LGT: Weltweite Rückkehr zum synchronen Wachstum

Die globalen Makrotrends bleiben positiv und verweisen erstmals seit Jahren auf ein konvergierendes Weltwirtschaftswachstum…..

 

Von Mikio Kumada, CIIA bei LGT Capital Partners


Auch daher zeigen die Börsen Europas und der Schwellenländer immer häufiger relative Stärke. Diese fundamentale Entwicklung bewegt die Anleger dazu, rein «technische» Korrekturwarnungen zu ignorieren. Das dürfte die Kurse auf Sicht weiter höher treiben.  

Am vergangenen Mittwoch haben wir im Zuge unserer jüngsten monatlichen Strategieüberprüfung unsere aktuelle Markteinschätzung erneut bestätigt. Die Diskussionen waren im Detail zwar nuanciert, die Konklusion des Strategieteams war aber klar:    

Das Aktienübergewicht bleibt unverändert, wobei die taktische Präferenz der Industrieländer wie bisher durch eine vergleichsweise hohe strategische Neutralquote in den Emerging Markets (EM) ergänzt wird – derzeit sehr zum Vorteil unserer Investoren.

Auch die klare Untergewichtung von Anleihen bleibt bestehen: Traditionelle Staatsanleihen werden praktisch im mindestmöglichen Rahmen gehalten, während alle anderen Kategorien von höher verzinslichen und alternativen Kreditinstrumenten neutral oder knapp unter den strategischen Quoten gewichtet werden.

Der US-Dollar bleibt unsere präferierte Währung.

Positives makroökonomisches Umfeld bleibt bestehen

Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für die verarbeitende Industrie erreichten in Europa und Japan neue mehrjährige Hochs, während sie in den USA, China und den EM im Februar leicht zurückfielen. Allerdings bleiben diese vorauslaufenden Konjunkturindikatoren überall klar auf Wachstum eingestellt, während die vorläufigen Schätzungen für März («Flash PMI») für China und die EM inzwischen schon wieder nach oben zeigen.

Auch die zurückblickenden Daten hellten sich generell weiter auf. Bemerkenswert waren die Inflationsimpulse: Die herkömmlichen Inflationsindizes näherten sich im Euroraum und China den Zielwerten an, in den USA und in Grossbritannien wurden diese teilweise sogar übersprungen. Entsprechend kam es zu Spekulationen über vorgezogene geldpolitische Wenden, wovon die USA natürlich am unmittelbarsten betroffen ist: Hier rechnet der Markt inzwischen mit einer 25 Basispunkte-Zinserhöhung am kommenden Mittwoch.

Die wohldosierte Haltung der Notenbanken unterstützt die Hausse

Mit dieser stetigen Konjunkturaufhellung lässt auch die Urangst der Märkte vor Zinserhöhungen nach. Die Ölpreisrallye vom ersten Halbjahr 2016 und der zunehmende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften haben die normalen Inflationsindizes zuletzt belebt, während die konjunkturpolitischen Pläne der neuen US-Regierung die Inflationserwartungen zusätzlich nach oben getrieben haben.

Wichtig ist, dass sich diesmal keine Notenbank davon zu einer übermässig strengen Wende verleiten hat lassen. Stattdessen ist es der Geldpolitik weltweit gelungen, das richtige Gleichgewicht zwischen Wachstumsfreundlichkeit und Inflationsbekämpfung zu finden. So blieben die Marktkorrekturen seit Dezember sehr kurz und flach (mit Ausnahme Brasiliens und Russlands, deren Börsen 2016 allerdings besonders hohe spekulative Kursgewinne in USD von 66% bzw. 55% verbucht hatten). Die Anleiherenditen bewegten sich weitgehend seitwärts, während sich der USD seit Februar wieder von seiner Schwächephase im Januar erholt.

In diesem Kontext sollte dem genauen Zeitpunkt der nächsten US-Zinserhöhung keine allzu grosse Bedeutung beigemessen werden. Erstens haben sich die mittelfristigen Markterwartungen wenig geändert. Die Marktteilnehmer rechnen nach wie vor mit etwa drei Zinserhöhungen bis nächsten März. Zweitens notieren die Kerninflationsraten weltweit weiterhin träge unter den Zielwerten, während die kurzfristigen Zinsschritterwartungen extrem schwanken können. Was wirklich zählt ist, dass der globale Policy-Mix weiterhin so kalibriert bleibt, um mehr Wachstum ohne nachhaltige Inflationsrisiken ermöglichen zu können.

Synchrone globale Aufhellung

In den ersten zwei Grafiken zeigen wir die von der Firma Markit und ihren jeweiligen regionalen Partnern weltweit erstellten Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das verarbeitende Gewerbe. Im Mai 2016 kehrten China und die Schwellenländer in den Wachstumsbereich zurück (d.h. ihre PMIs übersprangen die 50-Punktemarke). Seitdem tendieren alle Indizes synchron nach oben. Angesichts dieser gut ausgeprägten Entwicklung hat die Fed sicherlich Raum, um im Laufe des Jahres ihre Zinserhöhungspläne entsprechend zu beschleunigen, nachdem seit Dezember 2015 nur zwei Zinserhöhungen beschlossen wurden (um je 25 Basispunkte).

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Die zugrundeliegende Inflationsentwicklung bleibt zahm

Nachfolgend illustrieren wir am Beispiel des Euroraums den Unterschied zwischen den herkömmlichen Verbraucherpreisindizes (VBI) und den zugrundeliegenden Inflationstrends («Kerninflation»). Nach den zahlreichen geldpolitischen Interventionen seit Ende 2015 steigen die VBI in Europa und den anderen Ländern ab Mitte 2016 stetig an. Im Januar und Februar dieses Jahres fiel der Anstieg besonders deutlich aus, primär aufgrund der im Vergleich zum Jahresbeginn 2016 fast doppelt so hohen Rohölpreise.

Da die Rohölpreise ab Mitte 2016 aber seitwärts bis nur leicht höher tendieren, wird dieser inflationäre Basiseffekt in den kommenden Monaten abklingen. Dieser Sachverhalt findet in der sogenannten Kerninflationsrate Ausdruck : Die zugrundeliegende Inflationsentwicklung hat sich zwar von den Tiefständen der letzten Jahre gelöst, bewegt sich aber insgesamt weiter träge auf tiefem Niveau. Die Notwendigkeit von akuten geldpolitischen Gegenmassnahmen wird dadurch stark relativiert. Diese Grundsituation gilt übrigens für alle grossen Volkswirtschaften, einschliesslich Grossbritanniens.  

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Zum ersten Mal in zehn Jahren wachsen alle Euroländer wieder  

Abschliessend zeigen wir auf der nachfolgenden Seite die konjunkturelle Synchron-Erholung in Europa. Im vergangenen Jahr wiesen alle Mitglieder der Europäischen Union erstmals seit 2006 wieder ein positives Realwachstum aus und der Konsens erwartet, dass diese Situation auch in den nächsten Jahren anhalten wird. Die Tatsache, dass die Wachstumsschätzungen für 2017 und 2018 realistisch tief bleiben, bereitet uns grundsätzlich keine Sorgen – im Gegenteil: Angesichts der aktuellen Makro- und Markttrends und des globalen Policy-Mix stehen nämlich die Chancen nicht schlecht, dass diese Erwartungen zukünftig steigen werden.  

 

Quelle: AdvisorWorld.ch