Luecks Martin BlackRock

BlackRock : Starker Start ins zweite Covid-Jahr

BlackRock: Die erste Woche des neuen Jahres verlief an den Aktienmärkten per saldo positiv.

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BlackRock Aktueller Blick auf die Märkte


Von Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock


Um gut 2% lagen grosse amerikanische Indizes zum Wochenausgang im Plus, und auch in Europa hielten die Höchststände. Darüber hinaus sprechen der leicht rückläufige Goldpreis, ein deutliches Anziehen der Ölnotierungen (+8% binnen einer Woche) und sehr niedrige Renditen bei Bundesanleihen (wenigerals -0,5% im Zehnjahresbereich) für eine robuste Risk-On-Positionierung vieler Investoren. Dies istkeineswegs selbstverständlich, denn der Blick auf das gerade begonnene 2021 bleibt zumindestdiffus. Zwar vermittelt die Genehmigung von Impfstoffen gegen Covid-19 endlich konkrete Hoffnungauf ein absehbares Ende der Pandemie, gleichzeitig könnten weitere, noch ansteckendere Mutationen des Virus dafür sorgen, dass die Normalität trotz Lockdowns nicht so schnell zurückkommt wie erhofft. Gerade erst werden neue Sars-Cov-2-Varianten aus Japan und Brasilien gemeldet, und schon jetztbereitet die in Grossbritannien entdeckte Mutation B.1.1.7 Kopfzerbrechen. Gut möglich, dass die trotz Lockdowns weiter hohen Infektionszahlen darauf beruhen, dass B.1.1.7 auch hierzulande schon viel weiter verbreitet ist als bisher angenommen. Leider werden wir das so bald nicht wissen, denn nur bei einem minimalen Anteil (in Deutschland etwa einem von 900) der positiven PCR-Tests wird die dafür notwendige Genom-Sequenzierung durchgeführt. Es ist also denkbar, dass die Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens trotz fortschreitender Impfungen länger und schärfer greifen müssen als unter den bisherigen Szenarien meist unterstellt. Die wirtschaftliche Erholung wird dann länger auf sich warten lassen, und der Staat wird in der Zwischenzeit zu immer umfangreicheren Finanzhilfen gezwungen.

Bemerkenswert auch, dass vor allem die Aktienmärkte nicht stärker auf die politischen Ereignisse der letzten Woche in den USA reagiert haben. Und damit ist nicht primär der Sturm des Kapitols durch Trump-Anhänger gemeint, sondern die Stichwahlen für zwei Senatssitze in Georgia. Dass diesenämlich beide von den demokratischen Kandidaten gewonnen wurden und die Biden-Regierung damitüber eine hauchdünne Mehrheit auch in der zweiten Kammer des Kongresses verfügen wird, ging imSchlachtenlärm und der Empörung über den Trump-Mob nahezu unter. Obwohl nun die Demokraten erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder Weisses Haus, Repräsentantenhaus und Senat unter ihrerKontrolle und damit die Möglichkeit haben, Reformen wie etwa Steuererhöhungen durchzusetzen,kam es nicht, wie von Fox News angekündigt, zu einem Aktiencrash. Stattdessen scheint selbst beiInvestoren, die von den Steuersenkungen der bisherigen Regierung profitierten, die Überzeugungvorzuherrschen, dass das wachstumsfreundliche Gesamtpaket der Biden-Regierung eventuelleGefahren, z.B. höhere Steuern oder stärkere Regulierung, wettmachen dürfte. Interessant könntedabei werden, wie sich die Notenbank in diesem neuen Set-up einer grösseren Machtfülle der neuenRegierung positioniert. Am Donnerstag dieser Woche hält Chairman Jerome Powell eine Rede, dieerste Hinweise liefern könnte.

Was das für Anleger bedeutet

Derweil leckt ein schlachtenlahmes Europa seine Wunden. Zwar wurden Eklats um den Brexit und den neuen Haushalt vor Weihnachten gerade noch abgewendet – ein später Erfolg für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft. Aber um den Widerstand von Ungarn und Polen zu brechen, mussten Zugeständnisse bezüglich der zeitlichen Wirksamkeit des Rechtsstaatlichkeitsmechanismus gemachtwerden. Es wird nun länger dauern, bis autokratische Regierungen wegen Korruption,Gleichschaltung der Justiz oder Drangsalierung unabhängiger Medien EU-Mittel gestrichenbekommen können. Auch beim Handelsabkommen mit Grossbritannien ging es wie erwartet nicht ohne schmerzhafte Kompromisse. So konnte die britische Regierung durchsetzen, dass künftigeStreitigkeiten nicht vor dem Europäischen Gerichtshof ausgetragen werden und es nicht als Wettbewersverzerrung gilt, wenn Grossbritannien eventuelle zukünftige Verschärfungen der EUUmwelt- und Sozialstandards nicht mitmacht. Als Erfolg aus EU-Sicht darf dagegen gelten, dass sich Grossbritannien ansonsten weitgehend auf die Regeln des „Level Playing Field“ eingelassen hat und damit in weiten Teilen des Warenhandels weiterhin EU-Regeln und Produktstandards akzeptieren wird.

Premierminister Boris Johnson ist, obwohl er nun den versprochenen Brexit geliefert hat, inzwischen schon wieder unter Druck. Denn vielen Tory-Hardlinern ist der Deal zu weich, ausserdem wehrt sichJohnsons Partei gegen die scharfen Corona-Massnahmen im Land. Und dann ist da noch Schottland. Immer hörbarer begehrt Britanniens stolzer Norden gegen den EU-Austritt auf und verlangt einerneutes Referendum. Ob also die gegenwärtige Ruhe bei Sterling-Anlagen von Dauer ist oder eherdie Ruhe vor dem Sturm, könnte sich schon in den nächsten Monaten zeigen.

Quelle: AdvisorWorld.ch