Magnatantini Roberto Decalia

Decalia: Neue Aktien im Pharma-Universum

Decalia : Der Gesundheitssektor hat nicht auf den Coronavirus gewartet, um innovative Lösungen einzuführen.

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Von Roberto Magnatantini, Leitender Portfoliomanager DECALIA


Die Revolution war bereits im Gange, die Pandemie hat lediglich als Beschleuniger gewirkt.

Dass der Coronavirus unsere Gesellschaft verändert hat, ist schon jetzt eine Binsenweisheit. Doch obwohl Zoom und Amazon in unseren Alltag eingezogen sind, kennen die wenigsten Teladoc oder M3, die beiden Hauptakteure im digitalen Gesundheitswesen. Während diese Namen uns noch nicht vertraut klingen, sind die Märkte schnell auf die Performance der Aktien dieser Unternehmen aufmerksam geworden. Sie stehen den anderen Gewinnern der Krise in nichts nach.

Enorme Fortschritte

Seit einigen Jahren sieht sich die Branche mehreren grundlegenden Transformationsfaktoren gegenüber. In erster Linie sind hier die Fortschritte in der Analyse der DNA-Sequenzen eines Genoms, die Erfassung personenbezogener Daten und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz für die Datenanalyse und -verarbeitung in grossem Massstab zu nennen.

Bis vor Kurzem funktionierte dieser gigantische Markt noch nach herkömmlichen Mustern. Im Laufe der Zeit sind die Gesundheitskosten in den Industrieländern erheblich schneller gestiegen als ihr BIP. Zurückzuführen ist dies auf die zunehmend komplexe Medizintechnik, die Alterung der Gesellschaft und auf die bescheidenen Fortschritte in Bezug auf die Produktivität.

Hilfe kam durch Technologie: Die Echtzeit-Erfassung von Daten hat durch die Verbreitung von Smartphones und Smart Watches grosse Fortschritte gemacht. Ein interessantes Beispiel aus diesem Segment ist das US-Unternehmen Dexcom, das ein System zur Glukose-Kontrolle anhand eines subkutanten Implantats entwickelt hat. Die Blutzuckerwerte werden mit Algorithmen ausgewertet – eine Erleichterung für alle Diabetiker. Derartige Lösungen gehören zum Bereich „personalisierte Therapien“ im Gegensatz zum „one size fits all“-Prinzip, das bisher galt.

Telemedizin im Vormarsch

Ein anderes attraktives Unternehmen ist Veeva: Es entwickelt Cloud Computing-Software- und Apps für die Pharma- und die Biotechbranche. Mit den Lösungen von Veeva können Patientenkontakte im Rahmen klinischer Studien verwaltet und pharmazeutische Produktpipelines durch die Verarbeitung vertraulicher und personenbezogener Daten entwickelt werden.

An dieser Stelle muss auch Teladoc erwähnt werden, der in den USA ansässige emblematische Marktführer für Telemedizin, der durch die Covid-Krise ein exponentielles Umsatzwachstum verzeichnet hat. Einer Ende April von der Unternehmensberatung McKinsey durchgeführte Studie zufolge haben fast die Hälfte aller US-Bürger telemedizinische Dienstleistungen anstelle der gewohnten Arztbesuche genutzt. Zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr belief sich diese Zahl auf nicht einmal 10%…

Obwohl Europa in diesem Bereich im Rückstand liegt, machen auch hier einige Unternehmen von sich reden. Ein sehr gutes Beispiel ist Philips. Im Bereich „Connected Care“ ermöglicht die IntelliVue-Anwendung die Überwachung von Gesundheitsdaten stationärer Krankenhauspatienten in Echtzeit. Das niederländische Unternehmen ist im Segment der Software- und Cloud-Dienstleistungen ebenfalls gut aufgestellt und unterstützt Krankenhäuser bei der Bewältigung hoher Datenvolumina und der zunehmenden Komplexität dieser Daten.

Revolution in der Pharma-Branche

Auf regulatorischer Ebene haben viele Regierungen umgehend reagiert und ihren Rechtsrahmen angepasst, um die Herausforderungen der Pandemie stemmen zu können. So hat Deutschland beispielsweise ein Gesetz verabschiedet, das die obligatorische Digitalisierung von Rezepten ab April 2022 vorsieht. Wahrscheinliche Nutzniesser werden das Schweizer Unternehmen Zum Rose und die deutsche Shop Apotheke sein. Beide Unternehmen sind Online-Apotheken. Dies ist eine Revolution in einer Branche, deren Geschäftsmodell seit Jahrhunderten unverändert war. Es überrascht wenig, dass sich der Online-Gigant Amazon, der sich bisher noch eher im Hintergrund hält, jetzt seinen Markteintritt – zunächst in Nordamerika – angekündigt hat.

Ein letztes Segment, in dem die Digitalisierung mit riesigen Schritten fortschreitet, ist die Entwicklung und Herstellung pharmazeutischer Produkte. Ein unumgänglicher Akteur in diesem Bereich ist das deutsche Unternehmen Sartorius, das auf seiner Digitalplattform unter anderem Lösungen für Zellanalysen und die Quantifizierung von Viren anbietet. Für Kunden aus dem Biopharmasektor sind Schnelligkeit und Effizienz bei der Entwicklung ihrer Medikamente von zunehmender Bedeutung.

Alle vorgestellten Unternehmen haben in höchstem Mass von der Pandemie profitiert. In einigen Fällen ist ihr Börsenkurs explodiert, so dass sie Kandidaten für Gewinnmitnahmen sind. Die durch die Hoffnung auf die baldige Verfügbarkeit von Impfstoffen ausgelöste Sektorrotation der letzten Wochen hat dies eindrucksvoll verdeutlicht. Langfristig beurteilen wir das Potenzial dieses Anlagethemas aber sehr positiv, denn wir stehen gerade erst am Anfang der digitalen Revolution im Gesundheitssektor.

Quelle: AdvisorWorld.ch