Kumada Mikio LGT

LGT Capital Partners: Taktische Asset-Allokation für das Q1/2021

LGT Capital Partners: Die Erholung der Weltwirtschaft dürfte anhalten.

von Mikio Kumada, CIIA, Global Strategist bei LGT Capital Partners


Gute Wachstumsaussichten

… Nach heutigem Stand ist die Weltwirtschaft sogar auf dem Weg, ihren Wachstumspfad aus der Zeit vor der Pandemie gegen Ende nächsten Jahres zu übertreffen . Dieser Ausblick wird durch den geld- und fiskalpolitischen Rückenwind, die Fortschritte in der medizinischen Impfstoff- und Therapieforschung und den Rückgang der politischen Risiken nach den US-Wahlen gestützt.

Die US-Politik stellt nur noch ein geringes Risiko dar – in Form eines überraschenden, verzögerten «Blue Sweep» nach der Stichwahl zweier Senatssitze im US-Bundestaat Georgia im Januar. Das Gute am US-Wahlergebnis vom November ist, dass die Amerikaner Präsident Donald Trump abgewählt haben, ohne die progressive Agenda der Demokraten generell anzunehmen – insbesondere die vorgeschlagenen Unternehmenssteuererhöhungen und Regulierungen. Sollten die Demokraten im Januar in Georgia jedoch gewinnen, verlieren die Republikaner ihre derzeitige Senatsmehrheit. Der designierte Präsident Joe Biden könnte dann die Agenda seiner Partei leichter umsetzen, was die derzeit doch sehr optimistische Anlegerstimmung zumindest vorübergehend beeinträchtigen dürfte.

Konfrontative geopolitische Aktionen der scheidenden US-Regierung, ein ungeregelter Brexit sowie eine Verschärfung der Corona-Lockdowns während den schwierigen Wintermonaten in der nördlichen Hemisphäre stellen weitere potenzielle Spielverderber dar. Die aktuellen Lockdowns sind indessen im Vergleich zu den früheren Massnahmen gegen COVID-19 weniger einschränkend .

Konjunkturpolitik und kommende Impfkampagnen

Die Finanzmärkte fokussieren derzeit bereits auf die Zeit nach der Pandemie, welche von hohem Wachstum gezeichnet sein sollte. Die überzeugende Konjunkturpolitik und die Aussicht auf die Einführung wirksamer Impfstoffe in naher Zukunft heizen die Investorenstimmung an.

In Bezug auf Ersteres unterstreichen die kürzlich kommunizierte Aufweichung des Inflationsziels nach oben durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und die Ernennung von Janet Yellen zur Finanzministerin der neugewählten Regierung die Vorstellung, dass die formell unabhängigen Institutionen des Fiskus und der Geldpolitik zukünftig immer enger zusammenarbeiten dürften. Zugleich ist die Europäische Union dabei, mit der Implementierung des gemeinsamen Pandemiehilfefonds zu beginnen, während die Europäische Zentralbank gerade ihre Programme zum Ankauf von Anleihen noch einmal erweitert und verlängert hat. Auch führt sie, wie die Fed vor ihr, eine Überprüfung ihrer Inflationsstrategie durch.

Was die Impfpläne betrifft, so dürfte die weltweite Verteilung von Impfstoffen im nächsten Jahr an Dynamik gewinnen und die wirtschaftliche Aktivität in der Tat weiter unterstützen, wobei die technologisch-industriell vergleichsweise ärmeren Emerging Markets (EM) am meisten davon profitieren sollten.

Aufholjagd der Schlusslichter

Die Performance der Aktienmärkte im November bezeugt diese positiven Erwartungen. Der amerikanische S&P 500 hatte den zweitbesten Monat seiner Geschichte. Die zeitweise relativ schwachen Marktsegmente haben zugleich in den letzten Wochen begonnen, kräftig aufzuholen. Das sind jene Bereiche, die am meisten von der Beendigung der Pandemie profitieren sollten, darunter insbesondere Aktien kleinerer Unternehmen oder von Firmen aus den klassischen Entwicklungsländern (also ohne China).

Diese Aufholjagd hat mit den Nachrichten über aussichtsreiche Impfstoffe nach den US-Wahlen nochmal an Dynamik dazugewonnen.

