LGT Capital Partners : Der globale Konjunkturaufschwung hält an

Die Konjunkturdaten bleiben positiv und die Inflationserwartungen steigen weiter in Richtung der  Zielwerte. Wir positionieren uns für eine Euro-Schwäche gegenüber der schwedischen Krone und stellen fest, dass Aktien in Europa und Japan wieder an Fahrt aufnehmen. In Japan könnte die Austreibung der deflationären Geister demnächst sogar endgültig gelingen.

LGT Capital Partners – Strategieteam


 

Wir aktualisieren hiermit unseren Makro-Ausblick für die nächsten drei bis sechs Monate auf Basis unserer vierteljährlichen taktischen Asset-Allokation (TAA) von Mitte September.
 
Konjunkturaufschwung hält an

Die geopolitischen Spannungen haben in Asien inzwischen etwas abgenommen. Im Gegenzug traten wieder einige europäische Probleme (Katalonien, Brexit) auf, deren Auswirkungen
sich aber auf die betroffenen Marktsegmente (spanische Aktien, britisches Pfund) beschränkten. Insgesamt zeigten sich die meisten Börsen und die ökonomischen Daten erneut freundlich, während die Zinsen und die Inflationserwartungen weiter moderat stiegen. Zum ersten Mal seit 2010 wiesen die sieben grössten Industrieländer zwei Quartale hintereinander ein Wachstum aus. Die acht grössten Schwellenländer (Emerging Markets, EM) wiesen das erste synchrone Wachstumsquartal seit 2014 aus.

Die Konjunkturumfragen hellten sich zudem mehrheitlich weiter auf, wobei Europa wieder besonders positiv auffiel: Der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone schnellte von bereits hohem Niveau noch einmal in die Höhe. Die Prognosen für die Unternehmensgewinne blieben ebenfalls stabil und die Inflationsraten stiegen, wobei sie zumeist weiter unter dem angepeilten Ziel von 2 Prozent notieren.
 
Keine bösen Überraschungen in der Geldpolitik

Vor diesem Hintergrund hat die Federal Reserve am 21. September erwartungsgemäss den Beginn ihrer Bilanzverkürzung angekündigt («quantitative Straffung»). Gleichzeitig senkte sie auch ihre langfristige Leitzinsprognose von 3 auf 2.75 Prozent. Damit hat sich die voraussichtliche Leitzinskurve leicht abgeflacht. Darüber hinaus offenbarte das letzte Woche veröffentlichte Protokoll der relevanten Fed-Sitzung, dass «viele» Teilnehmer ihre Besorgnis über die anhaltend niedrige Inflation zum Ausdruck gebracht hatten.

Diese Entwicklungen zeigen, dass die Fed ihre eigenen Pläne immer wieder hinterfragt, was grundsätzlich wachstumsfreundlich ist. In diesem Zusammenhang lohnt es sich, sich daran zu erinnern, was seit der Juni-Sitzung passiert ist. Damals entschied die Fed, bis Dezember auf weitere Zinserhöhungen zu verzichten. Marktbasierte Inflationserwartungen (bekannt als Breakeven-Rates) begannen sofort in Richtung des angestrebten Inflationsziels zu steigen, nachdem sie zuvor während eines halben Jahres kontinuierlich gesunken waren ..

In den USA hat die langfristige Breakeven-Rate inzwischen das Ziel erreicht. Die Fed dürfte daher im Dezember tatsächlich wie eingepreist erneut die Zinsen erhöhen. Gleichzeitig zeigt die schwache Aufwärtsdynamik der Breakeven-Rates und deren tiefen Niveaus in Europa (geschweige denn in Japan), dass der Spielraum für übertriebenen Straffungseifer gering bleibt. Sollten sich in den Notenbanken die Falken zu stark hervorwagen, würde es ebenso rasch wieder bergab gehen. Solange die Notenbanken also ihre eigenen Inflationsziele ernst nehmen, dürften sich trotz allen Straffungsabsichten im Zweifelsfall doch tendenziell die Tauben durchsetzen.

