LGT Capital Partners : Taktische Asset-Allokation für das Q4/2017

 Von der innenpolitischen Selbstlähmung in den USA bis hin zu den Spannungen um Nordkorea: Historisch haben sich durch solche Risikofaktoren ausgelöste Marktschocks stets als temporär erwiesen.. 

LGT Capital Partners – Strategieteam


Zugleich stehen die aktuellen zyklischen Konjunkturzeichen weiter weltweit auf Wachstum. Wir halten daher Kurs und bleiben in Aktien übergewichtet.
 
Nachfolgend stellen wir unsere makroökonomische Einschätzung und Anlagepolitik für die nächsten drei bis sechs Monate vor. Die hier erwähnten Entscheidungen betreffen die von LGT Capital Partners verwalteten diversifizierten Strategien.
 
Robustes Weltwirtschaftswachstum

Von einer restriktiveren Kreditpolitik in China über die innenpolitische Lähmung in den USA bis hin zur erneuten Säbelrasselrunde rund um Nordkorea – die Weltkonjunktur hat im Laufe der letzten Monate allen Gegenwinden die Stirn bieten können. Das Realwachstum hat weltweit zuletzt generell sogar zugenommen .
 
Im letzten LGT Beacon verwiesen wir auf die besonders starken Daten aus der Eurozone und Schweden (dessen offene Wirtschaft als europäischer Frühindikator angesehen werden
kann). Inzwischen ist bekannt geworden, dass auch Japans Wirtschaftsmotor brummt: Nippons Realwachstum übertraf im zweiten Quartal den Potenzialwert immerhin um das Dreifache. Die grossen Ökonomien wachsen also derzeit nahe oder sogar über Potenzial – bei nur moderaten Inflationstendenzen, was eine gute Voraussetzung für nachhaltige Unternehmensgewinne darstellt. Dazu kommt, dass sich auch die Werte von Geschäftsumfragen zuletzt erneut aufhellten (in den Industrieländern von hohem und in den Schwellenländern von tiefem Niveau ausgehend). Auch wenn sich die jüngst besonders starke Dynamik in Europa fortan naturgemäss doch abflachen sollte, deuten die Zeichen global sicherlich weiter auf Wachstum hin.
 
US-Politik und Zentralbanken
Indessen ist in Bezug auf die USA der Optimismus über die Wachstumspolitik der Regierung (Steuerreform, Infrastrukturinvestitionen etc.) inzwischen so tief gesunken, dass jegliche Art von Fortschritt als positive Überraschung aufgenommen werden dürfte. Dies illustriert der jüngste überraschende Kuhhandel zur Anhebung der Schuldenobergrenze zwischen dem republikanischen Präsidenten und der demokratischen Minderheit im Kongress. Bereits wenige Tage später erklomm der S&P500 ein neues historisches Hoch. Die US-Wirtschaft läuft letztlich auch ohne zusätzliche Impulse aus Washington nach wie vor gut genug.

Wichtiger ist, dass die grossen Zentralbanken weiterhin bestrebt sind, möglichst wachstumsfreundlich zu bleiben – auch jene, die sich bereits für eine baldige Reduktion der Basisgeldmenge (technisch als «Bilanznormalisierung» umschrieben) entschieden haben oder darüber nachdenken. Weil die aktuellen Inflationsraten und die mittelfristigen Inflationserwartungen mehrheitlich unter den Zielwerten notieren, zweifeln viele Marktteilnehmer nämlich am Sinn einer potentiellen Geldverknappung zum aktuellen Zeitpunkt. Sowohl die US Federal Reserve als auch die Europäische Zentralbank werden gröbere Marktverwerfungen daher meiden wollen.
 
