LGT Capital Partners : Stabiles Wachstum und Wiederaufleben der Diplomatie

Weltkonjunktur, Firmengewinne und Börsen zeigen sich weiter lebhaft und in der Geldpolitik wird weiter auf Kontinuität gesetzt. In Asien haben Chinas und Japans Regierungschefs zudem nur wenige Tage vor der ersten Asienreise des US-Präsidenten ihre jeweiligen nationalen Positionen gestärkt und den Dialog wieder aufgenommen. Die Märkte reagieren erfreut…

LGT Beacon Globaler Makro und Marktbericht – November 2017


In diesem Bericht präsentieren wir ein globales Makro- und Marktupdate und kommunizieren Änderungen in unserer taktischen Asset-Allokation (TAA), wie zuletzt im September festgelegt. Seit unserem letzten Bericht sind die marktfreundlichen Trends dominant geblieben. Wir halten daher Kurs und bleiben bei unserem Aktienübergewicht zulasten von Anleihen – in der Tendenz zugunsten Asiens .

Geopolitische Spannungen lassen etwas nach
Die Geopolitik hat sich global entschärft. In Europa hat Spaniens Regierung die separatistische Regionalverwaltung von Katalonien verfassungskonform abgelöst, um Wahlen vorzubereiten. Von potenziell höherer globaler Bedeutung waren aber Ereignisse in Asien, zumal sie empfindliche regionale Ordnungs- und Sicherheitsfragen betrafen.

Mit dem 19. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) und den 48. Wahlen zum Repräsentantenhaus Japans wurden Ende Oktober zunächst zwei wichtige innenpolitische Prozesse abgeschlossen, aus denen Präsident Xi Jinping beziehungsweise Premierminister Shinzo Abe jeweils gestärkt hervorgingen. Xi hat eine persönliche Machtfülle angehäuft, wie man sie seit Mao Zedong nicht mehr kannte (vgl. Sonderthema), während Abe die parlamentarische Zweidrittelmehrheit seiner Koalition erneut halten konnte.

Gestärkte Regierungschefs setzen auf Diplomatie
Gleich anschliessend an diese weitgehend parallelen Entwicklungen und nur wenige Tage vor der ersten Asienreise von US-Präsident Donald Trump , erklärte sich Beijing bereit, seinen seit mehr als einem Jahr andauernden Streit mit Südkorea über die Entscheidung Seouls, ein hochentwickeltes US-Raketenabwehrsystem zu stationieren, beizulegen. Dieser Zwist hatte auch inoffizielle chinesische Sanktionen gegen südkoreanische Unternehmen beinhaltet. Praktisch gleichzeitig gaben Diplomatenkreise zudem bekannt, dass China, Japan und Südkorea noch vor Ende Jahr ihre zuletzt abgesagte trilaterale Gipfelkonferenz einberufen wollen. Die letzte wurde abgesagt, nachdem die Beziehungen aufgrund von Verteidigungsfragen und historischen Themen belastet wurden. Südkorea befand sich zudem aufgrund des Amtsenthebungsverfahrens gegen seine ehemalige Präsidentin in einer inneren Schieflage. Inzwischen haben alle drei ostasiatischen Länder stabile und selbstbewusstere Regierungen. Von Präsident Trump wird indessen erwartet, dass er das traditionelle US-Engagement in der Region bekräftigen wird. In einem Punkt scheinen sich die ostasiatischen Staaten dabei allerdings einig zu sein: Sie können das Feld nicht alleine den USA überlassen.

Kurzum, auf das jüngste Säbelrasseln rund um die koreanische Halbinsel folgten bisher keine Eskalationen, sondern selbstsichere regionale Staatsführungen, die sich allesamt dafür entschieden haben, die diplomatische Zusammenarbeit in strategischen Fragen beschleunigt wieder aufzunehmen.