Positionierung: Leichte Erhöhung des Aktien- und Kreditrisikos

Unsere allgemeine Haltung ist heute etwas konstruktiver als zuvor, sowohl in Bezug auf den strategischen Zeithorizont (mehrere Jahre) als auch im taktischen Zeitrahmen (einige Monate). Wir gehen davon aus, dass die massiven reflationären Konjunkturmassnahmen weitgehend erfolgreich sein werden und sich die Volkswirtschaften im Laufe des nächsten Jahres allmählich immer mehr öffnen werden. Der jüngste Anstieg der Risikosegmente tendiert teilweise jedoch zu Extremwerten, was uns veranlasst, von grösseren Risikoerhöhungen zu diesem Zeitpunkt abzusehen. Beispielsweise sind Stimmung und Positionierung der Privatanleger und ihrer institutionellen Pendants derzeit sehr optimistisch. Das bedeutet, dass die Märkte für kurzfristige Rückschläge anfällig sind. Die Bewertungen (eine langfristige Orientierungshilfe) sind ebenfalls gestiegen, auch wenn dies durch die historisch tiefen Zinssätze und dem voraussichtlichen Gewinnwachstum relativiert wird. Auf der anderen Seite zeugen Marktbreite und Trendstärke, wie eben der jüngste Anstieg der Lockdown-Nachzügler aufzeigt, im Allgemeinen von der Robustheit des neuen Bullenregimes.

An dieser Stelle halten wir zudem fest, dass wir jüngst auch eine neue strategische Asset-Allokation (SAA) beschlossen haben, die höhere neutrale Quoten für Aktien beinhaltet. Daher haben wir im aktuellen Quartal die Ergebnisse der strategischen und der taktischen Überprüfung kombiniert.

Der Einfachheit halber kommentieren wir im Folgenden die tatsächlichen Positionierungsänderungen, die wir nun implementieren:

  • Die Allokation zu den öffentlichen Aktienmärkten wird leicht erhöht. Wir kaufen sowohl Aktien von Industrieländern als auch von Schwellenländern hinzu – mit Letzterem schliessen wir zudem unsere seit langem bestehende taktische Untergewichtung in dem Segment
  • Auch der Bereich Listed Private Equity wird aufgestockt, insbesondere mittels einer Strategie, die in Aktien investiert, die von Private Equity-Fonds an die Börse gebracht wurden. In den Portfolios, die illiquide Anlagen erlauben, erhöhen wir stattdessen direkt die Quoten der Privatmärkte (Private Equity, Private Debt)
  • Bei festverzinslichen Wertpapieren reduzieren wir Investment Grade-Kredite zugunsten von EM-Schuldtiteln und in einem etwas geringerem Ausmass von Hochzinsanleihen, bzw. High Yield
  • Im Bereich Liquid Alternatives steigt das Gewicht unserer hauseigenen Dynamic Protection-Strategie, die darauf ausgelegt ist, an Aufwärtstrends teilzunehmen und bei scharfen Einbrüchen besonders starke Ergebnisse zu erzielen. Diese Strategie hat sich im Februar und März bewährt und soll auch den Anstieg des gesamten Aktienrisikos ausgleichen
  • Schliesslich haben wir unser ausgeprägtes Off-Benchmark-Übergewicht in Gold reduziert und nehmen keine aktive Währungsposition ein
  • Als Ergebnis all dieser Änderungen halten wir jetzt ein passives Übergewicht in EM-Währungen zulasten der jeweiligen Basiswährung

Aktien: Leichte Übergewichtung

Aktien sind somit insgesamt leicht übergewichtet (gegenüber einer erhöhten SAA), wobei wir jetzt unsere bestehende Untergewichtung in Schwellenländern geschlossen haben. Die Märkte sehen das Licht am Ende des Corona-Tunnels und konzentrieren sich auf Vermögenswerte mit Aufholpotenzial. Davon profitieren die Schwellenländer im weitesten Sinn. Die Schwäche des US-Dollar und eine neue US-Regierung, die einen gemässigteren diplomatischen Umgangston pflegen dürfte, sollten sich ebenfalls als unterstützend erweisen.

