BlackRock Wealth Investor Pulse 2017 – Schweiz

Schweizer BlackRock-Studie zeigt: Vermögende Anleger sehen finanzielle Zukunft im internationalen Vergleich positiv…

 

André Bantli, Leiter Retail BlackRock Schweiz


Investitionen in Vertrautes und Schweizer Werte – private Vorsorge oft noch vernachlässigt

– Positive Einstellung gegenüber Finanzen trotz herausforderndem Umfeld – aktuelle Währungssituation sorgt für Unsicherheit

– Vertrauen auf Bekanntes – 97% der Befragten schichteten ihre Anlagen Richtung Schweiz um

– Trotz Negativzinsen überhöhtes Vertrauen in Bargeld – Befragte halten über 30% des investierbaren Vermögens in Cash

– Aufklärungsbedarf bei alternativen Anlagen – lediglich 38% der Befragten investiert in CORE Alternatives

– Hauptsorgen bereiten Gesundheitskosten – Planung der Pension steht oft hinten an

Der BlackRock Wealth Investor Pulse, eine umfassende, repräsentative Umfrage zu den Themen Sparen, Investieren und Ruhestandsplanung untersucht weltweit etwa 28 000 Personen in 18 Ländern – in der Schweiz wurden rund 200 wohlhabende Personen mit einem investierbaren Kapital von durchschnittlich rund 1.6 Mio. CHF befragt. Dabei werden insbesondere die Auswirkungen des anhaltend wirtschaftlich unsicheren Umfeldes auf das Anlageverhalten von vermögenden Anlegern in der Schweiz festgehalten. 

„Vermögende Schweizer Anleger schauen positiv in die Zukunft – im internationalen Vergleich sticht diese Zuversicht heraus. Angesichts der geopolitischen Unsicherheit überrascht, dass insbesondere die Werte zu Themen wie Vertrauen und Zufriedenheit seit der letzten Befragung vor zwei Jahren gestiegen sind, von 35% auf 39% respektive von 22% auf 28%. Die Sicherheit indes wird zum dominierenden Thema. Das Sicherheitsgefühl lässt nach (19% auf 12%), die zunehmende Volatilität der Märkte bereitet wohlhabenden Investoren Sorgen. Auch die turbulente Währungssituation beschäftigt sie: Jeder zweite Befragte sorgt sich bezüglich der Währungsstabilität, und jeder Fünfte bezeichnet dieses Thema als seine grösste Sorge. Diese erhöhte Unsicherheit steigert die Passivität vieler Schweizer Investoren. Sie setzen auf Bewährtes und warten ab“, kommentiert André Bantli, Leiter Retail BlackRock Schweiz.

Starkes Vertrauen in Bekanntes und in Schweizer Institutionen

Zwar reagierten lediglich 28% der Schweizer Anleger mit direkten Anpassungen im Portfolio als direkte Folge von geopolitischen oder makroökonomischen Ereignissen wie Beispielsweise das verlangsamte Wachstum der chinesischen Wirtschaft, den Brexit oder die Flüchtlingskrise in Europa. Diejenigen, welche Anpassungen vorgenommen haben, taten dies wegen dem erwarteten Effekt von Fremdwährungsschwankungen (56%), die steigende geopolitische Unsicherheit (49%) sowie die Wahl von Donald Trump (39%). Ein Trend hat sich ganz klar herauskristallisiert: geopolitische und wirtschaftliche Unwägbarkeit führt zu vermehrten Investitionen in der Nähe und in Bekanntes. Weniger bekannte Anlageklassen werden stärker gemieden als zuvor. 97% der Änderungen sind ganze oder teilweise Umschichtungen zurück in Richtung Schweiz. Ähnliches gilt bei Währungen: 33% halten ausschliesslich Schweizer Franken. Im Naheliegenden sehen vermögende Anleger auch Potenzial: Westeuropa und Skandinavien trauen sie die höchsten Wachstumschancen zu.

