M&G : Snap (Election) Chat: Weshalb das Ignorieren japanischer Aktien das wahre Risiko sein könnte

Über die vergangenen fünf Jahre haben zehnjährige US-amerikanische Staatsanleihen Anlegern einen realen Ertrag von 0 eingebracht, gleichzeitig stieg der US-Aktienmarkt um 87%……

von


Letzte Woche kündigte der japanische Premierminister Shinzo Abe vorgezogene Neuwahlen an und versucht damit, sich die über den Sommer stärker gewordene Unterstützung der Öffentlichkeit zunutze zu machen, nachdem sich die Problematik mit Nordkorea verschärfte. Sollte ihm das Wahlergebnis eine größere Mehrheit bringen, hat er mehr Freiraum für das weitere Vorgehen mit seinem Wirtschaftsplan. Da uns allen die Wahlerfahrung Großbritanniens vom Juni noch frisch im Gedächtnis ist, fühlt sich diese Vorgehensweise wie ein gefährliches Glücksspiel an.

Nach den „verlorenen Jahrzehnten“ bei der Ertragsgenerierung am japanischen Aktienmarkt (siehe Abb. 1) könnten Anleger der Auffassung sein, dass die Opportunitätskosten für das Vermeiden einer solchen Position minimal wären, insbesondere inmitten der erhöhten politischen Unsicherheiten.

 

Allerdings sieht der japanische Aktienmarkt heute aus Perspektive des Bewertungsniveaus deutlich anders aus als früher. Eine Gewinnrendite von 7% (verglichen mit weniger als 2% im Jahr 1994) bietet attraktive potenzielle Erträge, und zwar sowohl auf absoluter Basis als auch im Verhältnis zum MSCI World. Gleichzeitig zählt die Aktienrisikoprämie zu den attraktivsten am Markt.

Im Sommer sprach Johan du Preez beim Equities Forum von M&G darüber, dass die Erfahrungen der Vergangenheit nicht unser Urteilsvermögen über den japanischen Markt von heute trüben sollten. Da also ein überzeugendes Bewertungsniveau zu den Tatsachen zählt, sollten wir einen Schritt von den politischen Störgeräuschen zurücktreten und einige der wichtigsten gesamtwirtschaftlichen Themen hervorheben.

Das Wirtschaftliche Umfeld

Die Staatsverschuldung ist zwar nach wie vor hoch, wie Eric Lonergan in einem vorherigen Blog-Artikel aber bereits beschrieb, hält die Bank of Japan einen großen Teil der ausstehenden staatlichen Schuldverschreibungen (etwa 40%), was nahelegt, dass das Problem häufig überbewertet wird.

Gleichzeitig stabilisierte sich das BIP-Wachstum bei etwa 1,4% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wobei vor allem der Konsum und das Investitionswachstum in den letzten Quartalen einen positiven Beitrag leisteten. Das Verbrauchervertrauen der privaten Haushalte hat sich verbessert und die Einzelhandelsumsätze weisen seit elf Monaten in Folge ein positives Wachstum auf. Des Weiteren kann man in Japan seit 2009 einen starken und kontinuierlichen Rückgang der Arbeitslosenquote auf nur noch 2,8%, bei einer gleichzeitig steigenden Erwerbsquote (vor allem aufgrund einer gestiegenen Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt), beobachten (Stand Juli 2017).

Ein wichtiger Punkt aus Perspektive des Aktienmarkts ist die anhaltend besser werdende Ertragslage der Unternehmen, und zwar so deutlich, dass die zuletzt erreichten Ergebnisse des Gewinns je Aktie über den Erwartungen der Analysten von vor zwölf Monaten lagen.

Laut der Tankan-Umfrage zur Lage der Unternehmen (aktuell und Prognose) tendiert auch das Geschäftsklima in Richtung eines positiven und besser werdenden Umfelds für Unternehmen.

Unternehmerisches Handeln

Auch die Corporate Governance könnte eine interessante Rolle beim Freisetzen von zukünftig weiterem Wertpotenzial spielen. Mit der Veröffentlichung von „Japans Stewardship Code“ durch den Minister für Finanzdienstleistungen im Februar 2014 legte die Regierung neue Standards für die Verantwortung institutioneller Investoren fest.

Damit wird das Ziel verfolgt, dass institutionelle Investoren (sowohl Vermögensverwalter direkt als auch Vermögenswertbesitzer indirekt) mit den Unternehmen, in die sie investieren, in einen Dialog treten, um ein nachhaltiges und langfristig orientiertes Wachstum zu fördern. Dies dürfte die ESG-Standards auf Unternehmensebene mit der Zeit verbessern und vor allem die Nutzung komplizierter Überkreuzbeteiligungsstrukturen reduzieren, von denen immer noch einige japanische Unternehmen geprägt sind.

Auch wenn der Erfolg der „Abenomics“ umstritten sein dürfte, scheint Japans Wirtschaft auf dem richtigen Weg zu sein, und das gesamtwirtschaftliche Bild offenbart ein künftig freundliches Umfeld für japanische Unternehmen. Diese Tatsache, in Kombination mit den attraktiven Bewertungen, lässt japanische Aktien mittelfristig zu einer interessanten Investition werden. Die politische Landschaft könnte komplizierter werden und ein gewisses Maß an Unsicherheit an den Markt tragen, dies könnte jedoch wiederum für zusätzliche Chancen sorgen.

Source: AdvisorWorld