BlackRock Flash: Marktteilnehmer überschätzen politische Risiken

Was letzte Woche geschah: Europäische Aktien führten die globale Aktienrally trotz eines starken Zinsanstiegs von Staatsanleihen an..

 

Markteinschätzungen von Stephan Meschenmoser vom BlackRock Solutions Team


Der amerikanische Präsident Donald Trump stimmte einen optimistischen Ton bei seiner ersten Rede vor dem Kongress an – ging jedoch wenig ins Detail seiner Pläne. Kommentare amerikanischer Zentralbanker schienen die Bühnen für eine Zinserhöhung im März vorzubereiten. Der makroökonomische Datenkranz blieb weiterhin stark und verstärkte die Anhaltspunkte, die auf einen globalen Reflationstrend hinweisen.

Der nächste Wahlschock in Europa? In den Niederlanden wird kommende Woche gewählt, Frankreichs Wahlen folgen im Frühling und im Herbst begeben sich die Deutschen an die Urne, möglicherweise auch noch die Italiener. Wir beschäftigen uns am meisten mit den Ergebnissen der Wahlen in Frankreich und Italien, da hier möglicherweise populistische Parteien an die Macht kommen könnten. Die lokalen Staatsanleihezinsen sind stark gestiegen und die Spannen zu deutschen Bundesanleihen sind auf eines der höchsten Niveaus seit der europäischen Staatsanleihekrise gestiegen. In Frankreich könnte Marine Le Pen – die ein Referendum über die französische EU-Mitgliedschaft abhalten könnte und ankündigte, den französischen Franc wiedereinführen zu wollen – in die zweite und finale Runde der Präsidentschaftswahlen vorrücken. Allerdings zeigen Umfragen, dass sie die finale Runde wahrscheinlich verlieren wird. Selbst bei einem Sieg Le Pens glauben wir, dass es ihr schwerfallen würde, eine Parlamentsmehrheit zu sichern. Italiens unsichere politische Perspektive beunruhigt uns mehr und sollte dazu führen, dass italienische Staatsanleihen vor einer wahrscheinlichen Wahl Ende 2017 oder im ersten Halbjahr 2018 weiter steigen werden. Populistische und rechtsgerichtete Parteien können in Italien momentan mit etwa 45% Unterstützung rechnen. Momentan ist unser Ausblick für europäische Aktien positiv, da diese vom globalen Reflationsthema profitieren sollten und sich stärkeres Wachstum positiv auf die Unternehmensgewinne auswirken sollte. Europäische Staatsanleihen sehen wir neutral, da die Wahlen ein kurzfristiges Risiko darstellen; bei europäischen Unternehmensanleihen werden wir zunehmend vorsichtig. Eine Verringerung des europäischen politischen Risikos sollte weltweit zu höheren Zinsen führen, was unsere vorsichtige Haltung gegenüber US-Staatsanleihen unterstützt. Zwar kann es auch dieses Jahr zu Verwerfungen durch Wahlen kommen, allerdings glauben wir, dass die Risiken momentan vom Markt überbewertet werden.

Was diese Woche ansteht: Solide US-Arbeitsmarkzahlen könnten die Wahrscheinlichkeit zementieren, dass die Amerikanische Zentralbank (FED) im März die Leitzinsen erhöht. Zudem schauen die Märkte gespannt auf die aktualisierten Inflationsprognosen der Europäischen Zentralbank und den Entwurf für das Wachstum in China.

„Momentan ist unser Ausblick für europäische Aktien positiv, da diese vom globalen Reflationsthema profitieren sollten und sich stärkeres Wachstum positiv auf die Unternehmensgewinne auswirken sollte.“

 

Quelle: AdvisorWorld.ch