Darüber hinaus weist China, das wirtschaftliche Epizentrum vieler Entwicklungsländer, weiterhin die stärkste Erholungsdynamik von der Corona-Krise auf. Das Risiko für diese Position würde ein verfrühtes Zurückfahren der dortigen Konjunkturstützungsmassnahmen und/oder einer erneuten Eskalation des Handels- und Technologiekrieges auch während der kommenden Biden-Administration darstellen. Aktien aus Industrieländern bleiben übergewichtet, wenn auch mit weniger deutlichen regionalen Präferenzen.

Zu beachten ist, dass wir das allgemeine Übergewicht als moderat bezeichnen, da unsere neue strategische – und daher neutrale – Quote ebenfalls gestiegen ist.

Anleihen: Verlagerung in Richtung EM und High Yield

Bei festverzinslichen Wertpapieren bleiben wir untergewichtet. Wir verlagern das Gewicht von Unternehmensanleihen zugunsten von High Yield und erhöhen zugleich das Engagement in den EM auf Neutralposition. Der Kauf von Anleihen aus Schwellenländern ergibt sich aus den guten taktischen Aussichten für diese Regionen insgesamt. Als relativ tief bewertete und zinsträchtige Instrumente, im Vergleich zu den Staaten und Qualitätsunternehmen der Industriestaaten, dürften sowohl Hart- als auch Lokalwährungsinstrumente aus den EM von der Rückkehr des Risikoappetits der Anleger profitieren. Die Verbesserung der konjunkturellen Aussichten, die anhaltende US-Dollar-Schwäche und eine Erholung der Preise für Industrierohstoffe wirken ebenfalls positiv. Darüber hinaus dürfte die Stabilisierung der makroökonomischen Fundamentaldaten auch die Häufigkeit von Bonitätsrating-Herabstufungen reduzieren und damit einen Faktor beseitigen, der die Anlageklasse in diesem Jahr belastete. Die relative Attraktivität von Staatsanleihen und Investment Grade-Unternehmenskrediten wird hingegen weiterhin durch rekordtiefe Renditen beeinträchtigt.

Das verbesserte zyklische Bild und der Rückgang der Schuldenemissionen nach einem Rekordjahr 2020 stützen jedoch hochrentierliche Anleihen. Die Fundamentaldaten der Unternehmenskredite werden im Allgemeinen auch durch den Rekordanstieg des Liquiditätsniveaus während der atypischen Lockdown-Rezession gestützt. Letzteres bedeutet, dass die Schuldner insgesamt in einer guten Position sind, um potenziell überhebelte Bilanzen zu reparieren, was das Risiko von Ausfällen verringert.

Währungen: passive Übergewichtung in EM

In den Hauptwährungen (G10) nehmen wir keine aktiven Positionen ein. Wegen der Pandemie sind alle Zentralbanken und regionalen Konjunkturzyklen weitgehend synchronisiert. Die Argumente für aktive Wetten in den G10-Währungen gegeneinander überzeugen uns daher wenig. Aufgrund der taktischen Käufe von EM-Anlagen, welche wir nicht gegen Währungsrisiken absichern, sind wir jetzt allerdings in diesem Währungsraum, hauptsächlich in Asien, übergewichtet.

Diese passive Positionierung ist im Einklang mit unserer Einschätzung der Weltkonjunktur und der Erwartung einer relativ schnellen Einführung von Impfstoffen. Zudem sind diese Währungen fundamental attraktiv bewertet .

Edelmetalle: Gold reduziert

Schliesslich reduzieren wir unser seit geraumer Zeit bestehendes taktisches Gewicht in Gold. Das fundamentale Argument für Gold bleibt allerdings grundsätzlich intakt (negative Realzinsen, Reflationsbemühungen, Befürchtungen einer Geldentwertung usw.).

Wir vermuten aber, dass sich die anhaltende Konsolidierung noch eine Weile hinzieht. In einem allgemein risikofreundlichen Umfeld verlieren ertragslose Safe-Haven-Vermögenswerte an relativer Attraktivität und wachstumssensitive Anlagen werden bevorzugt. Wir halten jedoch weiter eine Kernposition in unseren Portfolios und würden sie zu gegebener Zeit auch wieder aufstocken.

Zusätzlich zu dieser Off-Benchmark-Position halten wir auch fest, dass wir im Bereich Liquid Alternatives die hausintern verwaltete Dynamic Protection-Absicherungsstrategie erhöht haben .

Quelle:  AdvisorWorld.ch