Stucker Jürg Oaklins Switzerland

Oaklins: Corona-Krise trübt Aussichten am Schweizer M&A-Markt ein

In den kommenden sechs bis zwölf Monaten werden die Transaktionen am Schweizer M&A-Markt um einen Drittel sinken.

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Jürg Stucker, Partner, Oaklins Switzerland


Das prognostiziert der jüngste Oaklins M&A Outlook Schweiz.

Der Rückgang wird vor allem mit der unsicheren Konjunkturlage und den erschwerten Finanzierungsbedingungen begründet. Trotzdem ist ein gewisser Akquisitionsappetit erkennbar – besonders auf dem Heimmarkt.

Die Corona-Krise lastet schwer auf dem Schweizer M&A-Markt, prognostiziert der neueste M&A Outlook Schweiz von Oaklins Switzerland.

Für die halbjährlich durchgeführte Studie wurden über hundert M&A-Experten und Entscheidungsträger von börsenkotierten Schweizer Firmen und KMU in unterschiedlichen Branchen befragt. Auf dieser Umfrage basiert der aktuelle Oaklins M&A-Index, welcher die erwartete Entwicklung der M&A-Aktivität mit Beteiligung von Schweizer Unternehmen zeigt. Über alle drei Indikatoren hinweg wird mit einem starken Rückgang von insgesamt beinahe 40 Punkten auf ein neues Tief von 64 Punkten gerechnet (siehe Grafik). Die Gründe für den Abschwung sind rasch aufgezählt: Schweizer Unternehmen haben insgesamt weniger Zuversicht in die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung und sie verschieben ihren strategischen Fokus weg von M&A hin zu Massnahmen zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung. Zudem wird das Finanzierungsumfeld als weniger attraktiv erachtet.

Oaklins M&A-Index: Zuversicht dramatisch eingebrochen

24-06-20 Oaklins

Der Index zeigt die prognostizierte Entwicklung der M&A-Aktivität in den kommenden 6 bis 12 Monaten mit Beteiligung von Schweizer Unternehmen (Umfrageergebnisse in Punkten)

Das aktuelle Marktumfeld bietet aber auch Perspektiven.

Insbesondere Unternehmen, die die Krise erfolgreicher meistern als ihre Mitbewerber, sehen Gelegenheiten, den Marktanteil durch Zukäufe auszuweiten. «Ich denke, die Chancen für Käufer sind im aktuellen Umfeld und mit den gegenwärtig hohen Unsicherheiten in den Märkten eher gestiegen», beurteilt Peter Schildknecht, CEO der CPH Chemie + Papier Holding AG, die Situation. Zudem werden für Gelder, die aktuell zur Krisenbewältigung eingesetzt werden, mittelfristig wieder Anlagemöglichkeiten gesucht werden, erklärt Jürg Stucker, Studienautor und Partner bei Oaklins Switzerland. Im Übrigen haben Anlagen in private Unternehmen auch in der jüngeren Vergangenheit zu überdurchschnittlichen Renditen geführt, weshalb diese Asset-Klasse weiter an Bedeutung gewinnen dürfte. «Die jetzt verschobenen Transaktionen dürften mittelfristig auf den Markt gelangen, womit zu erwarten ist, dass unser M&A-Index in absehbarer Zukunft auch wieder steigen wird», schätzt Stucker die künftige Entwicklung ein. Ausserdem hat Daniel Wüest, CFO Arbonia Group, einen weiteren Treiber für Akquisitionen und Zusammenschlüsse identifiziert und wagt auch gleich eine Prognose: «Eine Zunahme von ‹Notverkäufen› aufgrund eines anspruchsvolleren wirtschaftlichen Umfelds wird die Konsolidierung beschleunigen. Firmen, die organisch und anorganisch wachsen können, werden die Gewinner nach COVID-19 sein.»

Unternehmen rechnen mit Konjunkturabschwung

Die Zuversicht in die wirtschaftliche Entwicklung hat sich in der Schweiz als Folge der Corona-Pandemie deutlich eingetrübt: Während im Januar noch 27% von einer durchschnittlichen bis guten Konjunkturlage ausgingen, rechnen nun 98% mit einer schlechten bis durchschnittlichen Wirtschaftsentwicklung. Dieser drastische Einbruch der Zuversicht wird mit Unsicherheiten über den Zeitpunkt, die Geschwindigkeit und das Ausmass der wirtschaftlichen Erholung nach COVID-19 begründet. Zusätzlich trägt die Angst vor einer Rezession dazu bei, dass die Befragten die wirtschaftliche Grosswetterlage weniger positiv sehen.

