LGT: Hilfreiche Anpassungen des geldpolitischen Ausblicks

Letzten Donnerstag senkte die Federal Reserve erneut ihre Leitzinsschätzungen. Am Tag davor hatte Japans Notenbank mit ihren Entscheidungen sogar noch mehr Aufmerksamkeit erregt. Global folgenreicher ist aber sicherlich die FedAktion: Sie lässt eine weitere Erholung der Inflationserwartungen zu und reduziert das Risiko extremer Volatilitätsschübe an den Finanzmärkten. …..

 

Von Mikio Kumada, CIIA bei LGT Capital Partners


Auf den ersten Blick schienen die mit Spannung erwarteten geldpolitischen Ankündigungen der Bank of Japan vom vergangenen Mittwoch die Finanzmärkte weitaus mehr beschäftigt zu haben als jene der US-Notenbank Federal Reserve. Wir bei LGT Capital Partners hatten erst kürzlich darauf hingewiesen, dass die BOJ bis auf Weiteres von wirklich grossen monetären Impulsen weiter Abstand nehmen dürfte (siehe LGT Beacon, 31. August 2016).

Tatsächlich hat die BOJ auch diesmal keine greifbaren Lockerungsschritte beschlossen und sich stattdessen auf einige theoretischideologische und technische Anpassungen ihrer Politik beschränkt. Dazu zählte u.a. die leichte Anhebung des Inflationsziel von 2% auf «stabil über 2%» sowie die Klarstellung, dass es vor Erreichung dieses Ziel zu keinem Ende der Geldmengenausweitungen kommen wird. Mit diesen Schritten wollte die BOJ der Vorstellung entgegenwirken, dass ihr im Kampf gegen die Deflation die Munition ausgeht und sie dabei ist, das Handtuch zu werfen. Da die Marktreaktionen in Japan seither unter dem Strich marginal positiv waren (sowohl der Nikkei als auch der Yen gegenüber einem Index der restlichen G10-Währungen notieren heute geringfügig höher als vor der BOJ-Ankündigung), dürfte ihr das diesmal auch ohne konkrete Lockerungsschritte vorerst einigermassen gelungen sein.

Die Haltung der Federal Reserve wird immer inflationsfreundlicher

Im Vergleich dazu schien die Fed-Sitzung vom vergangenen Donnerstag noch weniger Einfluss auf die Märkte gehabt zu haben (S&P 500 und US-Dollar ggü. G9-Währungsindex notieren seitdem praktisch unverändert). Trotzdem dürften sich die Fed-Entscheidungen in der nahen Zukunft doch stärker auf die globalen Märkte auswirken. Obwohl US-Aktien weiter haussieren haben die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses der Fed (FOMC) nämlich ihre Projektionen für das US-Leitzinsenniveau erneut reduziert.

Dies könnte gutartige Auswirkungen auf das globale Marktregime haben. Die grosse Kluft zwischen den Zinserwartungen der Mittglieder des FOMC und der Markteilnehmer stellt seit gut zwei Jahren eines der wichtigsten Investmentrisiken dar. Je grösser diese Kluft ist, desto grösser auch das Risiko, dass selbst angedeutete nahende Zinserhöhungen gröbere Marktturbulenten auslösen könnten. Diese Befürchtungen haben sich bisher auch als richtig erwiesen.

Reduzierter Spielraum für böse geldpolitische Überraschungen

Der Spielraum für solche unangenehme Zinsschocks verringert sich inzwischen allerdings langsam aber stetig. Das von der Fed projizierte Leitzinsniveau für die nächsten zwei bis drei Jahre heute um 0.25 bis 0.50 Prozentpunkte tiefer als im Juni und sogar 0,75 bis 1,375 Prozentpunkte tiefer als im Dezember letzten Jahres. Die Differenz zwischen der auf ein Jahr hinaus projizierten Erwartung des FOMC und jener des Terminmarktes ist von 59 auf 31 Basispunkte gesunken. Im Unterschied zur Situation Ende letztens Jahres liegen die aktuellen Fed-Projektionen zudem sogar leicht unter den Konsensschätzungen der Ökonomen .