Hoher Bargeld-Anteil trotz negativer Zinsen – lokale und kompetente Beratung geschätzt

Auch Sparen ist eine weit verbreitete Reaktion auf politische Instabilität – ein Drittel des Vermögens wird ausnahmslos in bar gehalten. Je grösser der Bargeld-Anteil, desto eher glauben sie, ihre Finanzen unter Kontrolle zu haben. 10% lassen sich sogar von nichts davon abhalten, viel Cash zu halten – auch nicht von einer möglichen Einführung von Negativzinsen auf privates Sparguthaben. Entgegen landläufiger Annahmen einer ausschlaggebenden Top-Performance ist für 63% (2015: 54%) der Befragten das Vertrauen und der Ruf, den ein Institut geniesst, und insbesondere die Qualität der Vertreter das Hauptkriterium bei der Wahl. Jedoch sind nur 41% der Befragten, die über einen Berater verfügen, zufrieden mit der Weise, wie der Berater sie bei geopolitischen und makroökonomischen Ereignissen informiert. Auch die Gebühren spielen mit 41% (2015: 27%) eine wichtige Rolle, die Performance hingegen wird mit 29% eher nachrangig betrachtet (2015: 15%). Im Gegensatz zur letzten Erhebung 2015 (26%) ziehen mit neu 35% deutlich mehr Schweizer Anleger heimischen Instituten gegenüber ausländischen Anbietern in Betracht. Jedoch würden 48% der Schweizer Anleger ihre persönliche Bank wechseln, sollten Negativzinsen auf Sparguthaben eingeführt werden.

33% der Anlageentscheide ohne Beratung – passive Anlagen als kostengünstige Alternative

Mit der steigenden Bedeutung von privater Vorsorge ist es bemerkenswert, dass über ein Drittel der Befragten keine Beratung von Spezialisten in Anspruch nimmt. Kompetenz und Vertrauen sind Grundvoraussetzungen, damit vermögende Anleger überhaupt aktive Investments tätigen. Wer sich gut beraten fühlt, investiert eher in aktiv verwaltete Produkte. 89% aller wohlhabenden Investoren in der Schweiz halten in ihrem Portfolio aktiv verwaltete Produkte und setzen in der Regel auf Beratung – 67% setzen (auch) auf passive verwaltete Produkte, die als günstige Alternative angesehen und häufig von weniger finanzaffinen Investoren mit geringem Vertrauen in die Kompetenz von Fondsmanagern gehalten werden. Nur 41 Prozent der vermögenden Privatpersonen geben an, dass sie über makroökonomische und geopolitische Entwicklungen und deren potenzielle Auswirkungen auf ihr Anlageportfolio genügend von ihrem Berater informiert werden.

Investorenverständnis bei alternativen Anlagen vertiefen und Vorurteile abbauen

Alternative Investments werden durch zu wenig Produktwissen oftmals automatisch als irrelevant angesehen – lediglich 4% der Befragten gaben an, sich sehr gut mit Commodities oder Hedge-Fonds auszukennen. Der aktiven Aufklärung und Beratung kommt hier eine zentrale Stellung zu, denn Vorurteile halten sich hartnäckig: Alternative Anlagen gelten als volatil, illiquid und der fehlende Kapitalschutz im Krisenfall wird bemängelt. Dennoch setzen fast 40% der aktiven Investoren bereits auf CORE alternative Produkte (Immobilienfunds, Commodities, Private Equity und Hedge Funds). Immobilienfunds und Commodities sind am Beliebtesten. Neben alternativen Anlagen sind auch Aktien nach wie vor sehr gefragt (88%), gefolgt von Investmentfonds (65%) und fest verzinsliche Anleihen mit 44%.

Die Sorgen der Wohlhabenden – Private Vorsorge ist nötiger denn je

Vermögende Privatpersonen in der Schweiz sorgen sich um die zukünftige Finanzierung der laufenden Gesundheitskosten – 2015 bezeichneten 40% diese als Risikofaktor für ihre persönliche finanzielle Zukunft, neu sind dies 62%. Zu den Hauptsorgen zählt trotz des guten Drei-Säulen-Systems, ob sie mit fortschreitendem Alter und nach der Pensionierung ihren Lebensstandard beibehalten können (2015: 19% – 2017: 30%). Die Planung der Pensionierung steht oft hinten an; lediglich 32% der Befragten haben einen präzisen Vorsorgeplan. Der Grund für die Zurückhaltung liegt im Vertrauen auf den Bestand des Vermögens ihrer Familie. Jeder Vierte rechnet damit, seine Einkünfte nach der Pensionierung nur dank Barem auf dem früheren Niveau halten zu können. Berater können hier wichtige Aufklärungsarbeit leisten, denn selbst hohe Cash-Anteile bieten womöglich keinen Schutz – gerade mit Blick auf Inflationsrisiken. 41% sorgen für die Pensionierung mit speziellen Fondspaketen vor, 37% der Befragten setzen auf Immobilien und deren Mieteinnahmen und 35% planen, in andere Vehikel zu investieren.

Quelle: AdvisorWorld