Es überrascht daher nicht, dass die ostasiatischen Aktienmärkte weiter stark stiegen – was tendenziell impliziert, dass diese positiven Entwicklungen noch nicht ganz eingepreist sind. Letzteres ist durchaus beachtlich, wenn man bedenkt, dass diese Märkte schon seit Anfang 2016 ausserordentlich gut laufen. Damals begann Nordkorea mit einer zunehmenden Anzahl Atom- und Raketentests aufzufallen. In diesem Marktverhalten spiegelt sich zumindest teilweise die Erwartung, dass auf Pjöngjangs Provokationen letztlich eine pragmatische diplomatische Lösung folgen würde.

Konjunkturaufschwung bleibt robust
Zugleich muss hier erneut betont werden, dass sich die beschriebenen Marktentwicklungen auf dem Fundament eines anhaltenden globalen Wirtschaftsaufschwungs abstützen. Die Inflationserwartungen haben sich jüngst in Richtung der allgemein angestrebten Niveaus bewegt oder normalisiert, während die Konjunkturindikatoren weiterhin ein stabiles – und in einigen Fällen sogar beschleunigtes – Wirtschaftswachstum andeuten. So zeigte der als «GDPNow» bekannte Prognoseindex der Federal Reserve von Atlanta für das annualisierte US-Realwachstum im laufenden Quartal letzte Woche einen Wert von 4.5 Prozent an, was den zwanzigjährige Durchschnittswert und die aktuelle Konsensprognose klar übersteigt (beide Werte betragen 2.2 Prozent). Auch die generell verlässlicheren Einkaufmanagerumfragen  bewegten sich mehrheitlich erneut nach oben (Industrieländer) oder blieben im positiven Bereich (Schwellenländer).

Kein Richtungswechsel in der Geldpolitik
Was die Geldpolitik angeht hat Präsident Trump in der vergangenen Woche Jerome Powell zum Nachfolger von Janet Yellen an der Spitze der Federal Reserve ernannt, womit er eine Präferenz für eine pragmatische, datenabhängige Kontinuität zeigte. Powell hat sich schon mal öffentlich tendenziell skeptisch gegenüber einer Straffungspolitik geäussert, solange es an Hinweisen auf Inflationsdruck mangelt. Einige Analysten sehen ihn daher sogar im Zweifelsfall als potenziell zurückhaltender als Yellen an.

In diesem Zusammenhang ist auch erwähnenswert, dass es nach Abes Erdrutschwahlsieg vom 22. Oktober noch unwahrscheinlicher geworden ist, dass sich an der Spitze der Bank of Japan etwas ändert, während der geldpolitische Ausblick auch in China wachstumsfreundlich bleibt (vgl. Sonderthema). Das Risiko von einer überzogen restriktiven Notenbankstrategie in einer der grossen Volkswirtschaften ist somit weiter eher gesunken. Zugleich bleiben die aktuellen geldpolitischen Bedingungen global in etwa richtig kalibriert, um mittelfristig die gewünschten moderaten Inflationsniveaus erreichen und halten zu können – ein ideales Umfeld für Wirtschaftswachstum und Börsen.

Berichtssaison: Unerwartet stark
Die globale Berichtssaison für das dritte Quartal 2017 ist indessen bald abgeschlossen. Rund drei Viertel der grossen Firmen haben bereits ihre Ergebnisse präsentiert. Die Gewinne je Aktie (Earnings Per Share, EPS) übertreffen dabei in den meisten Regionen die Erwartungen deutlich . Das Wachstum ist am höchsten in Japan, gefolgt von den EM und Asien-Pazifik. Bei den positiven Überraschungen führen hingegen China, Asien und die EM . So prognostizierten die Analysten für China im Schnitt einen kleinen EPS-Rückgang, tatsächlich wiesen Chinas Konzerne allerdings ein Gewinnwachstum von rund 9 Prozent aus. Die Situation hat sich somit gegenüber jener vor einigen Jahren komplett umgekehrt. Damals waren die Konsensschätzungen für die EM und Asien praktisch immer zu hoch. Heute sind sie hingegen offenkundig zu tief.