An den Börsen wich der vergangene Monat etwas von dem in diesem Jahr vorherrschenden Muster ab. Die Industrieländer (Developed Markets, DM) gewannen stetig und stabil an Schwung. Europa und Japan erholten sich dabei besonders deutlich, nachdem sie zuvor mehrere Monate global hinterherhinkten. Im Gegensatz dazu zeigten sich die EM und Asien zwischenzeitlich wieder volatiler . Inzwischen haben aber auch diese Märkte neue Hochs erklommen. Der MSCI EM notiert jetzt gut 30 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Gelegentliche Konsolidierungen sollten daher nicht verwundern. Aufgrund des freundlichen Konjunkturausblicks bleiben wir dennoch auch in den EM und Asien bei unserem Übergewicht. Die positive Einschätzung für diese Regionen gilt auch für den festverzinslichen Bereich, wo unsere Präferenz für die Schwellenländer noch stärker ausgeprägt ist als bei Aktien.

Währungen: Wir setzten auf SEK gegen EUR

Vor zwei Quartalen haben wir die schwedische Krone (SEK) gegen den Schweizer Franken (CHF) gekauft. Eine günstigere Bewertung, das höhere Wirtschaftswachstum und das zielkonforme Inflationsniveau geben Schwedens Notenbank einen glaubwürdigeren Straffungsspielraum. Das macht die Krone attraktiv. Inzwischen gilt dieser Vorteil jedoch mehr gegenüber dem Euro (EUR) als gegenüber dem Franken.  Ein Wechsel von SEK/CHF auf SEK/EUR macht daher Sinn.

In der Zwischenzeit hat sich auch die Gesamtpositionierung der Investoren im EUR von Short auf Long geändert, was auf ein Korrekturpotential verweist. Zugleich bedeutet das Ergebnis der deutschen Wahl, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel möglicherweise mehrere Wochen oder sogar Monate benötigen wird, um eine Regierung zu schmieden. Folglich hielten wir die Zeit reif für diesen Umstieg. Damit sind wir jetzt im CHF neutral und im EUR untergewichtet positioniert. Die restlichen TAA-Positionen bleiben unverändert.

Sonderthema: Japan: Abes Flucht nach vorne

Im August schrieben wir über Shinzo Abes Umfragetief und über die Aussichten für sein reflationäres Wachstumsrezept (Abenomics). Wir argumentierten, dass Abenomics für die meisten Bürger doch spürbare Verbesserungen gebracht haben. Trotz politischer Kontroversen würde sich Japans Premierminister daher letztlich politisch erholen und Kurs halten können. Inzwischen hat sich Japans Parteienlandschaft teilweise dramatisch verändert. Das wahrscheinlichste Ergebnis bestätigt dennoch unsere positiven Erwartungen.

Was ist passiert?

Erstens: Japanische Aktien sind in der Zwischenzeit aus ihrem fast dreissigjährigen deflationären Abwärtskanal ausgebrochen . Damit suggeriert der Markt potenziell eine wichtige Wende im langfristigen Ausblick.

Neue Oppositionsführerin sorgt für Aufsehen

Der Ausbruch fand vor folgendem Hintergrund statt: Nach einer Kabinettsumbildung begannen sich Abes Umfragewerte von ihrem Tief zu erholen, wobei Nordkoreas Säbelrasseln half, seine Hand zu stärken. Ende September entschied sich Abe schliesslich überraschend für vorgezogene Parlamentswahlen am 22. Oktober. Kurz darauf implodierte die grösste Oppositionspartei (Demokratische Partei, DPJ). Ihr rechter Flügel schloss sich der brandneuen Partei der Hoffnung (PdH) von Tokios Gouverneurin Yuriko Koike an. Koike hatte im Juli bei den Stadtratswahlen von Tokio mit einer neuen Bewegung die Liberaldemokratische Partei (LDP) in die Opposition verdrängt. Der linke DP-Flügel gründete die Konstitutionelle Demokratische Partei (KDP). Damit hat sich der Schwerpunkt politisch moderat zugunsten von Reformen verschoben, weil Koike tendenziell rechts von Abe steht .

