LGT: Anzeichen einer selbsttreibenden Phase der Hausse

Die Firmengewinne haben sich weltweit erholt und die Makrodaten hellen sich stetig auf. Das bestärkt Erwartungen, dass Wirtschaftswachstum und Inflation weiter in Richtung einstiger historischer Normen ansteigen werden. Die Warnungen vor einer Korrektur haben sich zugleich nicht bewahrheitet – was Aktien, Industrie-Rohstoffen und Zinsen zusätzlich Auftrieb bescheren dürfte….

 

Von Mikio Kumada, CIIA bei LGT Capital Partners


Anfang Februar diskutierten wir intern das Risiko einer grösseren Börsenkorrektur. Konventionelle technische und fundamentale sowie auch einige Behavioral-Finance-Aspekte schienen dafür zu sprechen. Das Strategieteam kam allerdings zum Schluss, dass die zugrundeliegenden strukturellen Fundamente der Hausse stark bleiben und votierte für die Beibehaltung unserer taktischen Übergewichtung von Aktien und des US-Dollars.

Die Entscheidung war richtig: Die Turbulenzen erwiesen sich als harmlos, der US-Dollar erholte sich und die meisten Börsen gewannen an Dynamik: Der S&P 500 und der Stoxx 600 sind im Februar bisher um 3.8% bzw. 3.7% gestiegen, nach +1.8% resp. -0.5% im Januar. So kommt der MSCI World in diesem Jahr auf gut +5%, der MSCI Emerging Markets (EM) und der MSCI Asia Pacific Ex. Japan sogar auf jeweils knapp 10%, wovon unsere Strategien aufgrund unserer vergleichsweise hohen strategischen Neutralquote in den EM und der taktischen Übergewichtung Asiens (vgl. Seite 4 im PDF) besonders profitieren sollten.

Heute wollen wir unsere taktische Positionierung erneut bekräftigen. Neben den sowohl vor als auch nach der US-Wahl in dieser Publikation erwähnten Faktoren untermauern zudem noch einige weitere Beobachtungen unsere positive Einschätzung:

– Das Wirtschaftswachstum hat sowohl in den USA als auch in den EM genügend Spielraum, um positiv zu überraschen. Zugleich sind die Inflationstrends noch nicht stark genug, was das Risiko von übermässigen geldpolitischen Straffungsaktionen reduziert.

– Unser Überraschungsindikator für das US-Wachstum steigt seit mehr als einem Jahr (Grafiken 1 und 2, Seite 2 im PDF) – und solche Trends können sogar mehrere Jahre anhalten, wie dies zuletzt von Oktober 2012 bis März 2015 der Fall war. Der S&P 500 legte in dieser Zeit rund 43% zu. Die EM befinden sich grundsätzlich in einer ähnlichen Situation wie die USA.

– Der US-Inflationsüberraschungsindikator markierte vor einem Jahr das Tief und hat sich seitdem etwas erholt. Grundsätzlich enttäuschen die Inflationsdaten jedoch immer wieder. In den EM bleibt der relative Inflationstrend schwach (Grafiken 3 und 4, Seite 2 im PDF).

Europa: Risiken und interessante Chancen am Horizont

Europas Situation unterscheidet sich allerdings und muss differenzierter betrachtet werden (Grafiken 5 und 6, Seite 2 im PDF): Hier überrascht das Wachstum schon seit Herbst 2012 positiv. Der Eurozone-Indikator notiert nach mehreren Höhenflügen aktuell auf einem Rekordhoch. Auch bei den jüngeren Inflationsüberraschungen ist der Trend in Europa klarer ausgeprägt. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte daher früher als allgemein erwartet ihre Geldpolitik zu straffen beginnen, was die Märkte entsprechend belasten müsste – wie es in den USA 2015 der Fall war, als dort die entsprechende geldpolitische Wende stattfand (der S&P 500 verlor an Dynamik und stieg zwischen März 2015, als unser Indikator das Hoch markierte, und der US-Wahl im letzten November um nur 3%).
Allerdings könnten Europas Börsen aufgrund der in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland anstehenden Wahlen in diesem Jahr wieder stärker von der Politik getrieben werden – was trotz zwischenzeitlicher Turbulenzen nicht schlecht sein muss. Einerseits dürfte die oft zitierte politische Unsicherheit die EZB vor möglicherweise übereilten Aktionen abhalten. Anderseits haben das Brexit-Referendum und die US-Wahlen einige interessante Tendenzen aufgezeigt: Erstens scheint die Hausse so fest im Sattel zu sitzen, dass sie externen Schocks widerstehen kann. Zweitens sehen die meisten Investoren in den überraschenden politischen Entwicklungen der jüngsten Zeit offensichtlich Katalysatoren für Veränderungen, welche die Regierungen zu Kurskorrekturen veranlassen dürften und damit letztlich die Konjunktur ankurbeln und den deflationären Kräften weltweit endlich den Garaus machen könnten.

LGT Überraschungsindikatoren für die wichtigsten Regionen

Im Folgenden zeigen wir unsere Überraschungsindikatoren (Surprise-Indikatoren, 30-tägige gleitende Durchschnittswerte) für die Wachstums- und die Inflationsentwicklungen in den grossen Volkswirtschaften. Die Indikatoren sind so ausgelegt, dass sie langfristige Datenströme in Bezug auf die Konsenserwartungen widerspiegeln. Ein steigender Index bedeutet, dass die Daten stärker als erwartet ausfallen und umgekehrt. Die relativen Inflationstrends sind in allen drei Regionen ähnlich – seit letzten Sommer aber in Europa klarer ausgeprägt. Beim Wachstum gibt es hingegen in den USA und den Schwellenländern Parallelen, während Europa bereits seit sechs Jahren stetig positiv überrascht.

22 02 17 lgt

Quelle: AdvisorWorld.ch