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GSAM : Grün ist die Hoffnung

GSAM : Grün ist die Hoffnung: vier Branchen, die sich in der Krise wandeln – und wachsen.

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von Luke Barrs, Leiter GSAM Fundamental Equity Client Portfolio Management EMEA bei Goldman Sachs Asset Management


Von Automobil bis Verpackungen: Warum bislang kritisch betrachtete Unternehmen auch in stark von Strukturwandel und Corona-Lockdown betroffenen Branchen immer nachhaltiger werden – und so für Anleger relevant bleiben.
Vier exemplarische Branchenbeispiele:

Energie: Viele Unternehmen wappnen sich gegen einen doppelten Öl-Coronavirus-Schock, da die Ölpreise aufgrund eines krisenbedingten Nachfrageeinbruchs sowie unzureichender Produktionskürzungen einbrechen.

Dominierende kurzfristige Einbrüche basieren unter anderem auf Herabstufungsrisiken und Liquiditätsproblemen.Doch das Streben nach sauberen Energiequellen ist nach wie vor intakt und treibend. So haben sich im vergangenen Jahr viele Öl- und Gasunternehmen verpflichtet, bis 2050 null Emissionen (netto) zu erreichen. Dazu sind Investitionen in saubere Energien erforderlich. Die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Projekte bleibt im Vergleich zu konventionellen Investitionsprojekten interessant – aufgrund steuerlicher Anreize und niedrigerer Ölpreise. Wir gehen davon aus, dass die Investitionen in erneuerbare Energien stabil bleiben, auch wenn andere Kosten gesenkt werden, um die Liquidität aufrecht zu erhalten. Kurzfristig nehmen wir an, dass grosse Öl- und Gasunternehmen mit grösseren finanziellen Möglichkeiten ihr Engagement für die Bemühungen um den Klimawandel beibehalten werden – während Unternehmen mit niedrigerem Rating der Kapitalerhaltung Vorrang einräumen. Über die Corona-Krise hinaus erwarten wir, dass wettbewerbsfähige Kosten für erneuerbare Energien und niedrige Zinssätze zu verstärkten Investitionen in weitere Maßnahmen zur Dekarbonisierung führen.

Automobile: Der Klimawandel ist ein Schlüsselfaktor für Investitionen in diesem Segment.

Doch angesichts eines rapiden Umsatzrückgangs und geschlossener Produktionsanlagen konzentrieren sich Unternehmen derzeit mehr auf das Liquiditätsmanagement als auf Umweltbemühungen. Wir glauben jedoch, dass die Autohersteller, die in Elektrofahrzeuge (EVs) investieren, auf lange Sicht gut abschneiden werden. Strenge Emissionsnormen, insbesondere in Europa und China, werden die Autohersteller weiterhin zur Produktion von Elektrofahrzeugen zwingen. Tatsächlich haben einige europäische Autohersteller Dividenden gekürzt, um Liquidität und damit EV-Investitionen zu schonen. Darüber hinaus glauben wir, dass jegliche steuerliche Unterstützung des Sektors zusätzliche Anreize zur Förderung von EV-Käufen schaffen wird – wie in China, dem weltweit grössten EV-Markt.

Luftfahrt: Internationale Reisebeschränkungen haben einige Fluggesellschaften dazu veranlasst, ältere, weniger treibstoffeffiziente Flugzeuge früher als geplant in den Ruhestand zu schicken – zugleich eine positive Entwicklung für die Umwelt.

Liquiditätsbeschränkungen sind allerdings von entscheidender Bedeutung, da Fluggesellschaften länger als andere Sektoren mit schwierigen Bedingungen konfrontiert sein werden. Der Hintergrund: Reisebeschränkungen sind wahrscheinlich die letzte Lockdown-Komponente, die sich normalisieren werden. Dieser Gegenwind, zusammen mit niedrigen Ölpreisen, könnte die Auslieferung neuer treibstoffeffizienter Flugzeuge verzögern. Nichtsdestotrotz denken wir, dass einige Fluggesellschaften eine längerfristige Perspektive einnehmen und halten können. Wir gehen zugleich davon aus, dass die Verpflichtungen zur Senkung der Luftverkehrsemissionen im Laufe der Zeit aufgrund des regulatorischen Umfelds fortbestehen werden.

Verpackung: Weltweite Lockdowns sorgten für die Zunahme des Online-Shoppings. Die E-Commerce-Durchdringung wird wahrscheinlich auch bei einer Normalisierung der Wirtschaft höher bleiben als vor der Krise – dies könnte als struktureller Rückenwind für die Anbieter von Verpackungen dienen. Dieser Trend wird jedoch auch Auswirkungen auf die Umwelt haben. Vor der Krise machten Verpackungen für Produkte, die nach Hause geliefert werden, bereits 30 Prozent des jährlichen US-Feststoffabfallaufkommens aus. Mittlerweile ist die Hälfte aller jemals produzierten Kunststoffabfälle in den vergangenen fünfzehn Jahren entstanden – von denen aber nur 9 Prozent  wiederverwertet wurden. Die negative ökologische Bilanz von Kunststoff beschäftigt Verbraucher schon seit einiger Zeit. Viele Regierungen haben mittlerweile Massnahmen ergriffen: von Gebühren für Plastiktüten bis hin zum Verbot einiger Einwegprodukte aus Kunststoff. Auch die Unternehmen haben auf den Bedarf an nachhaltigen Verpackungsoptionen reagiert – und sich um Innovationen bemüht, um Alternativen zu schaffen.

Gesundheits- und Hygienebedenken können also kurzfristig zu einem verstärkten Einsatz von Einwegverpackungen führen – wie jüngst zu beobachten in Supermärkten und Coffeeshops, wo die Verwendung wiederverwendbarer Beutel und Tassen eingeschränkt wird.

Über diese kurzfristigen Verhaltensänderungen hinaus erwarten wir jedoch anhaltenden regulatorischen Gegenwind für Kunststoff und weitere Innovationen bei nachhaltigen Verpackungslösungen.

Quelle: AdvisorWorld.ch