Natixis Global Asset Management: Grosser Appetit auf Gewinne, kleiner Magen für Risiken: Erfüllen Indexfonds Erwartungen der Schweizer Anleger?

Natixis Global Asset Management hat die Ergebnisse seiner Studie “Global Individual Investor Survey” 2017 veröffentlicht. Zwischen Februar und März 2017 wurden insgesamt 8300 Privatanleger in 26 Ländern Asiens, Europas (davon 400 in der Schweiz), Nord- und Südamerikas sowie des Nahen Ostens befragt….... 

Timo H. Paul, Managing Director von Natixis Global Asset Management


Hier die wichtigsten Ergebnisse:

Passive Indexfonds können die Zielsetzungen der Anleger nicht erfüllen. Schweizer Anleger erklären, dass sie Renditen von 8,7 % nach Inflation brauchen, um ihre Zielsetzungen zu erreichen, während zahlreiche Experten bei vielen Marktindizes mit Renditen im niedrigen einstelligen Bereich rechnen.  

Die Entscheidung der Anleger für Indexfonds ist nicht unbedingt mit ihrem starken Wunsch nach ESG-Anlagen vereinbar. 82 % der Schweizer Anleger wünschen, dass ihre Anlagen ihre persönlichen Werte spiegeln, doch nur 51 % sind der Meinung, dass Indexfonds die entsprechenden Unternehmen enthalten.

“Closet Indexer” schädigen das Vertrauen in das Fondsgeschäft. 72 % der Anleger erwarten wirklich aktive Fondsmanager, doch fast genauso viele (66 %) glauben, dass viele Manager Gebühren für aktives Management berechnen, tatsächlich aber nur einen Index abbilden. 

Wenn es um Anlageentscheidungen geht, vertrauen die Anleger ihren Finanzberatern (75 %) mehr als engen Freunden oder Familienangehörigen (54 %), Finanzmedien (59 %) oder sozialen Medien (32 %). 

Mehr als zwei Drittel der weltweiten Anleger fühlen sich in finanzieller Hinsicht sicher; starke Kursgewinne ermutigen sie, weitere Anlagerisiken einzugehen. Dennoch reichen die Rekordhöhen und die historisch ruhige Lage des letzten Jahres nicht aus, um ihnen die Angst vor Verlusten zu nehmen. Die Anleger haben eine Auffassung vom Risiko, bei der offenbar der Verlust von Kapital im Vordergrund steht und nicht gute Anlagemöglichkeiten.

Ausserdem verdeutlicht die Studie von Natixis, dass viele Anleger nicht genau wissen, was bestimmte – selbst grundlegende – Begriffe beinhalten wie z.B. Indexinvestment. Hier ist mehr Klarheit gefordert. Obwohl 72 % der Schweizer Anleger weiterhin angeben, dass ihnen Sicherheit wichtiger ist als Performance, erklären sie gleichzeitig, dass sie eine Rendite von 8,7 % nach Inflation benötigen. In einer Zeit, in der viele Experten langfristig niedrige einstellige Renditen voraussagen, werden die Anleger wohl ihre Strategie überdenken und sich wirklich aktiven Managern zuwenden müssen, die Outperformance gegenüber den Marktbenchmarks mittels erhöhter Sicherheitskriterien anstreben.

Skeptische Schweizer Anleger wissen guten Rat zu schätzen

40 % der Anleger finden, dass die Vermögensverwaltungsbranche ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Doch sie brauchen mehr Gewissheit darüber, dass diese Firmen die Anlegerinteressen optimal wahren. Für diese Skepsis sind zum Teil die “Closet Indexer” verantwortlich, also Firmen, die vorgeben, ihre Fonds aktiv zu verwalten und dafür Gebühren berechnen, tatsächlich aber Portfolios aufbauen, die Benchmarks folgen. 73 % der Schweizer Anleger sagen, dass sie von ihren Investmentfonds Portfolios erwarten, die sich signifikant von ihren Benchmarks unterscheiden. Aber 76 % glauben, dass viele Manager, die Gebühren für aktive Verwaltung berechnen, nur einen Index abbilden. Bei der Natixis-Studie des vergangenen Jahres* nannten 57 % der institutionellen Manager und 43 % der Finanzberater den hohen Anteil der “Closet Indexer” als Grund dafür, dass sie passive Strategien vorzogen.

