Murray Eoin Federated Hermes

Federated Hermes : Ausblick 2021, Aktien, Anleihen & Co.

Federated Hermes : Das Marktumfeld im ersten Halbjahr war bereits eine Herausforderung – mit Inflationserwartungen, leichten Aufschwüngen und Sektorrotationen.

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Eoin Murray, Head of Investment


Vier klare Analysen zum zweiten Halbjahr:

Eoin Murray, Head of Investment:

Blicken wir voraus: Die Welt steht vor grundlegenden Veränderungen. All die Netto-Null-Versprechen und Zugeständnisse sowie die Maßnahmen in Richtung einer grünen Wirtschaft sind sehr erfreulich – aber wir stehen wahrscheinlich immer noch vor einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von mindestens +2,4 °C.

Die Bewältigung von Pandemien, die Verringerung der Ungleichheit, die Beseitigung der globalen Armut und der Klimawandel erfordern systematisches Denken und globale Lösungen. Wir müssen noch weiter gehen, das Tempo erhöhen und eine Nachhaltigkeits-Revolution vorantreiben.

Nachhaltigkeits-Revolution durch erneuerbare Energien

Bei der ersten industriellen Revolution ging es um die Anwendung von Dampf in industriellen Prozessen und im Transportwesen; bei der zweiten industriellen Revolution ging es darum, Dampf durch Elektrizität zu ersetzen. Diese Nachhaltigkeits-Revolution, die gerade erst beginnt, konzentriert sich darauf, die Energiequelle der Elektrizität von fossilen auf erneuerbare Energien umzustellen.

Der Anteil von Wind- und Solarenergie an der weltweiten Energieerzeugung liegt heute bei etwa 10 % und muss bis 2030 auf etwa 40 % und bis 2050 sogar auf 75 % ansteigen, wenn wir den Netto-Nullpunkt erreichen wollen.

Für Investoren bedeutet dies einen Wandel. Unternehmen, die nicht in der Lage sind, sich umzustellen, werden darunter leiden, was sich auch auf das Humankapital auswirkt. Aber für diejenigen, die es richtig machen, ist die Chance enorm.

Dall Angelo Silvia Hermes IMSilvia Dall’Angelo, Senior Economist:

Seit unserer letzten Makro-Prognose Ende 2020 hat sich der wirtschaftliche Ausblick deutlich aufgehellt. Die Erholung von der schärfsten Rezession seit Jahrzehnten hat beträchtliche Fortschritte gemacht, gestützt durch Fortschritte bei der Einführung von Impfstoffen und großzügige geld- und fiskalpolitische Maßnahmen. Während die Dynamik der Erholung die Stimmung an den Finanzmärkten kurzfristig stützen sollte, sind die Risiken nicht verschwunden.

Auf kurze Sicht sind die anhaltenden Divergenzen – insbesondere zwischen den Industrie- und Schwellenländern – eine Schwachstelle. Und in gewissem Zusammenhang damit: Die Mutation des Virus stellt immer noch eine Unsicherheit dar.

Aus Sicht der Finanzmärkte: Die Bedenken über eine mögliche Rückkehr erhöhter Inflation und die damit verbundene Aufhebung der geldpolitischen Akkommodation könnten zu Volatilität – und im schlimmsten Fall – zu einer Verschärfung der finanziellen Herausforderungen für die Realwirtschaft führen.

Mittelfristig sind die Risiken und Chancen noch deutlicher ausgeprägt. Trotz des Hypes um den „Wiederaufschwung“ ist nicht klar, ob eine abgestimmt durchgreifende Politik vorhanden ist, die einen grünen und integrativen Aufschwung begünstigt.

Es besteht daher das Risiko in ein makroökonomisches Szenario aus der Zeit vor Covid zurückzufallen – geprägt von schleppendem Produktivitätswachstum, steigender Ungleichheit und einer drohenden Klimakrise.

Dudley Louise Federated HermesLouise Dudley, Global Equities Portfolio Manager:

Die Risikobereitschaft blieb weiterhin volatil, aber trotz des Abschwungs Mitte Mai sind Anleger weiterhin so positioniert, dass sich Risikofreude zeigt. Dies spiegelt sich in einer Vorliebe für Value auf Kosten von Growth wider.

