LGT : Taktische Asset-Allokation für Q1/2017

Nach unserer vierteljährlichen Allokationsüberprüfung positionieren wir uns etwas prononcierter als zuvor für eine globale Konjunkturaufhellung, allerdings ohne auf einen gewissen Schutz gegen die gelegentlichen Volatilitätsausbrüche zu verzichten. Konkret kaufen wir japanische Aktien und inflationsgekoppelte Anleihen und erhöhen zugleich das Gewicht von alternativen Anlagen….

 

Strategieteam


Die taktische Vermögensallokation (TAA) der von LGT Capital Partners verwalteten Multi-Asset-Strategien wird quartalsweise systematisch überprüft und angepasst. Kleinere Anpassungen werden nötigenfalls nach monatlichen oder ad-hoc Meetings natürlich auch zwischendurch vorgenommen. Der heutige LGT Beacon fasst die Ergebnisse der am vergangenen Freitag abgeschlossenen jüngsten, umfassenden TAA-Überprüfung zusammen.
 
Die im Folgenden erwähnten Aktionen reflektieren grundsätzlich unsere Markteinschätzung für die kommenden drei bis sechs Monate, welche sich als Abweichung («aktive Position») gegenüber unserer eigenen strategischen Allokation (SAA) niederschlägt. Die SAA repräsentiert unsere Erwartungen für die kommenden Jahre und ist nicht Gegenstand dieser Veröffentlichung.
 
Freundlicher makroökonomischer Datenkranz

Die konjunkturellen Trends haben sich im Laufe des vergangenen Quartals global insgesamt weiter verbessert oder stabilisiert und damit unser Basisszenario für ausreichendes weltweites Wirtschaftswachstum bestätigt. Steigende Rohstoffpreise und mancherorts gar Anzeichen eines Lohnauftriebs dürften auch die Inflationsraten etwas nach oben drücken. Und obwohl es an Risikoszenarien weltweit keinesfalls mangelt, schätzen wir die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls in eine globale Rezession in naher Zukunft weiterhin als gering ein. Unter dem Strich bleiben wir daher bei unserer konstruktiven Markteinschätzung und Anlagepositionierung.
 
Aktien: Übergewicht in den Industrieländern wird nun zugunsten Japans akzentuiert

Bei Aktien bleiben die entwickelten Märkte weiterhin übergewichtet. Allerdings tragen mittlerweile alle Regionen zu positiven aktiven Positionen bei. Die grösste Veränderung betrifft japanische Aktien, welche nun vergleichsweise deutlich übergewichtet werden (nach einer zuvor neutralen Quote). Japans Wirtschaft und Börse haben nun wieder Rückenwind.
 
Die US-Notenbank dürfte ihre – zaghafte – geldpolitische Straffungspolitik beibehalten, während die Bank of Japan voll und ganz auf Reflationskurs bleibt. Infolgedessen hat der Yen wieder begonnen, stärker abzuwerten – was die bedeutenden überseeischen Erträge der Unternehmen und Haushalte Nippons erhöht.
 
Darüber hinaus ist der viel diskutierte Ansatz, die lockeren geldpolitischen Bedingungen für traditionelle Konjunkturmassnahmen zur Stärkung der Binnennachfrage zu nutzen, in Japan am weitesten fortgeschritten und stösst am wenigsten auf politischen Widerstand. Zudem haben gemäss einschlägigen Fondsmanagerumfragen internationale Investoren ihre Bestände an japanischen Aktien bereits im ersten Halbjahr 2016 signifikant reduziert, was als ein konträres Zeichen angesehen werden kann. Die Übergewichtung in Japan geht zulasten unserer bisher grossen aktiven Positionen in den USA und im globalen Segment der defensiven Aktienstrategien.
 
Schwellenländer weiterhin neutral positioniert

In den Emerging Markets bleiben wir weiterhin neutral positioniert. Innerhalb des Segments bevorzugen wir Südkorea, Indien und Osteuropa. Die Rückschläge im Nachgang der US-Wahlen und anderer vorübergehender lokaler Faktoren betrachten wir zwar generell als übertrieben, Märkte, die derzeit mit hohen politischen Risiken einhergehen, werden von uns aber taktisch untergewichtet (z.B. Südafrika, Türkei).
  
Alternative Investments inklusive Realwerte: Taktische Zukäufe

Immobilienfonds (REITs) bleiben vergleichsweise deutlich übergewichtet. Der plötzliche Anstieg der Zinsen nach den US-Wahlen hat den Sektor deutlich belastet, so dass REITs und Property Developers inzwischen zumeist mit Abschlägen gegenüber ihrem Netto-inventarwert (NAV) gehandelt werden und die Dividendenrenditen weltweit bei rund 4 Prozent notieren. Wir betrachten das Segment daher weiter als attraktiv, da nach unserer Einschätzung der Ausblick für das Mieteinkommenswachstum intakt geblieben ist.
 
