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DNCA: Notstand

DNCA: Die Welt befindet sich in einem gesundheitlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Notstand.

Von Igor de Maack, Fondsmanager und Sprecher für DNCA


Niemand kann vorhersagen, wann wir diese beispiellose Krise überwunden haben werden, die bereits im Dezember in China ihren Lauf nahm. Fest steht: Für den plötzlichen Stillstand der Wirtschaft im ersten Halbjahr 2020 werden wir einen hohen Preis zahlen. Die Zahl der Einschläge (wobei diesmal eine Gesundheitskatastrophe hinzukommt) macht die jetzige Krise mit der Schockwelle vergleichbar, die der Bankrott von Lehman Brothers 2008 an den Finanzmärkten auslöste. Noch bleibt abzuwarten, wie hoch der wirtschaftliche Schaden ausfallen wird, der dieselbe Grössenordnung erreichen könnte, wenn auch über einen kürzeren Zeitraum.

Fokus der Märkte

Einige Ökonomen schätzen, dass das chinesische BIP im ersten Quartal um 6 % geschrumpft sein könnte. Die angesehensten Gesundheitsexperten wie auch die politischen Führungen versuchen, das Ende der Kurve der Neuinfektionen und der Todesfälle vorauszusehen. Dies sind die Zahlen, auf die sich die Märkte zu konzentrieren scheinen – stärker noch als auf die angekündigten Notfallpakete und Interventionen der Zentralbanken.

Die Welt von morgen

Das jüngste Beispiel ist hier das von der EZB aufgelegte Pandemic Emergency Purchasing Program (PEPP), das die Kommunikationsfehler des EZB-Rats jedoch nicht auszuradieren vermochte. Auf den ersten Blick scheinen die Reaktionen von Regierungen und Finanzinstitutionen der Lage angemessen. Am Anleihe- und am Kreditmarkt im Euroraum fanden die Massnahmen zum Ende der Woche einen relativ guten Anklang.

Die drastischen Leitzinssenkungen der Fed und der BoE in Kombination mit der Bereitstellung von Liquidität zur Finanzierung der Volkswirtschaften sind Schritte in die richtige Richtung. Doch werden sie ausreichen? Lässt sich das Virus eindämmen, wie erste ermutigende Statistiken aus China nahezulegen scheinen? Auch wenn es noch zu früh ist, darüber nachzudenken: Wird die Welt von morgen noch dieselbe sein?

Mehrere Quartale bis zur Erholung

Es stellen sich ganz praktische Fragen zum Zustand des Gesundheitswesens, zu den Gesundheitsvorschriften, zu unserem Leben als Gemeinschaft, zur Organisation der Produktionskette und zu den Investitionsschwerpunkten.

Die Steuerbelastung dürfte zunehmen, um die Haushaltsdefizite und den Anstieg der Staatsschulden abzufedern. Niemand war auf diese Pandemie vorbereitet. Und doch gehören Pandemien seit je zur Geschichte der Menschheit dazu, selbst in jüngster Zeit – siehe die Asiatische Grippe 1957 und die Hongkong-Grippe 1968.

Die Hongkong- Grippe dient heute sogar als Beispiel für sämtliche Pandemie-Modellrechnungen. Momentan müssen Vermögensverwalter vor allem die Liquidität ihrer Portfolios und Positionen im Blick behalten. Vergleicht man den jetzigen Börsenabsturz mit dem Crash von 1987, so könnte schon das zweite Halbjahr im Zeichen der Erholung stehen. Die Weltwirtschaft wieder flottzumachen, dürfte jedoch mehrere Quartale dauern.

Quelle: AdvisorWorld