Die Inflation ist nach wie vor die Hauptsorge, wobei die Anleger unschlüssig sind, ob es sich um eine vorübergehende oder um eine dauerhafte Entwicklung handelt. Vorerst scheint die Fed von ersterem überzeugt zu sein, da es wohl bis 2023 keine Zinserhöhungen geben wird. Angesichts der steigenden Lohninflation und der Angebotsverknappung in bestimmten Bereichen scheint der Druck jedoch zuzunehmen. Ein Entscheid der Fed dürfte jedoch der Inflation den Wind aus den Segeln nehmen – und die Value-Rallye fortsetzen, wenn auch qualitativ ausgerichtet.

Netto-Null als Leitimpuls

Mit Blick auf die Zukunft erwarten wir, dass sich der Fokus wieder auf Umweltthemen richten wird, sobald wir die Pandemie überwunden haben. Die EU-Taxonomie sollte das Bewusstsein für Umweltchancen erweitern, während die „Netto-Null bis 2050“-Roadmap der Internationalen Energieagentur die unmittelbare Notwendigkeit des Einsatzes sauberer Energielösungen unterstreicht. Außerdem: mit der COP26, die noch in diesem Jahr stattfinden wird, werden grünere Bereiche des Marktes verstärkt ins Blickfeld rücken. Grüne Investitionen werden zulegen und im Gesamtmarkt ankommen.

Wir konzentrieren uns auch weiterhin auf die Aussichten für Good-Governance-Standards. Die Pandemie hat die Risikoprioritäten einiger Unternehmen verschleiert, was potenzielle Schwachstellen insbesondere in Produktbereichen mit sich bringen kann. Dies ist ein Risiko, dem ein großer Teil des Marktes durch die finanziellen Auswirkungen auf Marken, Reputation, Vertrauen sowie der License-to-Operate ausgesetzt ist. Wenn Unternehmen durch die Suche nach neuem Kapital, Fusionen und Übernahmen oder interne Innovationen wachsen, sind klare Kennzahlen zur Produkt-Governance entscheidend, um die nachhaltigen Gewinner von morgen zu identifizieren.

Jackson Andrew Federated HermesAndrew Jackson, Head of Fixed Income

Die Erholung beginnt sich zu beschleunigen und wir sehen starke Gewinne bei den Unternehmen, welche die Bonitätskennzahlen verbessern werden. Die Rating-Agenturen nehmen dies zur Kenntnis: Heraufstufungen nehmen zu, was einen Teil der starken Herabstufungsaktivitäten des vergangenen Jahres wettmacht. Im bisherigen Jahresverlauf haben sich Cash-Bonds besser entwickelt als synthetische Anleihen. Das hat uns ermöglicht, von Anleihen zu Credit Default Swaps (CDS) zu wechseln – was auch dazu beiträgt, unsere Zinslasten zu reduzieren.

Energie- und Metall-Sektor profitiert im Inflationsumfeld

Was die Risiken anbelangt, so bleiben steigende Inflation und ein ungeordneter Ausverkauf der Zinsen für uns ein zentrales Tail-Risk-Problem. Wir sehen Energie- und Metallunternehmen am besten aufgestellt, wenn die Inflation weiter steigt. Da die Unternehmen ihre Bilanzziele erreichen, könnte zudem anleihenaversives Handeln zunehmen – wir stellen in diesem Jahr eine Zunahme des M&A-Volumens und der Cov-Lite-Emissionen fest. Die implizite Volatilität ist jedoch 2020 deutlich gesunken, was die Kosten für die Absicherung durch Optionen sehr attraktiv macht, selbst wenn in naher Zukunft kein signifikanter Marktschock auftreten sollte.

Mit Structured Credit, Direct Lending und Real Estate Debt diversifizieren

Trotz der aktuellen Bewertungen: Wir sehen unterhalb der Oberfläche viele Chancen. Wir sind der Meinung, dass ein flexibler Ansatz, der nicht durch die Art des Assets oder die Region eingeschränkt ist, die beste Chance bietet, in diesem Markt weiterhin Alpha zu liefern. Die Zugangsmöglichkeit zu allen Teilen des Fixed-Income-Bereichs, wie Structured Credit, Direct Lending und Real Estate Debt, kann Anlegern ebenfalls helfen, Zugang zu diversifizierten Rendite- und Ertragsquellen zu erhalten. Da die Welt weiterhin vor großen Herausforderungen, wie dem Klimawandel, steht, erachten wir die Integration von ESG-Aspekten in den zukünftigen Anlageprozess als entscheidend für Anleger.

Quelle : AdvisorWorld