Hinweise. Im Ergebnis dürften die Zentralbanken, allen voran die Fed und die EZB, in ihrem Bestreben geldpolitischer Normalisierung moderat bleiben, mit einem wachen Auge auf die nach wie vor unübersehbaren Risiken. Letztere bestehen weiter, vor allem in der Politik. Vergessen wir nicht, dass vermutlich im März in Italien gewählt wird und dass auch in Deutschland die Regierungsbildung sich noch bis Ostern hinziehen könnte. Zwei der drei größten Volkswirtschaften in der Eurozone bleiben damit unsichere Kantonisten. Im Herbst muss zudem der Brexit-Deal für die Umsetzung Ende März 2019 in trockenen Tüchern sein, und am 6. November stehen in den USA Kongresswahlen an. Dazu werden uns Spannungen im Mittleren Osten, Nordkorea und der Ukraine in Atem halten. Das Jahr 2018 verspricht also für Anleger wieder aufregend, am Ende aber erfolgreich zu werden.

Quelle: AdvisorWorld