Geopolitik: Nordkorea
An dieser Stelle auch einige Worte zur Geopolitik: Nordkoreas jüngste Raketen- und Atomtests sowie die Gegenreaktionen darauf suggerieren eine Eskalation des ungelösten Konflikts aus den 1950er Jahren. Wir glauben jedoch nicht, dass die Situation das Potenzial hat, die Weltkonjunktur zum Entgleisen zu bringen. Angesichts des Machtgleichgewichts und der Interessenlage der Beteiligten wird sich am Ende die Realpolitik durchsetzen. Sollte es trotzdem zu grossen Militäraktionen kommen, dann wäre mit einem raschen Zusammenbruch des isolierten Regimes in Pjöngjang zu rechnen, was die Weltwirtschaft ebenfalls nicht belasten würde. Zugegebenermassen müssten wir im Kriegsfall allerdings zunächst sehr wohl mit Marktturbulenzen rechnen. Mittelfristig dürfte die Entwicklung jedoch nach bekannten historischen Mustern verlaufen, wie beispielsweise nach den beiden Feldzügen gegen den Irak 1991 und 2003.
 
Nachhaltig negative Effekte wären nur dann wahrscheinlich, falls es im Zuge einer Eskalation auch zu einer schärferen Konfrontation zwischen den USA und China kommen sollte – was jedoch sehr unwahrscheinlich erscheint. Klar ist jedenfalls, dass sich US-Aktien historisch stets rasch von vergleichbaren Krisen erholt haben – und ein Jahr später zumeist deutlich höher notierten .
 
Kurs halten mit kontrolliertem Risiko
Der Wirtschaftsausblick bleibt also robust und der Unternehmensgewinnzyklus konstruktiv. Die Gewinnmargen sind hoch oder weiten sich weiter aus, während die Gewinnschätzungen in den meisten Regionen nach oben revidiert werden.
 
Stimmungs- und Positionierungsdaten ergeben keine grossen Warnsignale für Aktien, auch wenn die Stimmungsindizien insgesamt eher gemischt und die meisten Investoren bereits übergewichtet sind. Gleichzeitig halten sie allerdings typischerweise weiter hohe Cashquoten und nützen die tiefen impliziten Volatilitätsniveaus für absichernde Optionsstrategien, was den Warnhinweis relativiert. Etwas skeptischer stimmen gewisse technische Indikatoren, darunter die Marktbreite in den USA und der Dynamikverlust in Europa.
 
Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschlossen, unser Gesamtaktienrisiko nur geringfügig zu reduzieren. Alle Regionen bleiben weiter übergewichtet, einschliesslich der Emerging Markets (EM). Allerdings fällt die regionale Differenzierung diesmal etwas weniger ausgeprägt aus.
 
Feinabstimmung im Realwerte-Segment
Bei Realwerten und alternativen Anlagen belassen wir globale Immobilienaktien (Real Estate Investment Trusts, REITs) weiter leicht über der Neutralquote.

Gleichzeitig verlagern wir das Gewicht von Infrastrukturaktien (Master Limited Partnerships, MLPs) in Richtung Rohstoffaktien, womit die Segmente nun neutral bzw. marginal darüber positioniert sind. Der auf die USA beschränkte MLP-Sektor bietet zwar weiter hohe Dividendenrenditen, doch die Preisentwicklung ist schwach und der Ausblick für den US-Energiesektor ungewiss. Rohstoffaktien profitieren hingegen von einem breiteren Spektrum an Wachstumsthemen, einschliesslich der Nachfrage für Basismetalle aus den zyklisch stabilisierten EM. Listed Private Equity (LPE) bleibt weiter untergewichtet, damit unser Gesamtportfoliorisiko («Aktienbeta») nicht zu hoch ausfällt.
 
Die Hedgefonds (HF) und die versicherungsbasierten Strategien (ILS) sind wie bisher neutral respektive leicht unterhalb der Neutralquote positioniert. Unsere Neutralpositionen für diese Anlageklassen sind wie im Falle der EM-Anlagen aus strategischen Überlegungen vergleichsweise hoch: HF-Strategien tragen über längere Zeiträume, die auch Baissen einschliessen, zu einer guten Portfolioperformance bei. ILS liefern von makroökomischen Daten unabhängige Renditen, was ebenfalls vorteilhafte Diversifikationseffekte bringt.
 