Im Bereich von Listed Private Equity (LPE) liegen die Abschläge zum NAV derzeit im historischen Durchschnitt. Für grössere Käufe warten wir lieber attraktivere Einstiegspunkte ab. Obwohl wir die Quote nun leicht angehoben haben, bleibt LPE weiterhin taktisch untergewichtet – eine Exponierung in anderen Aktiensegmenten erscheint uns derzeit attraktiver.
 
Bei Rohstoffen sei einleitend kurz angemerkt, dass wir im Rahmen unserer separat durchgeführten jährlichen SAA-Überprüfung die Quote für Terminkontrakte gänzlich schliessen, zugunsten einer Exponierung gegenüber Rohstoffaktien. Wir sehen langfristig gute Chancen bei Produzenten, die sich bereits mittels Bilanzbereinigungen und betrieblichen Umstrukturierungen auf das vorherrschende, tiefere Rohstoffpreisniveau gut angepasst haben. Gegenüber unserer SAA-Quote bleiben Rohstoffaktien taktisch jedoch vorerst weiter untergewichtet².
 
Auch im Bereich der Hedgefonds (HF) und der versicherungsbasierten Strategien (ILS) haben wir die Positionen moderat auf Neutralposition erhöht. Insgesamt ist der Bereich der alternativen Anlagestrategien aufgrund des Untergewichts bei LPE und Rohstoffaktien derzeit taktisch untergewichtet (es sei allerdings angemerkt, dass das Modellportfolio im Branchenvergleich eine nach wie vor sehr hohe Allokation zugunsten des alternativen Segments aufweist).
 
Fixed Income: Präferenz für Firmenkredite, EM und inflationsgekoppelte Staatsanleihen

Bei Anleihen bevorzugen wir Kreditrisiko und halten die Zinsrisiken (Duration) untergewichtet. Globale Staatsanleihen sind taktisch maximal untergewichtet, während alle anderen Kategorien nominaler Anleihen (Investment Grade, High Yield, Emerging Markets) neutral gewichtet sind. Dies, nachdem wir unsere bisherige Übergewichtung von Investment-Grade-Unternehmensanleihen abgebaut haben.
 
Inflationsgekoppelte Anleihen haben wir sowohl taktisch als auch strategisch erhöht. In diesem Segment haben wir zugekauft, bleiben jedoch weiter leicht unter unserer nun erhöhten SAA-Quote. Unsere strategische Präferenz für reale Anleihen drückt sich in der Tatsache aus, dass die Hälfte unserer Staatsanleihenquote aus inflationsgekoppelten Wertpapieren besteht¹/². Die taktische Präferenz wird deutlich, wenn das Gewicht der inflationsgeschützten Anleihen mit der laufenden Quote für herkömmliche Staatsanleihen im Modellportfolio vergleichen wird – letztere beträgt derzeit null Prozent.
 
Die Breakeven-Zinsen (d.h. die implizit erwarteten zukünftigen Inflationsraten) sind im Anschluss an die US-Wahlen etwas stärker angestiegen, notieren aber nach wie vor auf historisch niedrigen Niveaus. Inflationsgekoppelte Anleihen dürften sich daher weiterhin besser entwickeln als nominale Papiere. Bei Unternehmens- und Schwellenländerschulden werden die positiveren zyklischen Aussichten und/oder die attraktiven Risikoprämien durch den Aufwärtsdruck auf die Basissätze (US-Zinsen) ausgeglichen, was insgesamt zu unserer taktisch neutralen Bewertung führt.
 
Währungen: US-Dollar weiter bevorzugt

Im Devisenbereich halten wir an unserer einzigen aktiven Position, der Übergewichtung des US-Dollar gegenüber dem Euro und dem Schweizer Franken, fest. Die Differenz zwischen amerikanischen und europäischen Anleihenrenditen nimmt wieder verstärkt zu, während die Politik der Zentralbanken in divergierende Richtungen zeigt.
 
Die verbleibenden Währungsrisiken sind entweder vollständig abgesichert (z.B. japanische Aktienposition) bzw. werden auf dem Niveau gehalten, das sich aus den jeweiligen Anlagepositionen ergibt (Emerging-Markets-Allokationen). Wir halten zudem fest, dass wir im Laufe der vergangenen Monate unsere Exponierung gegenüber dem japanischen Yen in zwei Schritten vollständig aufgelöst haben – d.h. nach den Yen-Stärkephasen im Nachgang der Brexit-Abstimmung im Juni und der US-Wahlen im November.

Quelle: AdvisorWorld.ch