LGT: Trump-Rallye ist glaubwürdig, aber kurzfristig ausgereizt

Die Finanzmärkte haben den Wahlsieg Donald Trumps positiv aufgenommen und insbesondere für die USA sofort höhere künftige Inflations- und Wachstumsraten eingepreist. Diese Erstreaktion ist ökonomisch nachvollziehbar und weitgehend im Einklang mit unserer Positionierung. Die scharfe Korrektur der Emerging-Markets-Börsen nach der US-Wahl erscheint uns allerdings übertrieben….

 

Von Mikio Kumada, CIIA bei LGT Capital Partners


Seit dem Ende des zweiten Weltkriegs sind die US-Staatsausgaben unter republikanischen Präsidenten in der Regel stärker gestiegen, als unter demokratischen. Das zeigen langfristige Datenreihen. Sarkastisch ausgedrückt scheinen die Republikaner im Kongress nur dann sparfreudig zu sein, wenn es darum geht, die Pläne der Demokraten zu durchkreuzen. Trumps grandioses Wahlversprechen, doppelt so viel wie seine Konkurrentin in die Infrastruktur investieren zu wollen, ist daher grundsätzlich glaubwürdig.

Dazu kommt, dass der US-Dollar stark ist und die Zinsen immer noch auf sehr tiefen Niveaus verharren. Selbst nach dem jüngsten Anstieg notiert der zehnjährige Zinssatz von US-Treasuries schliesslich lediglich auf dem Niveau vom Dezember 2015, dem Zeitpunkt der bisher ersten und einzigen Leitzinserhöhung der Federal Reserve. Liquide, risikoarme Anleihen sind aufgrund der weltweit grosszügigen Anleihekäufe der Notenbanken derzeit eher knapp. Die US-Regierung ist also nicht nur willens, sich im grossen Stil in der eigenen Währung zu verschulden, auch die Marktbedingungen dafür sind günstig. Als Trumps erste öffentliche Kommentare nach der Wahl deutlich versöhnlicher klangen als während des Wahlkampfs, atmeten die Märkte sofort erleichtert auf. Konkret dürfen wir aus folgenden Gründen tatsächlich mit höheren Haushaltsdefiziten und damit – fürs Erste – auch mit mehr Wachstum und Inflation rechnen:

  • Entscheidungsfreudige und handlungsfähige Regierung: Im Kongress gibt es klare Mehrheitsverhältnisse. Zumindest bis zu den nächsten Wahlen in zwei Jahren ist den Republikanern die Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus gesichert.
  • Protektionismus: Während des Wahlkampfs kritisierte Trump existierende und geplante Handelsabkommen und drohte China, Mexiko und anderen Ländern mit Zöllen. Kommentare aus dem Umfeld Trumps lassen jedoch inzwischen vermuten, dass der neue Präsident letztlich pragmatisch vorgehen dürfte.
  • Steuersenkungen: Trump will sowohl Unternehmenssteuern als auch Einkommens- und Lohnsteuern senken und die steuergünstige Repatriierung von im Ausland gehaltenen Firmengewinnen bewerkstelligen. Diese Pläne wirken realistisch, weil es Präzedenzfälle gibt und sie in weiten Teilen mit den Vorstellungen der Republikaner im Kongress kompatibel sind.
  • Staats- und Militärausgaben: Trump hat im Wahlkampf Investitionen von 1 Billion USD über 10 Jahre in den Raum gestellt. Auch wenn das Programm am Ende doch bescheidener ausfallen sollte, gelten öffentliche Investitionen nun als wichtiger Teil der Konjunkturpolitik, was grundsätzlich wachstumsfreundlich ist. Die Rüstungsausgaben sollen ebenfalls steigen.
  • Inflationstolerante Notenbank: Die fiskalpolitischen Pläne könnten kurz- bis mittelfristig umso wirksamer ausfallen, je länger die Fed bei ihrer zögerlichen Zinserhöhungspolitik bleibt. Ohne den Ausblick auf grosszügige Haushaltsdefizite weckte allein schon die Ankündigung von Zinserhöhungen in den letzten Jahren immer wieder deflationäre Gespenster. Unter der Annahme, dass Trumps Pläne verwirklicht werden, wirkt die derzeitige Haltung der Fed hingegen zu wenig streng.

