LGT: Robuste Grundlagen werden die Hausse weiter erhalten

Zwischen den niederländischen und der ersten Runde der französischen Wahlen schien die globale Aktienhausse kurz an Dynamik zu verlieren….

 

Von Mikio Kumada, CIIA bei LGT Capital Partners


Inzwischen sind die Politängste wieder verpufft. Damit werden auch die fundamentalen Treiber der Hausse früher oder später stärker zum Zug kommen: Eine wachsende Weltwirtschaft, ein wiederbelebter globaler Handel und eine robuste Ertragserholung.

Die Ereignisse vom letzten Sonntag bestärken das Vertrauen in die Europäische Union. In Frankreich konnte sich Emmanuel Macron mit seinem proeuropäischen Kurs klar gegenüber seiner rechten Herausforderin Marine Le Pen durchsetzen, während die Christdemokraten Deutschlands bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein einen überraschend klaren Wahlsieg erzielten. Angela Merkels Chancen auf eine vierte Kanzlerschaft nach den Bundestagswahlen im September scheinen damit besser als erwartet zu stehen.  

An den Zinsmärkten wurde das Risiko einer neuen Eurokrise daher prompt weitgehend ausgepreist, die Börsenvolatilität brach weltweit zusammen und die Aktienpreise tendieren global weiter höher – auch wenn die europäischen Marktreaktionen seit Sonntag eher schwach ausfielen. Letztere deuten lediglich darauf hin, dass diese politischen Trends fürs Erste schon vorweggenommen wurden: Euro-Aktien hatten sich ja bereits im Vorfeld der zweiten französischen Präsidentschaftswahlrunde überdurchschnittlich gut entwickelt.  

Gutartige fundamentale Makrotrends

Die Warnungen vor einer grösseren Korrektur haben sich damit erneut nicht bewahrheitet. In dieser Entwicklung spiegelt sich schliesslich vor allem die Tatsache, dass die Hausse auf robusten makroökonomischen Beinen steht. Abgesehen von gelegentlichen temporären Rückschlägen dürften insbesondere folgende Makrofaktoren die Hausse jedenfalls weiter am Leben erhalten:

Die Einkaufsmanagerumfragen haben zwar zum Teil begonnen, zu divergieren (in den USA und China beobachten wir eine abnehmende Aufwärtsdynamik, während sich vor allem der Euroraum weiter besonders stark zeigt). Letztlich notieren jedoch alle Indikatoren weltweit weiter klar im Wachstumsbereich.  

Nach der stetigen zyklischen Erholung und der gleichzeitig erfolgten Stabilisierung der Rohstoffpreise im Laufe der vergangenen zwölf bis 15 Monate scheint sich nun auch der Welthandel zu erholen. In US-Dollar (USD) gemessen wächst der Welthandel seit Ende 2016 wieder und vorausschauende Indikatoren signalisieren ein Anhalten dieses Aufschwungs.  

Die Unternehmensgewinne wachsen nun rund um den Globus wieder deutlich. Die Mehrheit der Unternehmen ist zudem nach wie vor in der Lage, weiter die Konsensuserwartungen zu übertreffen, obwohl diese tendenziell steigen. Das entspannt die Situation selbst in jenen Märkten, in denen die Bewertungen im Laufe der letzten Jahre relativ stark gestiegen sind (insbesondere USA). Ausserdem erhöht das die Attraktivität der von uns taktisch derzeit bevorzugten Märkte Europa und Japan.  

Die geldpolitischen Rahmenbedingungen bleiben global insgesamt weitgehend angemessen, um diesen zyklischen Aufschwung zu unterstützen – und zwar ohne übermässige Inflationsrisiken einzugehen (nach dem jüngsten Rückzug der Industrierohstoffpreise hat sich die Inflationsdynamik ohnehin zusätzlich entspannt).

Wir bekräftigen unsere Strategie und unsere taktischen Präferenzen

Vor diesem Hintergrund bekräftigen wir unsere Anlagepolitik und bleiben bei Aktien deutlich übergewichtet, während wir Staatsanleihen klar meiden und unterdurchschnittliche Laufzeiten bevorzugen. Wir bestätigen auch unsere (kürzlich reduzierte) Long-Position im US-Dollar sowie den Kauf der schwedischen Krone (gegenüber dem Schweizer Franken). Die Währung des skandinavischen EULandes gehört weltweit zu den fundamental besonders unterbewerteten und hat damit ein überdurchschnittliches Potential, vom zunehmenden Vertrauen in den Euro und dem anhaltenden Aufschwung der Eurozone zu profitieren.


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Nach der ersten französischen Wahlrunde (23. April) legten Aktien an Dynamik zu. Der globale Index stieg seither um 2.8%, während EuroStoxx und Nikkei 225 sogar um 6% bzw. 7% stiegen. Die EU-politischen Risikoprämien – z.B. der Spread zwischen deutschen und französischen Staatsanleihen – hatten kurz vor den niederländischen Wahlen (15. März, zeitgleich mit der dritten USZinserhöhung) den Höhepunkt erklommen, sind aber inzwischen unter langfristige Durchschnittsniveaus zurückgefallen.    

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Alle PMI notieren über der Schwelle von 50 Punkten, was auf eine anhaltend gute Konjunktur in naher Zukunft hinweist. Der Welthandelsfrühindikator von Morgan Stanley (rechts) verweist zudem darauf, dass diese Erholung ebenfalls anhalten wird.

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Im Einklang mit dem Makrobild haben sich auch die Firmengewinne erholt. Das globale Ertragsniveau notiert allerdings weiterhin unter den Zyklushochs. Bei anhaltender Konjunkturstärke besteht also ausreichend Platz für weitere Zugewinne. Auch die Bewertungen verharren indessen selbst in den USA unterhalb der zyklischen Spitzenwerte. Solange das Gewinnwachstum global höher als erwartet ausfällt, können auch diese weiter steigen, wobei der Spielraum hierfür ausserhalb der USA am grössten ist.

Quelle: AdvisorWorld.ch