Die aggregierten Ergebnisse aus Europa sind eher gemischt. Allerdings ist das EPS-Wachstum in der Eurozone immer noch deutlich positiv, während sich die Rückschläge auf nur zwei Segmente konzentrieren: Die derzeit von branchenspezifischen Faktoren belastete deutsche Autoindustrie und den Telekomsektor, wo die deflationären Trends besonders ausgeprägt sich. Mehrheitlich rückläufig sind die EPS in Europa schliesslich nur ausserhalb des Euroraums – wobei auch hier die Ausreisser zum Glück auf wenige Branchen konzentriert und somit nicht allgemeiner Natur sind. Zudem hatte der Konsens mit einem noch schwächeren Gesamtresultat gerechnet.

Umsatzwachstum als besserer Wachstumsindikator
Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die globale Konjunkturdynamik eher unterschätzt bleibt. Letzteres wird klarer, wenn wir anstatt der EPS die Unternehmensumsätze, welche eine stärkere und direktere Beziehung zum nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) haben, betrachten. Tatsächlich sind die regionalen Unterschiede aus dieser Perspektive deutlich weniger ausgeprägt . Das allgemeine Geschäftswachstum der Unternehmen ist derzeit global überall ansehnlich hoch.

Ende des taa-bezogenen berichts

Sonderthema: China: 19. Kongress der Kommunistischen Partei
Am 25. Oktober ging der 19. Kongress der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) zu Ende. Da das Reich der Mitte grundsätzlich ein Einparteienstaat ist, werden an dieser fünfjährlichen Versammlung jeweils die Weichen für die Zukunft des Landes gestellt – politisch und ökonomisch.

Der mächtigste Vorsitzende seit Jahrzehnten
Wie bereits im Vorfeld stark vermutet wurde, sind zahlreiche enge Verbündete von Präsident und Partei-Generalsekretär Xi Jinping ins Politbüro und dessen ständigen Ausschuss (wichtigstes Entscheidungsgremium des Landes) befördert worden. Dies und die Entscheidung des Kongresses, Xi  Jinpings Namen und seine Ideen in den Parteistatuten zu verewigen, zeigen, dass sich Xi als eine der mächtigsten Führungsfiguren der jüngeren Geschichte Chinas etablieren konnte. Indem er mit der Tradition gebrochen hat, einen klar ersichtlichen Nachfolger in Stellung zu bringen, hat er sich zudem die Tür für eine dritte Amtszeit ab 2022 offengelassen.

Wirtschaftsprogramm: Durchmischt
Aus ökonomischer Warte betrachtet ist das Fazit des Kongresses durchmischt. Dank seiner Machtkonsolidierung kann Xi die Reformagenda fortführen. Diese sieht aber jeweils das Schlusswort in zentralen Reformbereichen bei der Partei und nicht bei den Marktkräften vor. Dies lässt sich aus dem Parteikongressrapport schliessen, welcher den Fokus stärker auf die Errungenschaften der Partei als auf marktwirtschaftliche Reformen legt. Der Bericht skizziert des Weiteren eine Fortsetzung der 2013 eingeleiteten Wirtschaftsreformen, welche das Eindämmen von Kreditrisiken, das Fördern von Innovation und höhere Konsumausgaben vorsehen. Aber auch der Wunsch nach starken Staatsbetrieben und staatlichen Wirtschaftsgütern wird gehegt.

Positiv zu werten ist die Beförderung einiger Parteikader aus dem liberalen Flügel in den ständigen Ausschuss, da sie der künftigen Wirtschaftspolitik eine etwas reformerische Farbe verleihen könnten. Zudem gilt es zu erwähnen, dass Xi sich zum ersten Mal explizit für eine verbesserte Koordination zwischen Fiskal- und Geldpolitik ausgesprochen hat. Bis jetzt erwähnte er eine solche Koordination nur im internationalen Kontext, während der G20- und BRICS-Gipfeltreffen.

Daraus lässt sich ableiten, dass die Zentralbank geldpolitische Unterstützung bieten dürfte, sollten die geplanten regulatorischen und fiskalpolitischen Interventionen bzw. Straffungen das Wachstum zu stark belasten. Konkretere Informationen über die kurzfristigen Ziele der neuen Führung sind gegen Ende des Jahres nach der jährlichen zentralen Wirtschaftskonferenz zu erwarten.

