Lyxor Investment Focus – Geopolitik wieder im Spiel: Störfaktoren?

Die Wirtschaft hat dieses Jahr einen höheren Gang eingelegt…..

 

Lionel Melin, Senior Cross-Asset Strategist bei Lyxor


Entsprechend verzeichnen diverse Risikoanlegeklassen zweistellige Gewinne. Könnten aber erneut auftauchende geopolitische Störfaktoren die weitere Erholung beinträchtigen?

Die Hauptrisiken konzentrieren sich auf drei Regionen:

Erstens, im Nahen Osten scheint der künftige Führer Saudi-Arabiens zu versuchen, seine Macht zu festigen. Die Situation entwickelt sich schnell mit einer Reihe von Akteuren: Katar, Iran, Türkei, Libanon, Syrien, Irak und natürlich Saudi-Arabien… ohne Isis, Russland und die USA zu vergessen. Wir erwarten keine Eskalation, aber wir gehen davon aus, dass die Risikoprämie den Ölpreis für eine Weile auf hohem Niveau halten wird. Wir haben unser Zielband für ein Barrel Brent auf 55-61 Dollar angehoben.

Zweitens, die USA. Dort haben  beide Häuser des Kongresses jetzt ihre Steuerreformvorschläge veröffentlicht und die Verhandlungen laufen. Wir glauben, dass die Vorteile eines Abkommens sich erhöht haben. Umso mehr, als die Republikaner nun unter Druck stehen, etwas vor den mid-term Elections  im  November 2018 zu liefern. Wir empfehlen, trotz der Kosten in US-Aktien investiert zu bleiben. Wir können jedoch keine Sektorpräferenz angeben, da es noch zu früh ist, um vollständig zu verstehen, wie die endgültige Version des Steuerpakets aussehen könnte.

Drittens, Europa, wo einige alte Hürden wieder aufgetaucht sind. Während das Vereinigte Königreich mit den Brexitfolgen ringt (mit der Gefahr, dass die Stagflation auf der Insel gross wird), hat sich in Katalonien eine neue Front für die Unabhängigkeit eröffnet. Die ETF-Aktienströme zeigen uns, dass europäische Investoren an die konjunkturelle Erholung in Euroraum glauben, während sich ausländische Investoren mehr Klarheit über die spanische, italienische und  deutsche Politik wünschen. In diesem Zusammenhang kann es einige Zeit dauern, bis unser leichtes Übergewicht bei den EMU-Aktien Früchte trägt. Die französischen Aktien dürften jedoch in den Genuss der ‚macron-ökonomischen‘ Reformen kommen.

Alles in allem bleiben wir umsichtig. Bislang ist das Gleichgewicht der Risiken vorhanden, aber ein vorsichtiger Anleger sollte bereit sein, wieder auf kurzfristige Volatilitätsstrategien oder Gold umzusteigen und gut reflektiert  zwischen Euro- und Dollaranlagen abzuwägen.

Am anderen Ende des Spektrums und der Welt wurden politische Fragen in China und Japan gelöst. Die Reformprogramme sollen von Präsident Xi und Premierminister Abe vorangetrieben werden, was international viel Aufmerksamkeit und Investorenimpulse hervorruft. Wir haben uns zu einer leichten Übergewichtung der japanischen Aktien entschlossen,  unsere Haltung gegenüber chinesischen Offshore-Titeln indessen neutralisiert, da diese im laufenden Jahr bereits um 50% zugelegt haben.

Quelle: AdvisorWorld