Anleihen: Kauf von EM-Bonds
Im festverzinslichen Bereich kaufen wir erneut EM-Lokalwährungsanleihen hinzu. Das EM-Segment profitiert vom Konjunkturausblick, dem schwächeren USD und den vergleichsweise hohen lokalen Realrenditen und repräsentiert derzeit unser einziges Übergewicht im Anleihenbereich. Industrieländeranleihen und Portfolioduration bleiben unverändert deutlich untergewichtet. Die Untergewichte bei Unternehmensanleihen (Investment Grade, bzw. IG), insbesondere im hochverzinslichen Segment (High Yield), behalten wir ebenfalls bei. Die Risikoprämien notieren auf historisch sehr tiefen Niveaus und das Risiko-Rendite-Profil ist vor allem im Vergleich zu Aktien unattraktiv.
 
Währungen: SEK und CAD favorisiert
Bei Währungen behalten wir unsere taktische Long-Position in der schwedischen Krone (SEK) gegenüber dem Schweizer Franken (CHF) bei und eröffnen eine neue taktische Long-Position im kanadischen Dollar (CAD) gegenüber dem US-Dollar (USD).
 
Schweden und Kanada weisen hohe Wirtschaftswachstumsraten aus und die geldpolitischen Entscheidungsträger sind in beiden Ländern mit der Herausforderung eines überhitzten Immobilienmarktes konfrontiert. Schwedens Riksbank zeigt sich bis dato eher gelassen, dürfte aber dennoch bald anfangen, an der Straffungsschraube zu drehen, um ein dauerhaftes Überschiessen ihres Inflationsziels zu vermeiden. Die Bank of Canada hat bereits reagiert und in den letzten zwei Monaten ihren Leitzins zweimal erhöht. Darüber hinaus sind beide Währungen aus der Perspektive der Kaufkraftparität unterbewertet und somit fundamental attraktiv.
 
Die Währungen im Segment «Andere» werden erneut passiv übergewichtet – d.h. als Folge unserer aktiven Quoten in den verschiedenen relevanten Aktien- und Anleihenmärkten. Dieses Segment repräsentiert vor allem die Währungen von Schwellenländern wie Südkorea aber auch von entwickelten Märkten wie Australien und Neuseeland. Die Übergewichtung steht im Einklang mit unserer Makro-Hausmeinung und geht natürlich zulasten der jeweiligen Portfolio Basiswährung – d.h. zu einer Untergewichtung des USD im Falle unseres auf Seite 4 im PDF dargestellten Modellreferenzportfolios.
 
LGT Capital Partners: Taktische Asset-Allokation für ein ausgewogenes Modellportfolio in USD
Unsere taktische Asset-Allokation (TAA, bzw. die aktive Positionierung gegenüber unseren strategischen Neutralquoten) wird quartalsweise für jeweils drei bis sechs Monate bestimmt (zuletzt am 8. Sept. 2017) und monatlich überprüft. Dazwischen werden kurzfristige Aktionen getätigt, um von aktuellen Marktbewegungen zu profitieren.

Die aktuelle TAA in Kürze:

Alle Aktienregionen übergewichtet, aber mit wenig ausgeprägter regionaler Differenzierung

Anleihen mit Ausnahme des Schwellenländer-Segments weiter generell untergewichtet

Realwerte und Alternativanlagen: REITs gegenüber MLPs und Rohstoffaktien bevorzugt; LPE untergewichtet

Währungen: SEK und CAD favorisiert, CHF und USD werden gemieden; passives Übergewicht in den EM und Asien

Das dargestellte Modellportfolio basiert auf dem von der LGT Capital Partners AG verwalteten LGT GIM Balanced (USD). Währungsrisiken in den USA, Europa und Japan werden grundsätzlich immer abgesichert.

13 09 17 lgt

Quelle:  AdvisorWorld.ch