BlackRock : Aktueller Blick auf die Märkte – War’s das für Schulz?

Einen Sieg bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hatte die SPD fest eingeplant….

Von Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie für Deutschland, die Schweiz, Österreich und Osteuropa


Hätte die bis vor kurzem noch beliebte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ihren Amtsbonus in eine souveräne Wiederwahl umgemünzt, und dies im Stammland der Sozialdemokratie zwischen Rhein und Ruhr, dann wäre dies ein willkommener Rückenwind für die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz gewesen. Mehr als willkommen, kann man wohl sogar sagen, geradezu notwendig. Denn es wäre der letzte verfügbare Anschub vor der Bundestagswahl am 24. September gewesen.

Wie wir seit Schließung der Wahllokale am Sonntagabend wissen, ist es anders gekommen. Die SPD hat deutlich verloren, und Hannelore Kraft ist nur wenige Minuten nach Veröffentlichung der ersten Hochrechnungen von ihren Parteiämtern zurückgetreten. Was wird nun aus Martin Schulz? Nach drei überraschend klaren Niederlagen bei den Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und nun in Nordrhein-Westfalen ist kaum zu sehen, wie der SPD-Herausforderer die Amtsinhaberin aus dem Kanzleramt vertreiben könnte. Der „Schulz-Effekt“, der nach der Kür des Kandidaten Ende Januar für einen 10%-Sprung in den Umfragen gesorgt und die SPD in Schlagdistanz zur CDU gebracht hatte, ist schon wieder deutlich abgeschmolzen. Nach der NRW-Pleite dürfte er weiter in sich zusammenfallen, es sei denn, die SPD entdeckt auf der thematischen Seite ein echtes Zugpferd, eines mit dem Potential, den fatalen Abwärtstrend zu stoppen. Die soziale Gerechtigkeit, das Thema, mit dem Martin Schult bisher zu punkten versucht hat, dürfte hierfür nicht taugen. Auch das Thema Europa, an das er sich nach der Schleswig-Holstein-Wahl zaghaft herangewagt hatte, wird sich kaum eignen, denn hier vertritt Schulz mit seiner relativ kulanten Haltung gegenüber südeuropäischen Schuldensündern eher eine Position, die bei deutschen Wählern nicht gut ankommt. Auch in anderen Bereichen wie innere Sicherheit, Flüchtlings- oder Rentenpolitik sind Schulz und seine SPD bisher nicht als zwingende Alternative zu Merkels CDU aufgefallen. Dazu kommt, dass, anders als von Schulz-euphorisierten SPD-Anhängern noch vor wenigen Wochen erhofft, keine Wechselstimmung im Land auszumachen ist, die den Kandidaten ins Kanzleramt tragen könnte. Für Martin Schulz wird es jetzt sehr schwer. Es wird mehr als ein mittleres politisches Wunder brauchen, um doch noch am 24. September zu gewinnen.

Bereits gewonnen hat Emmanuel Macron, der gestern als jüngster französischer Präsident aller Zeiten vereidigt wurde. Die Reaktion an den Finanzmärkten war nach seiner Wahl einhellig positiv gewesen. Spreads auf zehnjährige französische Staatsanleihen sanken um 20-30 Basispunkte, der Aktienindex CAC 40 entwickelte sich überproportional, und sogar Europa insgesamt hat seitens der Anleger eine Welle von Erleichterung erfahren. Abzulesen ist dies unter anderem daran, dass europäische Aktien nun, gemessen in der Performance seit Jahresbeginn, deutlich vor ihren amerikanischen Pendants liegen. Dabei gerät nur zu leicht in Vergessenheit, dass der neue Präsident noch keineswegs ein Mandat für sein erhofftes Reformprogramm besitzt. Denn für die Umsetzung eines solchen Programmes braucht er die Unterstützung des Parlaments, welches erst um Juni gewählt wird. Ob Macrons frisch gegründete Partei „La République en marche“ am 11. und 18. Juni die erforderliche Mehrheit erreicht, darf aber als sehr offene Frage gelten, zumal viele der 577 landesweiten Kandidaten der neuen Partei keinerlei politische Erfahrung haben. Und sollte es mit einer eigenen Mehrheit nicht klappen, wäre Macron auf die Unterstützung der etablierten Parteien angewiesen, die aber nach ihrer Niederlage in der Präsidentschaftswahl noch eine Rechnung mit dem Shooting Star offen haben. Sollte Macrons Partei also im Juni nicht als Sieger in die Nationalversammlung einziehen, könnte im schlimmsten Fall der 39-jährige Präsident als lahme Ende in seine fünfjährige Amtszeit starten. Der Optimismus der Märkte dürfte dann schnell wieder ausgepreist werden.

Was bedeutet das für Anleger?

Ausgepreist haben die Märkte jedenfalls schon zu einem starken Anteil ihre Hoffnungen auf Donald Trump. Zehnjährige US Treasury-Renditen sind deutlich gesunken, und auch US Small Cap und Value-Aktien, bis dato Gradmesser der „Make America great again“-Verheißungen, haben ihre NachWahl-Outperformance in den letzten Wochen eingebüßt. Dagegen läuft Europa immer besser, getrieben von guten volkswirtschaftlichen Zahlen und positiven Unternehmensberichten. Sogar die Kerninflation liegt mit 1,2% wieder über der Marke, oberhalb derer die EZB zumindest über einen Exit von ihrer extrem großzügigen Geldpolitik nachdenken dürfte.

Die Frage ist wohl nicht mehr ob, sondern wann dieses Umdenken auch kommuniziert wird. Wir rechnen damit, dass erste Modifikationen an der „Forward Guidance“ im Juni vorgenommen werden. Im Herbst könnte dann, sollten die Daten so robust bleiben, der Abschied vom Anleihekaufprogramm angekündigt werden.

Quelle: AdvisorWorld.ch