BlackRock : Aktueller Blick auf die Märkte – Luft nach oben

Die Feiertage sind vorbei, die Büros füllen sich wieder, und der Blick richtet sich nach vorne und somit auf das, was uns 2018 erwarten dürfte….

Von Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei BlackRock


Das Gros der Teilnehmer an den Finanzmärkten scheint sich dieser Tage recht einig zu sein: Eine derart starke und erfreuliche Kursentwicklung an den Aktienmärkten wie im Jahr 2017 wird sich kaum wiederholen können. Die Vorzeichen für 2018 sind zwar durchaus gut, aber die Sorge, dass die Rücksetzer zahlreicher und einschneidender werden könnten, ist spürbar präsenter als noch im Verlauf des Vorjahres.

Wir bei BlackRock teilen im Prinzip diese Sicht auf die Dinge, wobei sich die Auffassung, dass die wirtschaftliche Entwicklung und somit vor allem auch die Aktienmärkte noch Luft nach oben haben, im Kern unseres Blicks auf die Welt befindet. Die positiven Überraschungen an der Front der makroökonomischen Daten werden in diesem Jahr vermutlich etwas weniger werden, weil mittlerweile viel Konjunkturoptimismus vorherrscht und eingepreist ist. Das allein wird aber kaum ausreichen, um uns das Finanzmarktjahr 2018 zu verhageln. Zu stark sind die Unternehmenszahlen, zu niedrig sind weiterhin die Zinsen und zu groß bleibt das Volumen an Bargeld, das an der Seitenlinie geparkt ist und auf Anlagemöglichkeiten wartet.

Gefahren sehen wir eher an der geopolitischen Front. Unser BlackRock Global Risk Indicator, mit dem wir seit neuestem die Gefahren der Geopolitik für die Finanzmärkte einzuschätzen versuchen, notiert derzeit auf dem höchsten Stand seit März 2015 und somit auch deutlich höher als noch zu Beginn des Vorjahres. Neben einer Eskalation der Lage im Nahen Osten stellt zum Beispiel auch der steigende Protektionismus seitens der USA eine der größten Gefahren in diesem Zusammenhang dar. Wir beobachten diese Dinge sehr genau.

Die deutsche Politik bereitet uns als Finanzmarktteilnehmern hingegen eher weniger Kopfzerbrechen, denn die Dinge kommen hier langsam ins Rollen. Bis zum kommenden Freitag möchten CDU, CSU und SPD bereits erledigt haben, wofür die „Jamaika-Verhandlungspartner“ viele Wochen brauchten: abgeschlossene Sondierungsgespräche. Dieser eng gesteckte Zeitplan offenbart wohl vor allem eines: Ernsthaften Zweifel über das Zustandekommen einer erneuten Großen Koalition gibt es an den drei Parteispitzen nicht wirklich. Von „ergebnisoffenen“ Gesprächen, wie sie die SPD nach wie vor bezeichnet, kann somit eher nicht die Rede sein. Auch die mitunter scharfe Rhetorik seitens der CSU in den letzten Tagen dürfte sich als Säbelrasseln entpuppen. Und das ist letztlich auch gut so, denn ein abermaliges Scheitern von Sondierungsgesprächen täte der deutschen Demokratie sicher nicht gut.

Selbst bei einem Abschluss der Sondierungsgespräche bis zum kommenden Freitag, werden wir uns aber bis zum Beginn der offiziellen Koalitionsverhandlungen wohl noch ein wenig gedulden müssen. Ob nämlich auf die Sondierungs- tatsächlich Koalitionsverhandlungen folgen, möchte man in der SPD von der Entscheidung auf einem Sonderparteitag am 21. Januar abhängig machen. Alles andere als eine Zustimmung wäre hier aber eine Überraschung. Der Startschuss für die Koalitionsverhandlungen erfolgt somit aller Voraussicht nach am 22. Januar.

Ob der Koalitionsvertrag am Ende eine Narrenkappe aufhat oder ein Osterhasenkostüm trägt, ist aber auch nicht so entscheidend. Wichtig wird mit Blick auf die nächsten Jahre, ob Deutschland eine stabile Regierung bekommt, denn die wirtschaftliche Lage wird der Politik nicht ewig einen Freifahrtschein ausstellen können.

Was bedeutet das für Anleger?

Die ersten Tage des neuen Handelsjahres konnte man durchaus als eine Art Mutmacher verstehen. Deutsche Aktien trotzten einem stärkeren Euro und stiegen um knapp drei Prozent, und auch außerhalb Europas blinkten fast überall die grünen Vorzeichen. Insbesondere US-Aktien waren es, die sich als Zugpferde entpuppten. Hintergrund war hier die noch im alten Jahr verabschiedete Steuerreform in den USA, die nach unserem Dafürhalten nun aber weitestgehend in den Kursen berücksichtigt sein sollte.

In dieser Woche richtet sich der Fokus der Anleger wohl nicht nur auf die Sondierungsgespräche in Berlin, sondern auch auf die Veröffentlichung des Protokolls der EZB-Sitzung im Dezember. Obwohl von Seiten der EZB in diesem Jahr kaum Überraschungen zu erwarten sind, richtet sich der Blick mit Beginn des Jahres 2018 unweigerlich schon auf 2019 – das Jahr, in dem die EZB erstmals seit 2011 vermutlich wieder die Zinsen anheben wird. Wie und ob die europäischen Zentralbanker über diese Perspektive diskutieren, könnte aus dem Protokoll hervorgehen und die Märkte entsprechend bewegen. Gegen Ende dieser Woche beginnt dann auch schon die Berichtssaison in den USA für das vierte Quartal 2017. Mit den dortigen Finanzinstituten macht eine Branche den Auftakt, die wir unter den Aktienmarktgewinnern im Jahr 2018 erwarten. Insbesondere das von uns prognostizierte InflationsComeback in den USA und die damit verbundene Aussicht auf weiter steigende Zinsen dürfte dem Sektor unter die Arme greifen.

Quelle: AdvisorWorld