Trotzdem ist Hans-Ulrich Müller, Inhaber und Verwaltungsratspräsident der Bernapark AG, überzeugt: «Die kommenden zwölf Monate werden für viele Unternehmen zwar zur Bewährungsprobe. Ich bin aber zuversichtlich, dass der Wirtschaftsplatz Schweiz langfristig an Stärke und Fortschritt gewinnt.» Die aktuelle Krise führt zum notwendigen Druck, innovative Lösungen umzusetzen. Das kann dem Produktionsstandort Schweiz in Zukunft zu mehr Gewicht verhelfen.

Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen im Fokus

Krisenbedingt verschieben Unternehmen nun die strategischen Prioritäten weg von M&A hin zu Massnahmen zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung. Lediglich 55% der befragten Unternehmen gehen davon aus, in den nächsten zwölf Monaten eine Akquisition zu tätigen – ein leicht unterdurchschnittlicher Wert. Sie begründen dies mit einer zunehmenden Fokussierung auf das Kerngeschäft, einem Mangel an Managementkapazitäten und dem Fehlen von attraktiven Akquisitionszielen.

Immerhin rund ein Drittel der befragten Unternehmen stellt keine unmittelbaren Folgen von COVID-19 auf ihre Akquisitionstätigkeiten fest. Besonders in gesättigten Märkten sind Zusammenschlüsse und Zukäufe eine naheliegende Strategie: «Nur so kann der Marktanteil nachhaltig ausgebaut und die notwendige Grösse erreicht werden, um die Skaleneffekte genügend ausschöpfen zu können», sagt Christian Karge, CFO bei der Voigt AG. Mit Blick auf die rückläufige Wirtschaftsleistung in China, die schwindende Produktionskapazität in den USA und unterbrochener Lieferketten rund um den Globus sind auch für Schweizer Unternehmen die Unsicherheiten bezüglich der weltweiten Konjunkturentwicklung erheblich. Als Reaktion auf diese Herausforderungen richten die befragten Unternehmen den Fokus zunehmend auf den Heimmarkt, Deutschland sowie das restliche Europa. 28% der Befragten geben als Akquisitionszielland die Schweiz an, die USA (13%) und China (8%) verlieren als Zielländer an Bedeutung. Die Rückorientierung auf regionale Wirtschaftsräume für M&A-Aktivitäten setzt sich damit fort.

Erschwerte Finanzierung von M&A-Deals 

Das lange Zeit sehr vorteilhafte Finanzierungsumfeld geprägt von hohen verfügbaren Barmitteln und einfachem Zugang zu günstigem Fremdkapital hat sich als Folge der Corona-Pandemie verschlechtert. Schwer wiegt etwa die geringere Verfügbarkeit von Bankkrediten zur Finanzierung von Akquisitionen. Nur gerade 35% der Befragten beurteilen die Verfügbarkeit von Fremdkapital als eher hoch oder hoch – im Januar waren es noch 87%. Und lediglich 32% schätzen die Verfügbarkeit von flüssigen Mitteln, die für Akquisitionen verwendet werden können, als eher hoch oder hoch ein. Anfang Jahr lag dieser Wert noch 27 Prozentpunkte höher.

«Durch den unsicheren wirtschaftlichen Ausblick hat die Bedeutung ausreichender liquider Mittel stark zugenommen», kommentiert Louis Krebser, CEO der Krebser AG, diese Entwicklung. Allerdings erwarten 71% der befragten Unternehmen, dass die Multiples in den nächsten Monaten sinken werden, was Akquisitionen auch bei tieferen Beständen von verfügbaren Mitteln erschwinglicher machen dürfte. «Das aktuelle Umfeld bietet Chancen, strategische Beteiligungen aufzubauen – zu angemesseneren Bewertungen als noch vor einigen Wochen», sagt Steven Neubauer, CEO der Comparis Group.

Quelle: AdvisorWorld.ch