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Lyxor : Geringeres Alpha im ersten Quartal, L/S-Equity-Strategie stützt sich auf Beta

Lyxor :  Im bisherigen Jahresverlauf war eine komplexe Abfolge von Sektor- und Faktorrotationen zu beobachten.

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Von Jean-Baptiste Berthon Senior Strategist (Photo) – Philippe Ferreira Senior Strategist – Pierre Carreyn Hedge Fund Analyst


Sie waren zahlreich und in keiner Weise synchron. Bei den meisten quantitativen Faktoren stieg die Volatilität erheblich an, insbesondere bei Substanz- gegenüber Wachstumswerten und zyklischen gegenüber defensiven Werten. Im Übrigen sind Faktoren und Leitsektoren als Erklärung für diese Rotationen unzureichend. Themen und Teilbereiche waren stattdessen häufig von entscheidenderer Bedeutung. An dieser Stelle nehmen wir die komplexen und zielgerichteten Rotationen unter die Lupe, die sich im Laufe des ersten Quartals entwickelten (mit Schwerpunkt auf den amerikanischen L/S-Equity-Strategien).

Rotationen im Januar: Unterbrechung der globalen Erholung durch Gewinnmitnahmen zum Monatsende.

Das Jahr begann damit, dass sich die Demokraten im US-Kongress eine knappe Mehrheit sicherten. Dies reichte aus, um hohe Reflationserwartungen zu schüren und die Impfkampagnen ins Rollen zu bringen. Gemeinsam mit Value-Aktien und Small Caps dominierten die Titel, die empfänglich für die globale Erholung waren. Gewinnmitnahmen am Ende des Monats machten jedoch Wertzuwächse bei Value-Titeln ebenso zunichte wie bei den am stärksten unter der Pandemie leidenden Aktien. Eine Ausnahme bildete der Energiesektor. Die Manager verringerten ihr Brutto-Exposure, behielten jedoch ihre Nettopositionen bei und erhöhten zugleich ihre Allokation in zyklische Werte. Beim Alpha wurde ein leicht negativer Wert verzeichnet, was in erster Linie auf Verluste bei den Short-Positionen zurückzuführen ist.

Rotationen im Februar: Reflationsdynamik und Ölpreisrally, erschüttert durch Handelsanomalien und US-Zinsvolatilität.

Die Verabschiedung eines 1,9 Billionen USD schweren Konjunkturpakets löste eine Rotation hin zu Value-, zyklischen und der Pandemie besonders stark ausgesetzten Aktien aus. Die führenden Themen verlagerten sich – aufgrund der Sorgen betreffend die Erholung in Europa und die geringeren Anreize in China – von der globalen Erholung auf die Reflation der inländischen Wirtschaft, steigende Renditen und auf jene Aktien, die wahrscheinlich am schnellsten wieder in die Höhe schießen. Auf Branchenebene konzentrierte sich die Rally auf Finanzen und Energie. Aktien, die anfällig für höhere Steuern sind, gaben hingegen nach. Darüber hinaus wurde das Alpha aus Short-Positionen durch intensive Short Squeezes gedämpft, die Gruppen von Privatinvestoren Ende Januar vornahmen. Generell wurde vor allem in der zweiten Monatshälfte ein negativer Alpha-Wert verzeichnet, ausgelöst durch Faktorexposure, Market-Timing und Short-Positionen.

Rotationen im März: Rally bei Infrastrukturausgaben und Zinsvolatilität.

Anhaltender Optimismus an den Märkten, beflügelt durch die Aussicht auf ein ehrgeiziges Infrastrukturpaket. Es gab jedoch starke Rotationen weg von Momentum, zyklischen und Technologie-Werten sowie Small Caps und hin zu zinssensitiven Segmenten, Infrastrukturausgaben sowie höherem Konsum. Auch Value-Aktien erzielten dank ihrer Zinssensitivität – und nicht aufgrund ihrer Anfälligkeit für die Pandemie – eine Outperformance. Die überdurchschnittliche Wertentwicklung bei Versorgern, Grundstoffen und im Industriesektor spiegelte die Hoffnungen auf umfangreichere Infrastrukturausgaben wider. Zulasten von wachstumsstarken und wachstumsschwachen Technologiewerten rotierte die Tech-Branche wegen unter Druck stehender Lieferketten hin zu Halbleiter-Aktien. Der Alpha-Wert war stark negativ. Diese gezielten Rotationen veranlassten die Manager dazu, einige ihrer Übergewichtungen in zyklischen und Value-Werten zugunsten eines starken, aber ausgewogeneren Marktexposures aufzuheben.

Im ersten Quartal war Alpha ein starker Bremsfaktor. Die positive Wertentwicklung kam überwiegend durch das Beta zustande (die Werte mit dem geringsten Marktexposure hinkten hinterher). Die Komplexität und die Hin- und Her-Bewegungen der Rotationen ließen wenig Raum für nachhaltiges Alpha, ausgenommen Positionierungen mit Buy-and-Hold-Ansätzen und einem Fokus auf Finanz-, Energie- und Industrie- oder reinen Value-Werten. Infolgedessen legte die Streuung bei Fonds stark zu.

Mit einer Tendenz zu zyklischen und Value-Titeln werden die Manager auch künftig ihre optimistische Haltung gegenüber den Märkten beibehalten, allerdings in einer vorsichtigeren und ausgewogeneren Weise.

Das Vertrauen scheint vorübergehend nachgelassen zu haben. Angesichts der fehlerhaften Entwicklungen in Bezug auf das Coronavirus und die Impfkampagnen, der anhaltenden Zinsvolatilität und der Unsicherheiten bezüglich den endgültigen Infrastrukturausgaben sowie der Steuerpolitik steht schließlich zu befürchten, dass die Rotationen noch nicht beendet sind. Faktor- bzw. Sektorarbitrage scheint dabei weniger im Mittelpunkt zu stehen als die Einzeltitelauswahl.

Quelle: AdvisorWorld