Diese stetige Erwartungskonvergenz dürfte die Märkte weiter stützen. Die Wachstums- und Inflationserwartungen, die sich seit einem mehrjährigen Zyklustief im Januar langsam zu stabilisieren scheinen, dürften davon entsprechend profitieren. Die zunehmend marktnahe Fed-Haltung könnte zudem dazu beitragen, einen etwaigen Volatilitätsausbruch in Reaktion auf ein unerwartetes Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl im November in Grenzen zu halten – so, wie die flexible Haltung der Bank of England nach dem britischen Votum zugunsten eines Austritts aus der Europäischen Union dazu beitrug, die Situation wieder sehr rasch zu stabileren.  

FOMC-Projektionen notieren jetzt leicht unter der Konsensschätzung

Die nachfolgenden Grafiken zeigen den vom FOMC projizierten US-Leitzinspfad («Dots-plot») per Dezember 2015 (links unten) und im Juni dieses Jahres (rechts unten). Die dunkelblauen Pfeile zeigen die Veränderung des Dots-plot-Pfads im Laufe der Zeit. Dazu zeigen wir jeweils auch die aktuellen Projektionen, die im Terminmarkt eingepreisten Pfade und die Bloomberg-Konsensschätzungen. Die FOMC-Schätzungen haben sich stetig abgeflacht und dem vom Markt implizierten Pfad angenähert. Zudem notieren sie nun leicht tiefer als die Konsensprognosen.

Rückgang der Fed-Projektionen reduziert Volatilität und Risikoprämien

Die oben beschriebene Erwartungsdivergenz ging mit häufigeren und intensiveren Volatilitätsausbrüchen einher. Als klar wurde, dass die Fed möglichst rasche Zinserhöhungen anstrebt, begann auch die US-Aktienmarktvolatilität deutlich anzuziehen. Unerwartete Ereignisse ausserhalb der USA – wie die Börsencrashs in China vom vergangenen August und im Januar dieses Jahres oder das britische EU-Austrittsvotum vom Juni – lösten dabei immer wieder erhebliche Turbulenzen aus (links unten). Das zeigt, dass die USKonjunktur vom Markt als nicht stark eingeschätzt wurde, um internationalen Schocks standhalten zu können. Damit wirken die Zinserhöhungspläne verunsichernd. Die jüngste Volatilitätsspitze von Anfang September ist allerdings vergleichsweise mild ausgefallen – ein erstes Indiz dafür, dass die stetige Erwartungskonvergenz zunehmend positiv zu wirken beginnt. Ein weiteres Indiz für die gutartige Auswirkung dieser Entwicklung kann am sehr deutlichen Rückgang der Risikoprämien («Spreads» gegenüber USStaatsanleihenrenditen) für Hochzins- und Schwellenmarktanleihen seit Anfang Jahr abgelesen werden.

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Multi-Asset-Strategien der LGT Capital Partners: Aktuelle Positionierung   Die Multi-Asset-Strategien der LGT Capital Partners sind derzeit so positioniert, dass sie von den oben erwähnten Beobachtungen und möglichen Entwicklungen profitieren können: So wurde im Laufe der vergangenen Monate die Aktienquote schrittweise aufgebaut. Die starke Rallye im Schwellenländer- und High-Yield-Kreditsegment wurde für Gewinnmitnahmen genutzt (die aktuelle taktische Positionierung ist neutral).

Zum Schluss sei betont, dass eine mögliche Phase tiefer Volatilität keinesfalls bedeutet, dass sich Investoren nicht vor Volatilitätsausbrüchen schützen müssen. Im Gegenteil: Solche Phasen eignen sich besonders gut für den Erwerb von Absicherungsstrategien und unser Portfoliomanagement geht grundsätzlich auch so vor.

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Quelle: AdvisorWorld.ch