Kumada Mikio LGT

LGT Capital Partners: Taktische Asset-Allokation für das Q3/2021

LGT Capital Partners:  In der vergangenen Woche haben wir die vierteljährliche Überprüfung unserer Anlagestrategie abgeschlossen.

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von Mikio Kumada, CIIA, Global Strategist bei LGT Capital Partners


In diesem Bericht präsentieren wir unsere Einschätzungen und die daraus resultierenden Änderungen in unserer taktischen Positionierung.

Die Konjunktur ist stark, aber darüber sind sich längst alle einig

Die globale wirtschaftliche Erholung ist in vollem Gange. Die Impfkampagnen gegen COVID-19 gewinnen an Zugkraft und die Regierungen lockern allmählich die Lockdowns – wenn auch nicht ohne Rückschläge, wie die jüngsten Entwicklungen in Asien und Grossbritannien zeigen.

Regionale Unterschiede gibt es aber auch bei der wirtschaftlichen Entwicklung. So zeigen dank den schnellen und grosszügigen geld- und fiskalpolitischen Reaktionen auf den Ausbruch von COVID-19 im vergangenem Jahr insbesondere die westlichen Volkswirtschaften eine bemerkenswerte Dynamik. Tatsächlich dürften die meisten Volkswirtschaften in diesem und im nächsten Jahr deutlich über ihrem Potenzial wachsen – allen klar vorausgehend die USA .

Für die Anleger hat sich der Fokus längst auf die Zeit nach der Pandemie verlagert, was sich in einer grundsätzlich positiven Marktstimmung reflektiert. Zuletzt ist allerdings die Inflationsdynamik vermehrt in den Vordergrund gerückt. Die Performance der breiteren Marktindizes spiegelt diese Entwicklung im Allgemeinen wider: Anlageklassen und Sektoren, die von der Reflation profitieren, haben im bisherigen Jahresverlauf Überrenditen erwirtschaftet.

In jüngster Zeit sind die US-Verbraucherpreisindizes in die Höhe geschnellt. Dies ist mehrheitlich auf Basiseffekte im Energiebereich, starke Nachfrage nach Wohnimmobilien und Engpässe in den globalen Lieferketten zurückzuführen.

Obwohl diese Effekte vorübergehender Natur sind, besteht die Möglichkeit, dass die Ära der niedrigen Inflationsraten aus der Zeit vor der Pandemie nicht wiederkehrt. Vor dem Hintergrund der wohlwollend finanzierungserleichternd kooperierenden Zentralbanken könnte sich die aufgestaute Verbrauchernachfrage in Verbindung mit den hohen staatlichen Investitionsausgaben als stark und dauerhaft genug erweisen, um auch mittelfristig für ein anhaltend inflationäres Wachstum zu sorgen.

Als ein entscheidender Faktor für eine nicht-gutartige Inflationsentwicklung gilt das Entstehen einer Lohn-Preis-Aufwärtsspirale – und bisher ist die Dynamik hier verhalten. Daher dürften die Zentralbanken von einer vorzeitigen Straffung der Geldpolitik vorerst absehen. Ein Zurückfahren der Ankäufe von Vermögenswerten und letztlich Zinserhöhungen dürften also wohl erst dann in Betracht gezogen werden, wenn die diversen Volkswirtschaften Vollbeschäftigung erreichen können.

Zum Thema der jüngst vorgeschlagenen globalen Mindeststeuer für Unternehmen: Diese dürfte besonders für multinationale Unternehmen zusätzliche Kosten verursachen, vor allem für die grossen Technologiekonzerne. Im Gegensatz zu plötzlichen und weitgehend unerwarteten regulatorischen Massnahmen, wie sie jüngst in China zu beobachten waren, mildert der von der G7 und ihrer OECD-Partner skizzierte multilaterale, kooperative Ansatz jedoch die unmittelbaren Auswirkungen auf die Märkte deutlich ab. Die Ratifizierung und Umsetzung einer globalen Steuer dürfte letztlich Jahre dauern, so dass die Märkte Zeit haben, sich darauf vorzubereiten.

Auch bezüglich der Geopolitik sind die Märkte zuletzt entspannter geworden, obwohl die strategische Rivalität zwischen China und den USA offensichtlich weiterbesteht. Die Anleger scheinen aber mit einem insgesamt überschaubaren Mass an Spannungen leben zu können, zumindest im aktuellen Umfeld.

