“Inflationsziel 2%: Eine Erfolgsgeschichte” – aktueller Marktkommentar der Schwyzer Kantonalbank

Eine erfolgsgeschichte….  

 

 Standpunkt September 2017

Thomas Heller, Leiter Research und Chief Investment Officer der SZKB


Das wichtigste und oft einzige Ziel einer Notenbank ist es, für Preisstabilität zu sorgen. Die EZB hat bei ihrer Amtsaufnahme 1998 Preisstabilität als eine Preissteigerungsrate von unter, aber nahe 2% definiert. Auch die US-Notenbank (Fed) richtet sich nach einer Teuerungsrate von 2% – früher als Orientierungsgrösse, seit 2012 als offizielles Inflationsziel.

Warum 2% und nicht 0%? Oder 1% oder 3%? Was ist gut daran, wenn sich die Kaufkraft des Geldes innerhalb von 34 Jahren halbiert? Wie exakt lässt sich die effektive Teuerung messen? Wie kann eine Notenbank die Teuerung steuern? Das sind schwierige und zum Teil heikle Fragen. Ausführungen dazu würden den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Lassen wir deshalb diese Fragen hier beiseite und unterstellen, dass alles seine Berechtigung und Richtigkeit hat. Und schauen wir uns die Realität der letzten Jahre in den USA an. Die relevante Kerninflation (welche die volatilen Nahrungsmittel- und Energiepreise ausschliesst) lag zuletzt bei 1.7%. Zu tief, wie Fed-Chefin Yellen immer wieder betont. Warum tut sie das? Es ist nicht ersichtlich, was an 1.7% so viel schlechter sein soll als an den angestrebten 2%. Ausserdem: Während der letzten gut sechs Jahre lag die Kernteuerung stets in einem engen Band von 1.5% bis 2.3%, im Durchschnitt bei knapp 2%. Eine Punktlandung! Ein ähnliches Bild ergibt sich auf etwas tieferem Niveau für die Eurozone. 0.6% bis 1.7% betrug die Spannbreite der Inflation im selben Zeitraum. Im Durchschnitt gut 1%. Hand aufs Herz: Wer würde sich angesichts einer solch stabilen Teuerungsentwicklung beklagen wollen, dass die EZB ihr Inflationsziel von 2% mehrheitlich verfehlt hat?

Ironie der Geschichte: Zwischen Ende der 60er-Jahre und Mitte der 90erJahre lag die Inflation in den USA mehr als ein Vierteljahrhundert lang über 3%, während mehr als acht Jahren gar über 6% (1974-1982; vgl. Abb. Seite 8). Innerhalb der Eurozone gibt es zahlreiche Länder (z.B. Italien und Spanien) mit einer Hochinflations-Vergangenheit. Auch Deutschland erlebte nach der Wiedervereinigung Anfang der 90er-Jahre einen Teuerungsschub. Vor dem Hintergrund dieser Inflationsgeschichte sind die 2%-Ziele entstanden. Die Inflation sollte nicht auf 2% angehoben, sondern auf dieses Niveau gedrückt werden.

Die penetrante Fixierung auf die 2% und die “Verteufelung” jeglicher Abweichung von diesem Ziel scheint also übertrieben. In Bezug auf die Preisstabilität ist die Geldpolitik der letzten Jahre der Fed und der EZB sogar eine Erfolgsgeschichte.

Auf einen blick

Anleihen

Wir rechnen bis Ende Jahr mit leicht höheren Zinsen. Dies aufgrund der soliden Konjunkturentwicklung und etwas restriktiverer Notenbanken. Der Anstieg dürfte sich ohne Inflationsüberraschung aber in Grenzen halten.

Aktien

Die Notenbanken werden allmählich weniger expansiv. Damit lässt ein wichtiger positiver Impuls für die Aktienmärkte nach. Die Chance auf deutliche Kursgewinne ist zudem mit Blick auf die hohen Bewertungen gering. Wahrscheinlicher ist eine Seitwärtsbewegung. Überzeugen die Unternehmenszahlen und die Konjunktur nicht, droht wohl ein Rücksetzer.

Immobilien Schweiz

Die positive Kursentwicklung der Immobilienanlagen hat die Bewertungen auf Höchststände getrieben. Der erwartete moderate Zinsanstieg stellt kaum eine akute Gefahr dar. Die Nachfrage nach Immobilieninvestments dürfte hoch bleiben. Zumindest ist nicht mit kursbelastenden Verkäufen seitens der Anleger zu rechnen.

Rohstoffe

Die OPEC und Russland beschränken die Öl-Produktion, um den Preis zu stützen. Gleichzeitig ist aber das Aufwärtspotenzial beschränkt. Denn über einem Preis von rund USD 50 ist es für viele ungebundene Produzenten (z.B. US-Fracker) profitabel, die Produktion auszuweiten. Insgesamt spricht dies für eine Seitwärtsbewegung zwischen USD 40 und 55. Beim Gold ist mit einer Seitwärtsentwicklung zu rechnen, ausser die Risiken (z.B. Nordkorea) nehmen Überhand oder es kommt zu grösseren Bewegungen beim Dollar oder den Zinsen.

Währungen vs. CHF

Der nachlassende politische Druck, die robuste Konjunktur und der erste (verbale) Schritt in Richtung “Regimewechsel” in der Geldpolitik haben dem Euro geholfen. Er bleibt stark, wir rechnen mit einer Konsolidierung auf dem aktuellen Niveau. Der USD/CHF dürfte im Bereich von 0.95 aufgrund der Zinsdifferenz abgestützt sein. Das Potenzial nach oben ist allerdings limitiert, solange keine Beschleunigung der Konjunktur oder Inflation in den USA absehbar ist.

Quelle:  AdvisorWorld.ch