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BlackRock : Wenn drei sich streiten, freut sich der Vierte

BlackRock:  Für geraume Zeit war es ruhig um geworden die Politik in der Eurozone.

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BlackRock Aktueller Blick auf die Märkte


Von Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei BlackRock


Mit dem Sturz von gleich zwei Regierungen – in Italien und den Niederlanden – sowie der Wahl eines neuen CDU-Vorsitzenden in Deutschland stand die Zunft der Volksvertreter in der letzten Woche allerdings wieder einmal voll im Rampenlicht.

Während Regierungschef Conte in Italien auf der schweren Suche nach neuen Mehrheiten ist, dürfte der Sturz der Regierung in Den Haag zwei Monate vor der Parlamentswahl für keine allzu grossen Verwerfungen sorgen. Die Partei von Regierungschef Rutte führt in den Umfragen mit weitem Vorsprung, sodass er aller Voraussicht nach auch die nächste Regierung anführen wird.

Auch die Wahl Laschets zum Kramp-Karrenbauer-Nachfolger bedeutet für die Politik der CDU vor allem eines: Kontinuität – ein Schlagwort, auf dem Laschet bei seiner Rede auf dem Parteitag sogar gezielt herumritt. Laschet selbst war es jedoch wichtig, hervorzuheben, dass es um die „Kontinuität des Erfolgs“ geht und dass das eben gerade nicht bedeutete, dass in der CDU alles „genau weiter so gemacht wird“. Dennoch übernimmt mit seiner Wahl eben jener Kandidat die Parteiführung, welcher unter den drei Bewerbern am ehesten den Kampf Merkels und Kramp-Karrenbauers um Mehrheiten in der politischen Mitte fortsetzen wird und für weniger Disruption steht als die anderen beiden Kandidaten Merz und Röttgen.

Der grosse Gewinner der Wahl Laschets sitzt derweil in München. Markus Söders Chancen als Kanzlerkandidat von CDU und CSU in den nächsten Bundestagswahlkampf zu gehen, dürften seit Samstag erheblich gestiegen sein. Anders als Merz, der seine Kanzlerambitionen klargemacht hat, möchte Laschet ergebnisoffen in die Gespräche mit Söder gehen, die im Frühjahr stattfinden sollen. Viele interpretieren hier vermutlich zu Recht hinein, dass Laschet nicht zum Äussersten bereit ist, um seine Nominierung als Kanzlerkandidat durchzudrücken. Zumal Söder aktuell der deutlich populärere Politiker ist als Laschet. Darüber hinaus sorgte Gesundheitsminister Spahn, dem noch Aussenseiterchancen auf die Kandidatur eingeräumt wurden, auf dem Parteitag für Unmut, als er in einer Rede zu offensichtlich für Laschet warb, was seine ohnehin nur kleine Chance auf eine Nominierung weiter reduziert haben dürfte.

In den USA richtet sich der Blick in dieser Woche auf die Amtseinführung Joe Bidens in Washington am heutigen Mittwoch. Auf der einen Seite ist da die Angst vor weiteren Unruhen. Auf der anderen Seite schürte die Verkündung von Bidens „American Rescue Plans“ in der letzten Woche die Hoffnung auf umfangreiche Hilfen im Kampf gegen die Corona-Krise. Zusätzlich zu den bereits im Dezember beschlossenen Hilfen in Höhe von 900 Milliarden US-Dollar möchte Biden weitere 1,9 Billionen US-Dollar unters Volk bringen, was 8,6 Prozent der US-amerikanischen Wirtschaftsleistung entspricht. Die Demokraten werden – in Abgrenzung zur Trumpschen Dekret-Politik – in einem ersten Schritt versuchen, das Paket als „Regular Order“ durch den Senat zu bekommen. Hierfür wären zusätzlich zu den 50 Stimmen der Demokraten zehn Stimmen der Republikaner notwendig: Ein klares Angebot der Zusammenarbeit und Verständigung seitens der Demokraten, was angesichts der jüngsten Ereignisse in den USA auch bitter notwendig scheint. Gut möglich allerdings, dass dieses Angebot zu früh kommt und Biden zur Verabschiedung des Pakets auf den Prozess namens „Budget Reconciliation“ umschwenken muss. Dann würden 50 Stimmen im Senat ausreichen.

Was das für Anleger bedeutet

Weder die politischen Querelen in Italien und den Niederlanden noch der CDU-Parteitag haben an den Märkten Wellen geschlagen. Zu dominant bleibt die Corona-Pandemie sowie deren Folgen. Da sich trotz der getroffenen Lockdown-Massnahmen hier in Deutschland keine ausreichende Verbesserung der Lage ergeben hat, werden heute sehr wahrscheinlich weitere Verschärfungen beschlossen. Erst wenn es gelingt, die Zahl der täglichen Neuinfektionen nachhaltig und deutlich unter die Marke von 6.000 zu drücken (dies entspräche bei 83 Millionen Deutschen einer 7-Tage-Inzidenz von unter 50), sind hierzulande Lockerungen denkbar. Aktuell scheinen derart Zahlen in weiter Ferne zu sein.

Auch die EZB wird sich auf ihrer dieswöchigen Sitzung den Einfluss der Lockdown-Massnahmen auf die Wirtschaft in der Eurozone sehr genau anschauen. Nach den jüngst beschlossenen zusätzlichen Lockerungsmassnahmen ist jedoch für diese Woche zunächst keine weitere Aktion zu erwarten. Sollte zukünftig ein abermaliges Einschreiten der Zentralbank notwendig werden, würde wohl zunächst über eine Ausweitung des PEPP nachgedacht werden, bevor andere Instrumente in den Blickpunkt rücken.

In dieser Woche werden die Anleger zudem vor allem die anlaufende Berichtssaison der Unternehmen für das vierte Quartal 2020 im Blick haben. Der Auftakt der Finanzunternehmen in den USA war verheissungsvoll. Betrachtet man das vierte Quartal als Ganzes, so wird erwartet, dass die Gewinne für den S&P 500 um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum sinken, bei einem um 0,3 Prozent höheren Umsatz. Die Sektoren mit dem schwächsten Wachstum bleiben vermutlich dieselben, die in den ersten drei Quartalen des Jahres zu kämpfen hatten, einschliesslich Transport, Energie sowie zyklische Konsumgüter.

Quelle: AdvisorWorld.ch