LGT: Global stimmige, reflationäre Marktsignale

Die anfängliche Investoreneuphorie über das US-Wahlergebnis klingt ab und die Nachhaltigkeit der «Trump-Rallye» wird inzwischen verstärkt angezweifelt….

 

Von Mikio Kumada, CIIA bei LGT Capital Partners


Wir bleiben konstruktiv: Erstens ging der globale Reflationstrend der Wahl klar voraus und sollte daher auch ohne neue politische Impulse aus den USA intakt bleiben. Zweitens gibt es bisher keine Anzeichen für eine Trendwende.
 
Nächste Woche werden wir im Zuge unserer vierteljährlichen Überprüfung der taktischen Assetallokation (TAA) die Anlagepolitik der LGT Capital Partners für die nächsten drei bis sechs Monate bestimmen. Die Entscheidungen werden am 5. April im LGT Beacon kommuniziert. Ohne bestimmte Ergebnisse vorwegzunehmen, präsentieren wir heute einige relevante Marktbeobachtungen:
 
Immer mehr Marktteilnehmer scheinen inzwischen den so genannten «Reflation-Trade» bzw. die «Trump-Rallye» vom letzten Herbst zu hinterfragen, zumal die Umsetzung der wirtschaftspolitischen Pläne des US-Präsidenten Donald Trump bisher enttäuschend ausgefallen ist. Doch während temporäre Volatilitätsausbrüche natürlich jederzeit möglich bleiben, sprechen folgende Punkte grundsätzlich weiter für eine intakte Aktienhausse:

– Der wichtigste Reflationstreiber wirkt weiter: Der globale wirtschaftspolitische Policy-Mix bleibt gut kalibriert, um eine Wachstumsbeschleunigung zu ermöglichen, ohne unangemessen hohe Inflationsrisiken einzugehen. Die Notenbanken wollen trotz der Aktienhausse und besseren Konjunkturdaten kein frühzeitiges Abwürgen der Entwicklung riskieren. Die Entscheidung der Federal Reserve vom vergangenen Mittwoch, die Zinsen wie erwartet zu erhöhen aber ihren mittelfristigen Fahrplan unverändert zu belassen, unterstreicht dies eindrücklich.

– Wirtschaftsdaten und vorausschauende Geschäfts- und Stimmungsumfragen bestätigen indessen weiter weltweit stimmig die reflationäre Dynamik. Das gilt auch für die Finanzmärkte – ebenfalls quer durch alle Anlageklassen und Regionen. Die Datenlage wird sich früher oder später natürlich wieder etwas abschwächen. Genau deshalb bleibt der erste Punkt besonders relevant.

– Wichtig ist auch, dass sich das Reflationsthema lange vor der US-Wahl weltweit und in allen Marktsegmenten etabliert hatte. Der «Reflation-Trade» begann nämlich zwischen Ende Januar und Mitte Februar 2016, d.h. als Japan den erstmaligen Einsatz von negativen Zinsen und China die erneute Lockerung der Geldpolitik ankündigten. Die Tatsache, dass diese Ereignisse damals weitgehend auf Skepsis stiessen bzw. ignoriert wurden, sollte uns zudem einmal mehr daran erinnern, dem kurzfristig dominierenden Meinungskonsens mit kritischem Vorbehalt zu begegnen. So könnten sich die gegenwärtigen Bedenken betreffend der protektionistischen Rhetorik der US-Regierung am Ende ebenfalls als ein vorübergehendes Phänomen erweisen.

Wachstums- und zinssensitive Sektoren zeigen weiter Stärke

Auf Seite 2  zeigen wir eine Reihe von Grafiken, die diese Punkte untermauern. Klar ist: Die Märkte signalisieren weiter einen globalen Reflationserfolg. Die Toleranz gegenüber zunehmend inflationsfreundlichen Bedingungen durch die meisten Notenbanken führt dazu, dass die Zinskurven global steiler werden und die höheren Inflationserwartungen berücksichtigen. Das wiederum stützt die Zinserträge und die Konjunktur – und damit à la longue auch den Welthandel. Daher zeigen Branchen wie Banken, Handelsschifffahrt, Industrie und Technologie weiter ausgeprägte Stärke – und diese mittelfristigen Aufwärtstrends sind ungebrochen.
 
Der US-Dollar könnte sich diesbezüglich als eine mögliche Ausnahme herausstellen. Der Greenback notiert zwar immer noch höher als vor der Wahl, die Dezember-Hochs u.a. gegen den Euro oder den Yen wurden aber noch nicht zurückerklommen. Doch auch das stellt das Reflationsthema grundsätzlich nicht in Frage: Vielmehr würde dieser mögliche Trend signalisieren, dass die Reflationsdynamik zunehmend von den USA auf Europa und Japan überschwappt. Zu diesem Zeitpunkt würden wir daher weiterhin generell davon abraten, die anlagepolitische Exponierung gegenüber dem Reflationsthema grundsätzlich abzubauen.

Klare und intakte Reflationssignale weltweit

Das globale Reflationsthema begann zwischen Ende Januar und Mitte Februar 2016, als Japan und China beschlossen, die Geldpolitik weiter respektive wieder zu lockern. Das zeigen die Charts auf Seite 2 im PDF eindrücklich. Die US-Wahl hat grundsätzlich nur einen bereits existierenden Trend bestätigt und bekräftigt. Letzterer impliziert auch, dass potenzielle wirtschaftspolitische Enttäuschungen aus Amerika das weltweite Reflationsthema nicht zwingend entgleisen müssen – zumindest solange die Federal Reserve sowie die anderen grossen Volkswirtschaften auf Kurs bleiben.
 
Der gut kalibrierte Policy-Mix spiegelt sich darüber hinaus darin, dass die relative Stärke der inflationsgebundenen Anleihen (Grafik 2) weniger deutlich ausgeprägt ist, als die Stärke der wachstumsabhängigen Märkte (Charts 1, 3 und 4). Die Charts 5 und 6  zeigen schliesslich die intakten Trends von zwei Branchen, deren Ertragsaussichten in besonderem Masse von den Themen Reflation bzw. Weltwirtschaftswachstum abhängen: Banken und Transportschifffahrt. Kurz: Die Marktsignale bleiben positiv und in sich stimmig.

22 03 17 LGT

Quelle: AdvisorWorld.ch