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ODDO BHF: Neue Dimensionen im US-Chinesischen Machtkampf

ODDO BHF : „In der vergangenen Woche forderten die USA die chinesische Regierung auf, das chinesische Konsulat in Houston zu schliessen.

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Der Vorwurf lautet, China würde aus dem Konsulat heraus Industriespionage betreiben, gesetzeswidrig handeln und sich in innere Angelegenheiten einmischen. China zahlt mit gleicher Münze heim; am Montag erhielt das US Aussenministerium die Aufforderung, das amerikanische Konsulat in Chengdu zu schliessen.

Die beiden wirtschaftlichen Grossmächte entzweien sich damit weiter; das Kräftemessen wird nicht mehr rein wirtschaftlich, sondern zuletzt wesentlich politischer ausgetragen. War es Ende letzten Jahres vor allem das hohe bilaterale Handelsbilanzdefizit der USA, dreht sich der Konflikt nun (auch) um das Sicherheitsgesetz und seine Anwendung auf Hongkong, die Corona-Pandemie und wechselseitige Spionage-Vorwürfe.

Der Konflikt zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften geht nicht spurlos an den globalen Märkten vorbei – ob nun politisch, ideologisch oder wirtschaftlich motiviert. Der Stoxx Europe 600 verlor in Reaktion auf die Nachricht von der Schliessung des US-Konsulats 1,4 % und dem S&P 500 wurde durch die Terminmärkte der Ausschlag gegeben, bei Eröffnung 0,1 % zu verlieren.

Die freudigen Marktreaktionen nach dem Abschluss des Phase 1-Abkommens Anfang des Jahres sind mittlerweile Vergangenheit. Das Abkommen sah vor, dass China über einen Zeitraum von zwei Jahren zusätzliche US-Produkte im Wert von 200 Mrd. US$ importieren würde. Bis Mai hätten Güter im Wert von 71,9 Mrd. US$ importiert werden sollen, tatsächlich waren es aber nur 32,7 Mrd. US$ – auch infolge der Corona-Pandemie.

In den letzten Wochen standen die politischen Diskussionen um China im Vordergrund. Einige Beobachter in Washington sehen aber Anzeichen, dass die Veröffentlichung der chinesischen Handelsbilanzzahlen am nächsten Freitag (7.8.) zum Anlass für einen neuen Schlagabtausch genommen werden könnten. Die zu Jahresanfang ins Auge gefassten Verhandlungen über ein Phase 2-Abkommen dürften wohl derzeit kaum Sinn machen.

Sollte der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag ungünstig ausfallen, könnten in der kommenden Woche zwei Faktoren zusammentreffen, die für Trumps Wiederwahl wenig förderlich wären (aktuell liegt die geschätzte Wahrscheinlichkeit der Wiederwahl bei <5 %) – auf die mehr oder minder verzweifelten Versuche von Donald Trump, das Blatt zu wenden, sollte man sich nicht nur in China, sondern weltweit gefasst machen.“

Quelle: AdvisorWorld.ch