Pavot Coline La Financière de l’Echiquier

La Financière de l‘Echiquier: Ökologische Buchhaltung

La Financière de l‘Echiquier: Die Rechnungslegungsstandards, die während der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre entstanden, sollten damals den Staaten helfen, ein ausser Kontrolle geratenes Handelssystem zu regulieren.

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von Coline Pavot, Head of ESG Research, La Financière de l’Echiquier


Keine einhundert Jahre später veranlasst uns erneut eine Krise, dieses Mal eine Gesundheitskrise, dazu, das eigentliche Konzept der Buchhaltung zu überdenken, indem eine ökologische Komponente hinzugefügt wird. Die ökologische Buchhaltung ist noch kaum bekannt, scheint aber eine Antwort auf die Fragen über die Auswirkungen des Menschen und seiner Tätigkeiten auf die Gesellschaft und die Umwelt liefern zu können. Die Buchhaltung des Wohlstands der Nationen ist an einem neuen Wendepunkt angelangt. Wir hoffen, dass sie von nun an den ökologischen Wandel, den unsere modernen Wirtschaftsräume dringender denn je brauchen, begleiten oder sogar beschleunigen kann.

Ein gleichgewicht finden

Jedes Unternehmen schafft durch seinen Betrieb und seine Produkte und Dienstleistungen zahlreiche externe Effekte[1]. Diese können positiv (Schaffung von Arbeitsplätzen) oder negativ sein (Luftverschmutzung, Rückgang der biologischen Vielfalt). Da nur selten ein Gleichgewicht zwischen diesen externen Effekten gefunden wird, häufen Unternehmen oftmals Schulden gegenüber der Umwelt und der Gesellschaft an. So hat die Tabakindustrie Schulden gegenüber den öffentlichen Gesundheitssystemen wegen der Ausgaben, die für die Behandlung von Lungenkranken anfallen[2]. Am Beispiel Frankreichs betragen die Nettoschulden schätzungsweise 120 Milliarden Euro, was einer indirekten jährlichen Steuer von 1.846 Euro pro Person (ob Raucher oder Nichtraucher) entspricht[3]. Man stelle sich einmal vor, wie hoch der Preis für ein Päckchen Zigaretten wäre, wenn diese Zusatzkosten darauf abgewälzt würden.

Internalisieren der externen effekte

Die ökologische Buchhaltung verfolgt zwei Ziele. Indem sie der Natur einen Buchwert gibt, trägt sie zu einer schnelleren Bewusstseinsbildung der Unternehmen über die Jahr für Jahr angehäufte Umwelt- und Sozialschuld bei. Während die Politiken im Bereich der Sozialverantwortung der Unternehmen (CSR), die verschiedene positive externe Effekte haben, bisher meistens als Aufwand betrachtet wurden, gewinnen sie unter dieser neuen Sichtweise an Legitimität und erhalten neuen Schwung. Wenn sie diese vernachlässigten Kosten in ihre Buchhaltung aufnehmen, müssen die Unternehmen ihr Geschäftsmodell und ihre Investitionen von Grund auf überdenken. Beispiel: Wenn konventionell arbeitende Landwirte die Kosten, die sie der Natur mit ihrer Tätigkeit aufbürden, im Preis ihrer Produkte berücksichtigen würden, würden „Bio“-Produkte auf einmal viel billiger erscheinen!

Eine integrierte Sicht der Performance

Wir sind überzeugt, dass die Wertentwicklung eines Unternehmens neben einer finanziellen Performance auch eine integrierte Performance ist, die eine finanzielle, soziale und ökologische Dimension aufweist. Es ist ein Schlüsselfaktor für eine langfristige Performance, die für alle Beteiligten wertschöpfend ist. Aus diesem Grund umfasst unsere Methode zur Analyse des Beitrags zu den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung eine Nettobewertung der Performance der Unternehmen. Dies ermöglicht uns, nur in denjenigen anzulegen, deren positive Auswirkungen höher sind als die negativen externen Effekte, die durch ihre Produkte und Tätigkeiten hervorgerufen werden. Wir teilen diese Sichtweise mit den Unternehmen, in denen wir das ganze Jahr über anlegen. In diesem Zusammenhang einige von ihnen, beispielsweise LVMH[4], sich für die ökologische Buchhaltung einsetzen. Dies ist ein Beleg für eine ausgereifte CSR-Politik und zeigt ausserdem, dass ihnen die Rolle und die Auswirkungen eines Unternehmens in seinem Ökosystem bewusst sind. Unter diesem Gesichtspunkt werden Sie die Werke von Adam Smith[5] wohl mit anderen Augen sehen!


[1] Externe Effekte bezeichnen den Vorgang, dass ein Wirtschaftsteilnehmer durch seine Tätigkeit eine externe Auswirkung schafft, indem er einem anderen ohne finanzielle Gegenleistung einen kostenlosen Nutzen oder Vorteil verschafft oder umgekehrt eine Beeinträchtigung oder einen Schaden hervorruft, ohne eine Entschädigung zu leisten.

 [2] LFDE schliesst seit der Gründung im Jahr 1991 den Tabaksektor aus.

 [3] Le coût social des drogues en France, 2015, Pierre KOPP

 [4] LVMH testet das nachhaltige Buchhaltungsmodell CARE in seinem Tochterunternehmen Moët Hennessy.

 [5] Der Wohlstand der Nationen, 1776, der grundlegende Text des Wirtschaftsliberalismus.

Source: AdvisorWorld