Zu hohe Erwartungen sind trotzdem fehl am Platz
Schlussendlich kann Trumps Wahlsieg als eine überraschende Lockerung der monetären Bedingungen aufgefasst werden, welche Aktien und Inflationserwartungen einen entsprechenden zusätzlichen Auftrieb gewährte. Zugleich wurde aber insbesondere mit dem starken Anstieg des USD und der US-Marktzinsen nach dem Wahltag ein Teil dieser Lockerung vorerst ausgeglichen. Wir warnen daher davor, in der aktuellen Situation den Märkten hinterherzulaufen. Stattdessen erscheint uns insbesondere in den Emerging Markets ein antizyklisches Verhalten im Rahmen unserer vor den Wahlen bestimmten taktischen Aktienquoten als angemessen.
 
Marktreaktion bestätigt den bereits vor den Wahlen aufgehellten Ausblick
Vor zwei Wochen erinnerten wir an dieser Stelle daran, dass die Wachstumsdynamik in den USA und die vorauslaufenden Konjunkturindikatoren auf globaler Ebene bereits seit mehreren Monaten nach oben zeigen und sich kurz vor den US-Wahlen nochmals teilweise sehr deutlich aufgehellt hatten. Heute fokussieren wir uns auf die Marktreaktionen seit dem 8. November (Wahltag) und die damit verbundenen Erwartungen für Inflation und Wachstum. Das Fazit vorweg: Die Märkte dürften ihre Erwartungen nun weitgehend nach oben korrigiert haben, nachdem sie vor der Wahl die Aufhellung teilweise ignorierten.
 
Höhere Inflationserwartungen und Zinsen
Am eindrücklichsten war sicherlich die Reaktion der Zinsmärkte. Die Differenz zwischen der Rendite der dreissigjährigen und der zweijährigen US-Staatsanleihen hat deutlich nach oben ausgeschlagen (Charts links oben im PDF). Die aus den Zinsmärkten ablesbaren Inflationserwartungen (z.B. USD-Inflationsswaps, Chart rechts oben im PDF) sind ebenfalls deutlich angestiegen. Der Markt geht also davon aus, dass die Inflation mittel- bis längerfristig nun doch etwas höher ausfallen dürfte, als noch vor wenigen Monaten angenommen. Zugleich ist aber erwähnenswert, dass die Inflationserwartungen schon seit Sommer nach oben tendieren und die aktuellen Niveaus in beiden Fällen immer noch in etwa jenen vor eineinhalb Jahren entsprechen – also kurz vor der ersten Zinserhöhung der Fed.

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Höhere Wachstumserwartungen und Aktienkurse
Der S&P 500 notiert wieder auf neuen Rekordhochs (Chart links unten im PDF). Bemerkenswert ist, dass der von zyklischen Werten dominierte Dow Jones Transportation Index (Chart rechts unten im PDF) doppelt so stark gestiegen ist. Auch hier gilt jedoch, dass der Transportindex schon seit einigen Monaten den Gesamtmarkt schlägt und immer noch in etwa auf dem Niveau vom Mai 2015 notiert.
 

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Neubewertung der Gesamtpositionierung in den kommenden Wochen
Im Dezember werden wir unsere systematische dreimonatliche Überprüfung der taktischen Anlageallokation vornehmen und gegebenenfalls Neubeurteilungen beschliessen. Grundsätzlich denken wir aber, dass die jüngsten Ausschläge im Wesentlichen bereits existierende Trends bestätigten. Eine erste Ausnahme ist der japanische Yen: In Kombination mit den geldpolitischen Anpassungen der Bank of Japan vom September dürfte mit dem US-Wahlergebnis die Stärkephase des Yen endgültig beendet worden sein. Wir haben daher unserer Yen-Übergewicht im Laufe der vergangenen Wochen sukzessive weiter abgebaut. Unsere Position in japanischen Aktien, welche seit einigen Wochen wieder eine entsprechende Stärke zeigen, ist grundsätzlich immer gegen Währungsschwankungen abgesichert und bleibt vorerst unverändert.

Quelle: AdvisorWorld.ch