Kommentar DNCA: Das Gorilla-Experiment

In unserem ersten Brief des Jahres 2018 möchten wir die Ergebnisse eines psychologischen Experiments aus dem Jahre 1999 vorstellen, das von den US-amerikanischen Wissenschaftlern Christopher Chabris und Daniel Simons von der Universität Harvard durchgeführt wurde…..

Von Igor de Maack, Fondsmanager bei DNCA


In diesem Experiment wurde einer Gruppe von Teilnehmern ein Video gezeigt, in dem zwei Basketball-Teams gegeneinander spielen.

Das eine Team trug weisse, das andere schwarze Trikots. Die Versuchspersonen mussten sämtliche Ballwechsel zwischen den Mitgliedern des weissen Teams zählen. Während des Spiels, das insgesamt weniger als eine Minute dauerte, lief ein Mann im Gorillakostüm mehrere Sekunden lang über das Spielfeld. Später mussten die Teilnehmer angeben, wie oft sich die weisse Mannschaft den Ball zugespielt hatte, und ob ihnen in dem Video etwas Ungewöhnliches aufgefallen war.

Das überraschende Ergebnis: Die Hälfte der Teilnehmer hatte den Gorilla überhaupt nicht bemerkt. Dieses kleine Experiment zeigt, dass eine zu grosse Konzentration auf ein einzelnes Objekt uns daran hindert, etwas Ungewöhnliches oder Unerwartetes wahrzunehmen. Während wir intuitiv damit rechnen, dass unsere Aufmerksamkeit durch ein überraschendes Ereignis abgelenkt werden könnte, verhindert unsere Konzentration auf ein festgelegtes Ziel, dass wir dieses Ereignis wahrnehmen. Der Gorilla-Test deckt unsere Aufmerksamkeitsschwächen und eine gewisse Form von Wahrnehmungsblindheit auf.

Diesem Gorilla-Test sollten sich unsere Manager im Jahr 2018 vielleicht stellen. Ein Manager muss sich wie die Teilnehmer der Studie auf eine ganz bestimmte Sache konzentrieren (nämlich die Performance). Es kann also vorkommen, dass er Risiken (Gorillas) nicht erkennt, obwohl dies aufgrund seiner Ausbildung und seiner technischen Kenntnisse normalerweise kein Problem für ihn ist.
Hoffen wir also, dass im neuen Jahr, für das wir alles Gute wünschen, die Gorillas erkannt werden, auch wenn sie sich im dichten Nebel der Finanzmärkte verstecken.

Quelle: AdvisorWorld