Nach ihrem Erfolg in Tokio wurde Koike mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron verglichen, der im Mai mit seiner ebenfalls neugegründeten Partei triumphierte. Abe wurde hingegen mit der britischen Premierministerin Theresa May verglichen, welche aus einer ähnlichen Wette im vergangenen Sommer deutlich geschwächt hervorging.

Abe ist nicht May und Koike ist nicht Macron

Wir glauben jedoch nicht, dass Abe so hohe Verluste einfahren wird – aus den bereits im August erläuterten Gründen. Inzwischen wird unsere damalige Vermutung auch durch Daten bestätigt: Abes Umfragetief vom Sommer basierte typischerweise auf Telefonumfragen mit rund 1‘000 Befragten. Dieselbe Art Umfragen zeigen heute die LDP wieder im Vorteil. Konkreter ist jedoch eine letzte Woche veröffentlichte, umfangreiche Studie, die auf Antworten von mehr als 90‘000 Haushalten basierte. Ergebnis: Die LDP ist auf Kurs, mit rund 288 von 475 Sitzen ihre absolute Mehrheit zu halten.

Sollte die LDP am kommenden Sonntag tatsächlich klar mehr als 233 Mandate gewinnen, dann dürfte sich Abe im nächsten September beim LDP-Parteitag gegen interne Rivalen durchsetzen – und bis Ende 2021 im Amt halten.

Wachstumsfreundlicher politischer Druck auf LDP

Doch selbst wenn Koike sehr gut abschneiden sollte, könnten die wirtschaftspolitischen Aussichten gutartig bleiben. Ihre wichtigsten Forderungen sind nämlich reform- und wachstumsfreundlicher sind als jene der LDP. So hat Koikes Aufstieg bereits die Fiskalhardliner in der LDP geschwächt: Die LDP will jetzt die Hälfte der Einnahmen einer geplanten Steuererhöhung reinvestieren, statt sie wie ursprünglich geplant gänzlich dem Schuldenabbau zu widmen. Koike möchte die Erhöhung vollständig auf unbestimmte Zeit verschieben und fordert eine investitionsfreundliche Steuerreform. Ein Erfolg Koikes dürfte sich daher nach einer temporären Volatilitätsphase letztlich doch als wirtschaftlich positiv erweisen – mindestens solange die neue Politkonstellation die aktuelle geldpolitische Ausrichtung der Bank of Japan nicht zu verwässern beginnt. Letzteres muss je nach Wahlausgang im Auge behalten werden.

LGT Capital Partners: Taktische Asset-Allokation für ein ausgewogenes Modellportfolio in USD

Unsere taktische Asset-Allokation (TAA, bzw. die aktive Positionierung gegenüber unserer strategischen Neutralquote) wird quartalsweise für jeweils drei bis sechs Monate bestimmt (zuletzt am 8. Sept. 2017) und monatlich überprüft. Dazwischen werden kurzfristige Aktionen getätigt, um von aktuellen Marktbewegungen zu profitieren.

Die aktuelle TAA in Kürze:

Alle Aktienregionen übergewichtet, aber mit wenig ausgeprägter regionaler Differenzierung

Anleihen mit Ausnahme des Schwellenländer-Segments weiter generell untergewichtet

Realwerte und Alternativanlagen: REITs gegenüber MLPs und Rohstoffaktien bevorzugt; LPE untergewichtet

Währungen: SEK und CAD favorisiert, EUR und USD untergewichtet; passives Übergewicht in den EM und Asien

18 10 17.LGT


Quelle:  AdvisorWorld.ch