Langsameres, ausbalancierteres Wachstum in Aussicht
Grundsätzlich ist fortan mit einem moderateren Wachstum zu rechnen. Um ihr erklärtes Ziel, eine Verdoppelung des Bruttoinlandprodukts (BIP) bis 2020 zu erreichen, braucht die Regierung Wachstumsraten von 6-6.5 Prozent, was unter dem aktuellen Wert von 6.8 Prozent liegt. Somit könnten die Entscheidungsträger grundsätzlich eine leichte konjunkturelle Abschwächung zulassen.

Während des Kongresses wurde zudem die Absicht erneut hervorgehoben, das Wachstum qualitativ zu verbessern. So erwähnte Xi das Ziel der BIP-Verdoppelung nicht explizit, sondern verkündete stattdessen das Vorhaben, China bis 2035 zu einem «modernen sozialistischen Staat» und bis 2050 zu einer «führenden Macht im Weltgeschehen» zu transformieren.

Ausserdem ist künftig mit weniger unterstützender Fiskalpolitik sowie einer weiteren Verlangsamung des Kreditwachstums zu rechnen. Andererseits werden die Bemühungen für ein nachhaltigeres Wachstum, d.h. Abbau von Überkapazitäten und verbesserter Umweltschutz, fortgesetzt.

Weil sich die chinesische Wirtschaft dieses Jahr unerwartet stark gezeigt hat, was teilweise dem Wunsch nach Stabilität während des Kongresses und teilweise dem wiedererstarkten Welthandel und der robusten globalen Nachfrage geschuldet ist, befindet sich die Regierung in gestärkter Position, um mit schmerzhaften Wirtschaftsreformen voranzuschreiten.

Machterhalt als oberste Priorität
Während das Wachstum künftig also etwas volatiler werden könnte, wird es höchstwahrscheinlich nicht unter 6 Prozent sinken. Solche Werte würden die Leistung der Partei in Frage stellen. Obwohl Xis Machtposition beispiellos ist, bezieht sich seine Idee des «Sozialismus mit chinesischer Prägung für eine «neue Ära» in erster Linie auf die Schaffung eines starken Chinas. Das bedeutet, dass Wirtschaftsreformen für die nächsten fünf Jahre zwar eine Top-Priorität darstellen, der Machterhalt der Partei aber dennoch an oberster Stelle bleibt.

Ohne einen grossen politischen Fehlentscheid dürften in erster Linie weiter die rohstoffexportierenden Schwellenländer und Australien von Chinas Wandel zu einer konsumbasierten Wirtschaft betroffen sein. Dienstleistungsimporte wie Tourismus oder Bildung dürften aufgrund ihres konsumähnlichen Charakters weiter nachgefragt werden.

Investoren dürfen zudem davon ausgehen, dass Chinas Regierung versuchen wird, eine harte Landung um jeden Preis zu verhindern, und dass der graduelle Charakter der wirtschaftlichen Neuorientierung das wiedererstarkte globale Wachstum nicht aus der Bahn werfen sollte.

Taktische Asset-Allokation für ein ausgewogenes Modellportfolio in USD

Unsere taktische Asset-Allokation (TAA, bzw. die aktive Positionierung gegenüber unserer strategischen Neutralquote) wird quartalsweise für jeweils drei bis sechs Monate bestimmt (zuletzt am 8. Sept. 2017) und monatlich überprüft. Dazwischen werden kurzfristige Aktionen getätigt, um von aktuellen Marktbewegungen zu profitieren. Die aktuelle TAA in Kürze:

Globales Aktienübergewicht, in der Tendenz zugunsten Asiens (aktive Quoten in Asien/Paz., EM und Japan) 

Anleihen mit Ausnahme des Schwellenländer-Segments weiter generell untergewichtet 

Realwerte und Alternativanlagen: REITs gegenüber MLPs und Rohstoffaktien bevorzugt; LPE untergewichtet

Währungen: SEK und CAD favorisiert, EUR und USD untergewichtet; passives Übergewicht in den EM und Asien

09 11 17 LGT

Quelle:  AdvisorWorld.ch