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Lyxor : Setzen l/s-Equity-Strategien auf die erholung in Europa?

Lyxor :  Die Konjunkturaussichten in Europa verbessern sich deutlich.

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Von Jean-Baptiste Berthon Senior Strategist (Photo) – Philippe Ferreira Senior Strategist – Pierre Carreyn Hedge Fund Analyst


Die neue Welle von Virusinfektionen seit dem Spätherbst 2020 führte zu verschärften Mobilitätseinschränkungen, wodurch sich die europäische Erholung verzögerte. Hochfrequenzindikatoren deuten auf einen rund 20%igen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität gegenüber dem normalen Niveau im ersten Quartal hin. Durch Konjunkturpakete und eine besonders lockere Geldpolitik gelang es jedoch, die Auswirkungen auf Haushaltseinkommen und Unternehmensgewinne zu begrenzen, was sich an einer gleichbleibenden Arbeitslosigkeit und einer starken Berichtssaison zeigte. Aufgrund des Rückgangs der Virusinfektionen werden die Restriktionen schrittweise aufgehoben. Nach einem mühseligen Start hat sich der Ankauf und die Verteilung von Impfstoffdosen erheblich beschleunigt, was der Region ermöglicht, den Rückstand gegenüber Ländern wie Großbritannien und den USA teilweise wieder aufzuholen. Jetzt hinkt die Region zwei bis drei Monate – nicht Quartale – hinterher. Das lässt darauf schließen, dass eine allgemeine Wiederbelebung der Wirtschaft in Sicht ist und die Binnennachfrage dem Wachstum in der zweiten Jahreshälfte einen kräftigen Schub verleihen wird. Zudem wird das bedeutende Exposure Europas gegenüber dem globalen Konjunkturzyklus einen positiven Beitrag leisten. Insbesondere scheint Europa gut aufgestellt zu sein, um von den reflationären Massnahmen der USA zu profitieren. Auch für einige der postpandemischen langfristigen Trends bei grünen Investitionen scheint Europa gut gerüstet zu sein; doch wird es schwieriger sein, die Digitalisierung zu meistern. Eine wesentliche Herausforderung für Europa wird der Umgang mit der wirtschaftlichen Kluft zwischen Nord- und Südeuropa sein. Angesichts niedriger Finanzierungskosten, nach wie vor tragbarer Bewertungen, mehr wirtschaftlicher Stabilität und einem Turnaround bei zahlreichen Unternehmen werden sich die Unternehmensaktivitäten in Europa wohl beschleunigen und für Impulse sorgen.

Wir stellen fest, dass diversifizierte L/S-Equity-Manager mit Fokus auf Europa vorsichtig optimistischer werden. Insgesamt liegen ihre Netto-Exposures mit begrenzten Short-Positionen noch immer fast auf historischen Höchstständen, wenngleich sie sich bei der Erhöhung des Leverage zurückhalten. Sie hatten bereits Umschichtungen in Aktien vorgenommen, die auf eine wirtschaftliche Wiedereröffnung sensibel reagieren. Jetzt beginnen sie allmählich mit riskanteren Investitionen, lassen aber weiterhin die am härtesten getroffenen Unternehmen in den Bereichen Luftfahrt, Gastgewerbe, Einzelhandel oder Dienstleistungen aus. In den letzten Tagen bevorzugten sie zyklische Positionen wie Industrietitel, Grundstoffe und Finanzwerte ein wenig. Die Portfolios zeigten insgesamt eine leichte Tendenz zu Zyklikern und Wachstumsfaktoren. Da sie jedoch über fortgesetzte Marktrotationen besorgt sind, behalten die Manager in allen Faktoren und Sektoren zunehmend ausgewogene Exposures bei, anstatt sich auf die Einzeltitelauswahl zu konzentrieren. In regionaler Hinsicht verliehen sie Aktien in den europäischen Kernländern (insbesondere Deutschland und Frankreich) und im Vereinigten Königreich zu Lasten der nordischen Märkte mehr Gewicht, die sich in schwierigeren Zeiten als stabiler erwiesen hatten. Ferner gewichteten sie seit Mitte März Unternehmen neu, die sich auf inländische Erträge stützen, und verkauften diejenigen, die von Auslandsumsätzen beeinflusst werden. Der hohe Korrelationsgrad bei den Renditen der Manager und ihre geringe Streuung weisen auf eine recht homogene Haltung in Bezug auf die Erholung in Europa hin.

Wildcards und einige Fehlstarts der europäischen Wirtschaft lassen Manager noch in zurückhaltendem Optimismus verharren. Überdies sind sie besorgt, dass die Vergleichszahlen und Bewertungen der Unternehmen gegen Ende dieses Jahres nach dem anfänglichen Höhenflug schwieriger zu schlagen sein werden. Manche von ihnen verzeichneten außerdem seit Jahresbeginn solide Renditen und ziehen es vor, sich diese zu sichern. Nach einem enttäuschenden ersten Quartal verbesserte sich das Alpha seit April, vor allem bei kleineren Fonds, die besser als größere abschnitten, vorwiegend aufgrund eines höheren Markt-Beta.

Quelle: AdvisorWorld