BlackRock : Aktueller Blick auf die Märkte – Tortilla Madrileña oder Crema Catalana ?

Tortilla Madrileña oder Crema Catalana? In den nächsten Tagen und Wochen dürfte sich entscheiden, wie es in Spanien weitergeht, eher herb oder eher süß….

Von Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie für Deutschland, die Schweiz, Österreich  und Osteuropa bei BlackRock


Denn die Auseinandersetzung zwischen der katalanischen Regionalregierung unter Carles Puigdemont und der Zentrale in Madrid, in welcher Premier Mariano Rajoy eine harte Gangart vorgibt, hat sich zuletzt deutlich verschärft. Am Freitag wird vermutlich der Senat, in dem Rajoys Partido Popular (PP) eine Mehrheit hat, die am vergangenen Samstag von der Zentralregierung beschlossene Entmachtung der katalanischen Exekutive formell absegnen. Damit übernimmt Madrid die Kontrolle in der wohlhabenden Region im Nordosten der iberischen Halbinsel. Demonstrationen in Barcelona am letzten Wochenende, an denen fast eine halbe Million Menschen teilnahmen, lassen aber vermuten, dass sich die katalanischen Autonomiebefürworter nicht widerstandslos in diese neue Realität fügen werden.

Die Finanzmärkte haben zwar bisher relativ mild auf die Verhärtung der Fronten reagiert, aber das könnte sich bald ändern, zumindest temporär. Bis dato gab es keinen offensichtlichen Einbruch spanischer Risikoaktiva, aber bei genauerem Hinsehen zeigen sich erste kleine Risse. So hat der spanische Aktienmarkt über das letzte halbe Jahr den gesamteuropäischen Markt um rund 5% underperformt, was angesichts des robusten Wachstums der spanischen Volkswirtschaft dafürspricht, dass Anleger das zunehmende politische Risiko mehr und mehr eingepreist haben. Auch bei den Zinsabständen hat sich bisher nicht so viel getan wie man angesichts der Bedrohung für die Einheit Spaniens hätte erwarten können. Um ganze sechs Basispunkte hat sich über die letzte Woche der Zehnjahres-Spread gegenüber der Benchmark ausgeweitet, das liegt im Bereich weißen Rauschens. Sollte sich jetzt aber die Situation weiter verschärfen, beispielsweise indem Madrid seine harte Linie auch gewaltsam durchsetzt, spricht einiges dafür, dass auch die Preise spanischer Finanzaktiva nicht unbeeinflusst bleiben. Dabei rechnen wir mittelfristig mit einer Lösung, die eher auf Linie von Madrid liegt, schon deshalb, weil die anderen EU-Länder kein Interesse daran haben können, Puigdemont und Kollegen auch nur den kleinen Finger zu reichen. Und ohne jede Unterstützung aus Europa wird auf Sicht auch jedem noch so eingefleischten Verfechter katalanischer Autonomie klarwerden, dass dies ein Kampf auf verlorenem Posten ist. Unterm Strich dürfte es also schlechter werden, bevor Besserung ansteht. Grund genug, auf Sicht der nächsten Tage und vielleicht Wochen eher einen kleinen Bogen um spanische Finanzanlagen zu machen.

Was bedeutet das für Anleger?

Derweil feilt die EZB am Einstieg in den Ausstieg. Im ersten Schritt geht es darum, den Fuß etwas vom Gaspedal zu nehmen, die Summe der monatlich zu kaufenden Anleihen also zu reduzieren. Sollte es zu der momentan vom Markt erwarteten Variante kommen, dann würde die EZB ab Januar die monatlichen Käufe halbieren (also von zurzeit 60 auf dann 30 Mrd. reduzieren) und diese halbierten Käufe dann noch neun Monate weiterlaufen lassen. Denkbar ist auch eine mehrstufige Rückführung, etwa zunächst auf 40 Mrd. und nach einigen weiteren Monaten dann auf 20 Mrd. etc. Gemeinsam haben aber alle diese Gedankenspiele, dass die EZB keineswegs – um im Bild zu bleiben – sofort auf die Bremse steigt, sondern auch in Zukunft die Geldpolitik weiter gelockert wird, wenn auch nicht mehr im gleichen Tempo wie zuvor. In der vom Markt präferierten Variante – ab Januar 30 Mrd. über weitere neun Monate – würde die EZB-Bilanz also bis September 2018 um weitere 270 Mrd. Euro wachsen. Echtes Einbremsen sieht anders aus.

Für Anleger ändert sich also wenig, denn die Zinsen dürften in Relation zur guten Makro-Verfassung sehr niedrig, die Gewinne robust bleiben. Und damit spricht auch weiter alles für Aktien. Dass im Vorfeld der anstehenden EZB-Sitzung die üblichen Warnungen vor Blasenbildung und Überhitzung durch die Gazetten geisterten, dürfte auch inzwischen zum Bild gehören und niemanden mehr um den Schlaf bringen.

Quelle: AdvisorWorld