LGT: Das Szenario eines klassischen Aktienbooms bleibt realistisch

Der S&P 500 begann 2014 an Schwung zu verlieren und sich als zunehmend anfällig für Turbulenzen zu erweisen. Darum fühlt sich die Hausse nicht wie ein richtiger Boom an, obwohl der Index kaum 2.5% unter seinem jüngsten Allzeithoch notiert…..

 

Von Mikio Kumada, CIIA bei LGT Capital Partners


Vor zu viel Vorsicht sei dennoch gewarnt: Historisch folgten auf solche lange, trendlose Marktphasen typischerweise grössere Bullmärkte.

Im Juli, als der S&P 500 auf ein neues Hoch ausbrach, wiesen wir an diese Stelle auf einige aussergewöhnliche Entwicklungen hin, die darauf hindeuten, dass wir in den kommenden Jahren einen Aktienboom wie jenen in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre erleben könnten. Heute aktualisieren wir diese Analyse mit weiteren Beobachtungen.

Zunächst wiederholen wir die wichtigsten Punkte vom Juli: Die aktuelle, seit März 2009 anhaltende Hausse gehört zu den unbeliebtesten der Geschichte, wie die ungewöhnlich niedrige Investorenpartizipation zeigt. Zudem verlor der S&P 500 in den vergangenen Jahren an Dynamik und bewegte sich in einer zunehmend engen Bandbreite innerhalb dessen es zu häufigen kurzlebigen Volatilitätsausbrüchen kam. Die Anleger hegen also keine klaren Überzeugungen. Konkret fiel der zweijährige rollierende Abstand zwischen Hoch und Tief im Juli auf den niedrigsten Stand seit Mitte 1994 – d.h. bis wenige Monate vor dem Beginn des intensivsten Aktienbooms des vergangenen Jahrhunderts, welcher später als Dotcom-Blase bekannt wurde.

Historisch wurden Seitwärtsphasen immer von grossen Bullenmärkte abgelöst

Heute gehen wir einen Schritt weiter und betrachten die vergleichbaren Marktphasen aus noch früheren Jahrzehnten. Phasen, in denen sich der US-Index mindestens sechs Monate lang in einem ähnlichem Muster bewegte, kamen zwischen 1927 und 1994 nur zwei weitere Male vor, nämlich von August 1953 bis März 1954 und von Januar bis Juli 1979. Nach dem Ausbruch aus der jeweiligen Range legte der S&P 500 nochmal um rund 80% bzw. 220% zu, auch wenn der Bullmarkt der 1980er zwischendurch auch schwierige Subphasen erlebte (siehe Grafik 1, Seite 2). Intuitiv ausgedrückt entstehen solche Haussen dann, wenn langjährige Skeptiker zunehmend ihre Zweifel aufgeben und in den Markt einsteigen, und so einen erneuten mehrjährigen Schub nach oben verursachen. Die aktuelle Situation könnte am Ende als eine weitere Zwischenphase des Zweifels erweisen, wie in den 1950er, 1970er und 1990er Jahren.

Das lange realwirtschaftliche Stimmungsbild zeigt: Das Glas ist erst halb voll   Doch auch die langfristigen Konjunkturdaten widersprechen der Möglichkeit eines Booms nicht. Die amerikanische Konsumenten- und Unternehmensstimmung hat sich zwar von den Tiefen der Rezession von 2008/2009 deutlich erholt. Doch das langfristige Bild offenbart sofort, dass wir uns praktisch immer noch nur auf etwa halbem Weg zu einem historisch normalen zyklischen Aufschwung befinden. Grundsätzlich passen die ökonomischen Indikatoren zu den beschriebenen Börsensignalen .

Das Risiko unangenehmer Überraschungen hat sich verringert

Sofern externe Schocks oder grosse wirtschaftspolitische Fehler in nächster Zeit vermieden werden, gibt es unseres Erachtens keinen Grund, warum der Bullenmarkt nicht noch eine Weile länger anhalten sollte. Darüber hinaus haben sich die Zinspläne der USNotenbank Federal Reserve im Laufe der letzten Monaten weitgehend an die deutlich weniger strengen Erwartungen der Markteilnehmer angenähert. Damit ist auch der Spielraum für unangenehme geldpolitische Überraschungen deutlich gesunken. Und eine flexible und marktnahe Notenbankpolitik kann helfen, exogene Schocks rasch zu überwinden, wie wir jüngst im Nachzug auf das überraschende Brexit-Votum beobachten konnten. Abschliessend ist anzumerken, dass die strategische Anlageallokation der MultiAsset-Portfolios der LGT Capital Partners auch solche gutartigen Makroszenarien berücksichtigt hat .

Auf lange, kraftlose Seitwärtsphasen folgten grosse Bullmärkte

Die nachstehende Tabelle zeigt die Phasen, in denen der rollierende zweijährige Abstand zwischen dem jeweiligen Hoch und Tief im S&P 500 wie in jüngster Zeit sehr lange auf tiefem Niveau blieb. Konkret markieren wir Perioden, in denen dieser Messwert im untersten fünften Perzentil lag. In allen Fällen folgten bedeutende Aktienhaussen, die mindestens zweieinhalb Jahre dauerten. Die Hausse der 1980er hatte war einige schwierige Zwischenphasen. Wir haben sie hier dennoch inkludiert, weil sie letztlich als eine grossen historischen Haussen gilt, selbst wir ihn mit der kurzen Einbruch von 1987 enden lassen. Die nachfolgend angegebenen Kurssteigerungen messen die Gewinne nachdem der Index aus der jeweiligen Seitwärtsphase ausbrach.

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USA: Zyklen Verbraucher- und Geschäftsstimmung seit 1967

Der Conference Board-Verbrauchererwartungsindex hat sich seit Anfang 2009 erholt, liegt aber weiter deutlich unter dem 50jährigen Medianwert, was Raum für signifikantes Aufwärtspotenzial zulässt. Auch der Einkaufsmanagerindex des Instituts für Supply Managements notiert unter dem langfristigen Median. Natürlich ist es immer möglich, ein Glas als halb leer anzusehen, statt als halb voll. Angesichts der eingangs beschriebenen langfristigen Marktbeobachtungen würd es uns jedoch nicht überraschen, wenn sich auch die reale Konjunkturstimmung in den kommenden Jahren in Richtung eines klassischen Aufschwungs entwickelt sollte.

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Quelle: AdvisorWorld.ch