Candriam: die Anleihenblase wird 2018 wohl nicht platzen

Die Investoren haben sich an die expansive Geldpolitik gewöhnt. Nach Jahren der Nullzinsen und Wertpapierkäufe bleibt abzuwarten, ob die Anleihenmärkte einbrechen, wenn sich die Geldpolitik normalisiert….

Von Nicolas Forest, Leiter Anleihenmanagement bei Candriam


„Früher litten Anleihen vor allem unter zwei Entwicklungen: Einem plötzlichen Inflationsanstieg oder einer Straffung der Geldpolitik“, sagt Nicolas Forest, Leiter Anleihenmanagement bei Candriam. So war es 1995, 1999, 2004 und 2010, als mindestens eine der beiden Bedingungen erfüllt war. „2013, als sich die Inflation in Grenzen hielt, hat zweifellos eine Straffung der Geldpolitik den Kurseinbruch ausgelöst.“ 

Heute kommt die Inflation kaum an das 2%-Ziel der Notenbanken heran. Das Problem scheint strukturell, da trotz fallender Arbeitslosigkeit die Löhne kaum steigen und die Notenbanken entschlossen scheinen, ihre expansive Geldpolitik allmählich zurückzuführen. Die EZB bleibt dabei allerdings vorsichtig und setzt ihr Quantitative Easing fort. Jerome Powell, der designierte neue Vorsitzende der Fed, mahnt bei Zinserhöhungen zur Zurückhaltung. Er muss erst noch beweisen, dass er ähnlich wie seine Vorgängerin Janet Yellen im vierköpfigen Direktorium einen Konsens herstellen kann. „Eine massvolle Straffung der Geldpolitik bei niedriger Inflation dürfte nicht zu einem Einbruch der Anleihenmärkte führen, doch die Notenbanken werden die Liquidität zweifellos verringern“, fügt Nicolas Forest hinzu. 2018 wird es auf die Fundamentalanalyse ankommen – und darauf, ob man emittentenspezifische Risiken erkennt. In den nächsten Jahren wird ein flexibles und selektives Anleihemanagement unverzichtbar sein. 

 Politische Unsicherheit in den USA Der aktuelle Aufschwung ist einer der drei längsten sei dem Ende des Zweiten Weltkriegs, und er dürfte nach der Abstimmung über Trumps Steuerplan weitergehen. An den Märkten erwartet man für 2018 aber nicht mehr als zwei Zinserhöhungen, während wir mit mindestens drei Zinsschritten rechnen. Die amerikanische Zinsstrukturkurve dürfte daher noch flacher werden. Mit der Zustimmung zum Steuerreformprojekt könnten sich auch die Inflations- und Wachstumsdynamik ändern. Inflationsindexierte Anleihen könnten dann attraktiver werden.

Neues Wachstum in Europa In Europa hielten sich die politischen Risiken 2017 in Grenzen, nachdem in den Niederlanden und Frankreich europafreundliche Parteien gewählt wurden. Gerade erst hat sich der Euroraum gegenüber den katalanischen Separatisten einig gezeigt, und die zukünftige Koalition in Deutschland dürfte Stabilität garantieren. Aus ökonomischer Sicht sollte die Inflation bei einem Wachstum von mehr als 2% allmählich zulegen. In diesem Zusammenhang dürfte die EZB ihre Wertpapierkäufe im Januar auf 30 Milliarden Euro monatlich halbieren (bis September) und sie Ende 2018 ganz beenden. Die erste Leitzinserhöhung ist für die zweite Jahreshälfte 2019 zu erwarten. Die deutschen Zehnjahresrenditen könnten im kommenden Jahr dann auf 0,90% steigen, sodass wir diese Titel untergewichten. Peripherieländerstaatsanleihen dürften hingegen von besseren Fundamentaldaten und attraktiven Bewertungen profitieren. Hier sehen wir 2018 interessante Ertragschancen.

Euro: Der neue sichere Hafen Der Wachstumsunterschied zwischen den USA und dem Euroraum sowie das geringere Leistungsbilanzdefizit veranlassen uns, den Euro gegenüber dem US-Dollar zu bevorzugen; unserer Ansicht nach beträgt der faire Wechselkurs 1,25. Ausserdem könnten die politischen Risiken in den USA zunehmen und den US-Dollar verlustanfälliger machen. Die Allianz zwischen Macron und Merkel könnte hingegen das Vertrauen in Europa stärken, sodass der Euro bei höherer Marktvolatilität zu einer attraktiven Währung werden kann.

Unternehmensanleihen: Europäische Banktitel bevorzugt. Die Spätphase des Kreditzyklus, die fallenden Risikoprämien und die geringere Liquiditätszufuhr der Notenbanken haben uns schon zum Jahresende zu einer konservativen Positionierung in Unternehmensanleihen veranlasst. Amerikanische Investmentgrade-Emittenten sind hoch verschuldet, höher noch als die europäischen – und das erstmals seit zehn Jahren. Ausserdem wird sich die durchschnittliche Kreditqualität in den USA verschlechtern, während die Ratings in Europa angehoben werden. Wir bevorzugen daher weiter den Bankensektor, wegen seiner attraktiven Bewertungen und der besseren Fundamentaldaten. Die steigende Qualität der Aktiva, ihre bessere Liquidität und die steilere Zinsstrukturkurve im Euroraum werden den Gewinnen der Banken nützen. Angesichts der hervorragenden Wertentwicklung nachrangiger Anleihen in den letzten Jahren halten wir eine gründliche und strenge Analyse nach Kapitalklassen für entscheidend, um aus dem Anlageuniversum die attraktivsten Titel auszuwählen und Fallstricke zu vermeiden.

Schwellenländer: Wählerisch bleiben Nach zwei Jahren mit sehr guter Wertentwicklung profitieren die Schwellenländer noch immer von den sich bessernden Fundamentaldaten. In vielen Ländern hat das Wachstum angezogen, sodass die Leistungsbilanzdefizite schrumpften. Mit Renditen von 5% für Fremdwährungsanleihen und 6% für Lokalwährungstitel bleiben Emerging-Market-Anleihen ausserdem recht attraktiv bewertet.

Trotz des guten gesamtwirtschaftlichen Umfeldes bleiben für Schwellenländeranleihen 2018 einige Risiken. In vielen Ländern stehen Wahlen an, unter anderem in Südafrika und vielen lateinamerikanischen Staaten. „Die Fundamentaldaten sind gut, doch es gibt externe Risiken. 2018 muss man daher wählerisch sein. Wer in die Schwellenländeranleihen investiert, benötigt einen aktiven Ansatz. Um Performance zu erzielen, muss man Risiken kontrollieren und auf Bewertungsdifferenzen setzen“, fügt Nicolas Forest hinzu. Wichtig ist, dass das Schwellenländeranleiheuniversum überwiegend in US-Dollar denominiert ist, die Investoren aber meist in Europa leben. Sie müssen daher Währungsrisiken absichern.

Quelle: AdvisorWorld