Portfoliopositionierung: Bargeldbestand wird leicht erhöht

Wir bleiben in unserer taktischen Ausrichtung grundsätzlich weiterhin im Sinne einer globalen Reflationsdynamik positioniert: Die Duration von Anleihen ist kurz und in Aktien sind wir insgesamt leicht übergewichtet. Solange die realen Anleiherenditen tief bleiben und die Wirtschaft expandiert, sollten wachstumssensitive Anlagen trotz gelegentlicher Turbulenzen weiter profitieren können. Unserer Ansicht nach spiegelt die aktuelle Inflationsdynamik primär auch die starke Konjunktur und die genesene Konsumnachfrage wider, was eine risikofreundliche Gesamtausrichtung ebenfalls begünstigt.

Dennoch besteht ein Restrisiko, dass die Inflationserwartungen zu schnell und stark weiter steigen und die Zentralbanken am Ende zu einer Reaktion zwingen. Eine solche stagflationäre Wende würde der Realwirtschaft schaden und die Finanzmärkte belasten. Wir haben uns deshalb zu einer bedingten Gewinnmitnahme und dem Aufbau einer Bargeldposition entschlossen. Obwohl wir glauben, dass der Bullenmarkt im Allgemeinen intakt bleibt, hat das Inflationsthema zugegebenermassen das Potenzial, die Märkte zu stören.

Darüber hinaus deuten die Marktbewertungen sowie die Stimmung und Positionierung der Anleger darauf hin, dass das Gros der positiven wirtschaftlichen Entwicklungen zunehmend eingepreist ist. Der Spielraum für noch mehr positive Überraschungen dürfte somit vorerst bald ausgeschöpft sein. Mit Blick auf das neue Quartal nehmen wir daher folgende taktische Anpassungen vor:

Aktien: Leichtes Übergewicht bleibt auch nach Abbau von Schwellenländern

Wir stufen Schwellenländeraktien (die überwiegend Asien repräsentieren) nun auf neutral zurück. Die zügige Überwindung der Pandemie in China hat im Vorjahr den Unternehmensgewinnen in der Region Rückenwind verliehen. Doch dieser Faktor dürfte zunehmend nachlassen. Dies, weil mit dem Zurückfahren der Kreditstimulation in China auch die chinesische Gesamtnachfrage abnimmt . Wir erwarten künftig deshalb weniger Rückenwind für Schwellenländeraktien.

Gleichzeitig leidet die Konjunktur in der Region. Nach dem Auftreten von Virusmutationen in Verbindung mit tiefen Impfraten sahen sich diverse asiatische Volkswirtschaften zuletzt nämlich gezwungen, erneut wirtschaftliche und gesellschaftliche Einschränkungen anzukündigen. Wir halten daher eine neutrale Position für angemessener.

Die entwickelten Märkte bleiben leicht übergewichtet, wobei Japan und Europa die bessere zyklische Aufholdynamik und attraktivere relative Bewertungen aufweisen.

Anleihen: Hochzinssegment weiter reduziert

Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere bleiben wir in Staats- und Unternehmensanleihen untergewichtet und reduzieren nun unser Engagement in Hochzinsanleihen weiter. Hohe Bewertungsniveaus und tiefe Risikoprämien bieten nach der jüngsten Rallye im Segment gute Ausstiegsniveaus.

Die Renditen von Staatsanleihen dürften auf Sicht von ihren aktuell immer noch historisch niedrigen Niveaus mehr oder weniger graduell ansteigen. Die Kreditrisikoaufschläge erscheinen uns zudem weiterhin zu tief und damit unattraktiv, insbesondere bei Unternehmensanleihen ohne Investment-Grade-Rating. Schwellenländeranleihen stehen diesbezüglich besser da. Sie weisen angemessene Realzinsdifferenzen auf, während die Währungen grösstenteils unterbewertet sind, was entsprechend Spielraum für mögliche Wechselkursgewinne gegenüber den G10-Ländern zulässt. Entsprechend behalten wir unsere Position in Schwellenländeranleihen mit einer Präferenz für Lokalwährungen bei.

Währungen und Alternativen: In NOK und Gold investiert bleiben

Bei den Währungen behalten wir unsere Position in der norwegischen Krone gegenüber dem Euro bei und lassen unsere Bestände in Gold unverändert. Die NOK stellt eine weitere Möglichkeit dar, um von der Reflation zu profitieren. Ausserdem hat die norwegische Zentralbank aufgrund der brummenden Wirtschaft bereits einen Straffungskurs angedeutet.

Gold ist jüngst von seinem seit Jahresbeginn gebildeten Doppelboden abgeprallt. Niedrige, wenn nicht sogar negative Realzinsen, ein relativ schwacher US-Dollar und das Bedürfnis der Anleger, sich gegen Inflation abzusichern, dürften das Edelmetall zudem auch weiterhin unterstützen.