LGT: Keine US-Zinserhöhung vor der Präsidentschaftswahl

Während es an Inflationsrisiken mangelt, könnte die US-Präsidentschaftswahl für einen weiteren politischen Schock sorgen…..

Von Mikio Kumada, CIIA bei LGT Capital Partners


Davor dürfe es daher zu keiner US-Zinserhöhung kommen. Ein Sieg Hillary Clintons würde hingegen Kontinuität signalisieren und einen Zinsschritt im Dezember vertretbar machen – insbesondere, wenn sich die Konjunktur- und Börsentrends weiter aufhellen sollten.  

Morgen beginnt das jährliche Notenbanker-Symposium in Jackson Hole, im US-Bundestaat Wyoming. Viele Anleger dürften in den nächsten Tagen gespannt nach Hinweisen zur globalen Geldpolitik Ausschau halten und das eine oder andere Kommentar könnte vorübergehend die Märkte bewegen. Wirklich neue geldpolitische Impulse dürften aus dem Treffen jedoch kaum hervorgehen. Die politischen Weichen sind diesbezüglich grundsätzlich längst gestellt. In Europa und insbesondere Japan dürfen wir durchaus noch vor Jahresende mit weiteren Lockerungsschritten rechnen. Dies gilt wahrscheinlich auch für einige G20-Volkswirtschaften, wie etwa Korea oder Australien (zum Teil dank der Stabilisierung der Währungen). Gleichzeitig wird die Federal Reserve in den USA zumindest bis zur Präsidentschaftswahl am 8. November kaum gute Gründe für eine Zinserhöhung finden – trotz der gelegentlich andersklingenden Kommentare einiger hoher Fed-Vertreter.  

Keine Gefahr einer nachhaltigen Überschreitung des Inflationsziels

Erstens bleibt der Inflationsdruck sowohl global als auch in den USA schwach – trotz relativ robuster Konjunkturdaten. Zwar ist der US-Verbraucherpreisindex ohne Nahrungsmittel und Energie zuletzt um 2.2% gegenüber Vorjahr gestiegen, der von der Fed bevorzugte Konsumausgabenindex bleibt aber immer noch deutlich unter dem Fed-Zielwert von 2%. Zudem notierten beide Inflationsmasse im letzten Jahrzehnt im Schnitt bei unter 2% . Die Fed hat also Spielraum, eine weitere Akkumulation von Inflationspotenzial zuzulassen, ohne eine dauerhafte Überschreitung des mittelfristigen Inflationszieles zu riskieren. Sie dürfte diesen Spielraum auch nutzen.  

Inflationserwartungen zeigen tendenziell weiter nach unten

Zweitens halten sich auch die marktbasierten Inflationserwartungen in Grenzen. Gemäss Inflationsswaps schwankt seit der ersten Zinserhöhung im Dezember die in fünf Jahren implizit erwartete Inflationsraste um die 2%. Dieser Markt suggeriert also, dass der aktuelle Fed-Kurs gerade richtig ist. Alle anderen marktbasierten Inflationsindikatoren notieren jedoch weiter unter 2% und tendieren generell tiefer. Trotz des robusten Arbeitsmarkts und freundlicher Börsen rechnen die Anleger mittel- bis langfristig generell mit abnehmendem Inflationsdruck. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass der Rohölpreis seit Februar um gut 80% gestiegen ist, im Vergleich zum Vorjahresniveau aber immer noch tiefer notiert. Ähnliches gilt auch für die Industriemetallpreise . Rohstoffpreisgetriebene Inflationsrisiken bleiben also ebenfalls überschaubar, zumal die Rohstoffpreise in den kommenden Monaten kaum noch einmal so deutlich ansteigen dürften, wie seit Anfang Jahr.  

Politische Risiken sprechen gegen Straffungsschritte  

Drittens suggeriert die Reaktion der Bank of England auf das überraschende britische Votum vom Juni zugunsten eines Austritts aus der Europäischen Union (Brexit), dass die geldpolitisch grundsätzlich gleichgesinnte Fed im Falle politisch induzierter Konjunkturshocks bereit sein würde, die Geldpolitik rasch wieder zu lockern. Ein Wahlsieg des republikanischen Kandidaten Donald Trump würde, ähnlich wie der Brexit, weltweit als eine weitere Herausforderung der etablierten Nachkriegsordnung des westlichen Lagers betrachtet werden – und zumindest temporär entsprechend schockieren. Die derzeit in allen Umfragen prognostizierte Wahl der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton würde hingegen politische Berechenbarkeit und Kontinuität signalisieren. Damit würde auch die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember steigen – vor allem dann, wenn der seit einiger Zeit freundliche Unterton an den Finanzmärkten und aus der Konjunkturdatenfront weiter anhalten sollte.

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Die ersten zwei Grafiken zeigen eine Reihe bekannter US-Inflationsindizes. Die Grafik oben links zeigt die jährlichen Veränderungsraten des US-Verbraucherpreisindizes ohne Nahrungsmittel und Energiepreise («VPI-Kernrate») und für den Gesamtindex. Die Grafik rechts zeigt die Kern- und Gesamtveränderungsraten des Deflators der persönlichen Konsumausgaben (PCE-Index). Letzterer wird als breiteres Inflationsmass von der Fed bevorzugt.  

Die VPI-Kernrate ist zuletzt auf ein Niveau leicht über dem Zielwert angestiegen (auf 2.2%), was auf einen bescheidenen Preisauftrieb im Dienstleistungssektor zurückgeht – die Folge eines recht robusten Arbeitsmarkts. Diese Preistrends sind allerdings nicht stark genug, um von einem nennenswerten Inflationsrisiko auszugehen, wie die PCE-Indizes zeigen. Im letzteren Fall notieren sowohl die Kern- als auch die Gesamtrate unter dem Zielwert.  

An dieser Stelle sei erwähnt, dass der WTI-Rohölpreis seit dem Zyklustief von Mitte Februar um rund 80% gestiegen ist. Der aktuelle dreimonatige Durchschnittspreis von $46.35 pro Barrel, notiert jedoch immer noch gut 14% unter dem Durchschnittspreis von $52.66 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Bloomberg Industriemetallindex (Kassapreise) ist seit Januar dieses Jahres um rund 20% gestiegen. Der dreimonatige Durchschnittspreis bleibt mit $156.27 aber immer noch etwa 9% unter dem relevanten Vorjahresniveau. Die Rohstoff-preise müssten in den kommenden Monaten also weiter sehr deutlich steigen, um die Inflationsindizes signifikant weiter nach oben zu treiben. Wir sind bei Rohstoffen untergewichtet . 

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Die Grafik links oben zeigt die implizite jährliche US-Inflationsrate in fünf Jahren auf der Basis der Inflationswaps (Handel von Nullkupon-US-Dollar-Schuldverschreibungen) – sie schwankt seit der US-Zinserhöhung vom Dezember (von 0%-0.25% auf 0.25%-0.5%) um die 2%. Die Grafik rechts zeigt die implizite zukünftige Inflation (ebenfalls in fünf Jahren) auf Basis der sogenannten BreakevenSätze (Differenz zwischen nominalen und inflationsindexierten Anleihenrenditen) sowie der Termingeschäfte mit diesen Anleihen. In beiden Fällen hat die Fed-Zinserhöhung die Inflationserwartungen generell unter dem Zielwert verharren lassen. Der Inflationsdruck dürfte kaum zunehmen, solange die Fed grundsätzlich dazu tendiert, bei der nächsten Gelegenheit die Leitzinsen weiter zu erhöhen.

Quelle: AdvisorWorld.ch