Verzerrte Wahrnehmung weit verbreitet

Zudem zeigte die Studie auf, dass weiterhin Irrtümer über Indexanlagen bestehen. So glauben 55 % der Schweizer Anleger fälschlicherweise, dass Indexfonds weniger riskant sind und 58 %, dass sie Verluste gering halten konnten, obwohl diese Fonds Aufwärts- wie Abwärtstrends der zugrundeliegenden Märkte abbilden und kein “eingebautes” Risikomanagement bieten. 75 % der Institutionen* weltweit erklärten, die Anleger hätten eine “falsche Wahrnehmung der Sicherheit” von passivem Investment. Auf die Frage nach den Stärken des aktiven im Vergleich zum passiven Investment waren die institutionellen Anleger überzeugt, aktive Anlagen seien besser geeignet, um Alpha zu generieren (86 %), um risikogewichtete Rendite zu generieren (64 %), um Zugang zu günstigen Schwellenmarktanlagen zu erhalten (76 %) und um ESG-Anlagen zu tätigen (75 %). Dagegen wird passives Anlagemanagement vor allem als Mittel betrachtet, um Verwaltungsgebühren zu sparen. 

Diese Unterschiede in der Wahrnehmung spiegeln die Herausforderungen, mit denen Privatanleger konfrontiert werden. Die gute Nachricht: die Anleger suchen letztlich Unterstützung bei Finanzberatern: 59 % der Schweizer Anleger nehmen Finanzberatung in Anspruch, und 52 % sind überzeugt, dass sie einen Fachmann brauchen, um die besten Anlagemöglichkeiten aufzuspüren. 

“Die Anleger vermittelten uns bei dieser Umfrage klar und deutlich, dass sie Beratung benötigen, dass sie nicht genau wissen, was passives Investment bedeutet, und dass sie sich Transparenz sowie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis wünschen,” erklärte Timo H. Paul, Managing Director von Natixis Global Asset Management. “Privatanleger neigen dazu, Indexfonds Vorteile zuzuschreiben, die sie hinsichtlich der Risikokontrolle nicht immer bieten. Dagegen kann wirklich aktives Management zur Risikooptimierung und langfristigen Generierung von  Alpha beitragen.”

Die Nachfrage nach ESG-Anlagen steigt bei Privatanlegern, doch sie ist nicht unbedingt mit passivem Indexinvestment vereinbar.

Über 80 % der Schweizer Anleger äussern den Wunsch, dass ihre Anlagen ihre persönlichen Werte spiegeln und dass hohe Massstäbe bei den Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) angelegt werden. 77 % legen Wert darauf, in Unternehmen mit ethischen Managementregeln zu investieren, und 65 % finden es wichtig, in Firmen mit positiven Sozial- oder Umweltbilanzen zu investieren. 

Doch der Wunsch nach Anlagen, die stärker mit der persönlichen Einstellung in Einklang stehen, lässt sich nur schwer rationalisieren, wenn der Anleger allein auf traditionelle passive Indexfonds zugreift, denn viele beliebte Indizes enthalten Hunderte Unternehmen, die ungeachtet ihres sozialen oder ethischen Verhaltens ausgewählt werden. Nur 49 % der Schweizer Anleger erklären, dass Indexfonds Unternehmen enthalten, die ihre persönlichen Werte spiegeln.

In der Schweiz ist das Interesse der Anleger an alternativen Strategien grösser als anderswo

Die Studie ergab, dass die Anleger weltweit bereit sind, stärker auf alternative Strategien zu setzen als bisher. Dies gilt auch für die Schweiz, wobei dieses Interesse an Alternativen in diesem Land sogar noch stärker ist als anderswo. 

Mehr als zwei Drittel der Schweizer Privatanleger (71 %) sind bereit, in andere Anlagen zu investieren als Aktien und Anleihen. Nur 53 % (gegenüber 66 % weltweit) halten alternative Investments für riskanter als traditionelle Anlageformen, und nur 40 % (gegenüber 60 % weltweit) beurteilen alternative Anlageformen als zu kompliziert.

«Der Finanzindustrie  insgesamt kommt eine wichtige Rolle der Unterstützung der Anleger zu, damit sie wohl durchdachte langfristige Anlageentscheidungen treffen und alle verfügbaren Investmentstrategien sinnvoll nutzen. Es ist ermutigend, bei den Anlegern ein verstärktes Interesse an ESG- und alternativen Lösungen festzustellen; doch um diese Strategien optimal zu nutzen, brauchen sie neben Wissen und Transparenz auch professionelle Beratung», so Timo H. Paul .

Quelle:  AdvisorWorld