Raiffeisen wächst in allen Ertragspositionen

Die Raiffeisen Gruppe hat das vergangene Geschäftsjahr erneut mit einem erfreulichen Ergebnis abgeschlossen und in allen Ertragspositionen ein Wachstum verzeichnet. Trotz Sondereffekten erwirtschaftete die Bankengruppe den dritthöchsten Gewinn ihrer Geschichte….

Foto: Bilanzmedienkonferenz 2016, Raiffeisen


In einem wirtschaftlich herausfordernden Marktumfeld hat die Raiffeisen Gruppe ausgezeichnete Leistungen erbracht. Der Geschäftsertrag stieg um 2,7 Prozent respektive 81,3 Mio. auf 3,1 Mrd. Franken. Zur Steigerung haben alle Ertragspositionen beigetragen – das Zinsengeschäft wie auch das Kommissions- und Dienstleistungs- sowie das Handelsgeschäft.

Trotz dieses erfreulichen Ertragswachstums sank der Geschäftserfolg um 9,4 Prozent oder 88,7 Mio. Franken. Gründe dafür sind vor allem der erhöhte Geschäftsaufwand aufgrund von Investitionen in die Informatik- und physische Infrastruktur, gestiegene regulatorische Aufwände sowie eine Wertberichtigung auf der Leonteq-Beteiligung in der Höhe von 69 Mio. Franken. Die Cost/Income-Ratio hat sich in der Folge um 1,3 Prozentpunkte auf 63,9 Prozent erhöht. Im Zusammenhang mit dem Verkauf der Asset-Management-Gesellschaft Vescore fiel ein ausserordentlicher Ertrag von 64 Mio. Franken an. Unter dem Strich reduzierte sich der Gruppengewinn im Vorjahresvergleich um 6,6 Prozent auf 754,1 Mio. Franken.

Ein Blick auf die Ertragspositionen zeigt, dass das Zinsengeschäft mit einem Anteil von rund 72 Prozent oder 2,2 Mrd. Franken der Hauptertragspfeiler bleibt. Der Zuwachs im abgelaufenen Geschäftsjahr belief sich auf 2,0 Prozent oder 42,7 Mio. Franken. Ein deutliches Plus von 8,9 Prozent oder 18,6 Mio. Franken verzeichnete auch das Handelsgeschäft, während sich der Kommissions- und Dienstleistungserfolg nur geringfügig um 0,9 Prozent oder 4,1 Mio. Franken erhöhte.

Hypothekargeschäft bleibt wichtigster Ertragspfeiler

Besonders erfreulich entwickelt hat sich das Bilanzgeschäft. Sowohl die Hypothekarforderungen als auch die Kundeneinlagen sind mit einem Plus von 6,8 Mrd. respektive 8,0 Mrd. Franken deutlich und über dem Markt gewachsen. Der anhaltende Kundengeldzufluss von 5,3 Prozent (im Vorjahr +6,2 Prozent) erstreckte sich auf alle Regionen der Schweiz gleichermassen und zeigt, dass die Kundinnen und Kunden grosses Vertrauen in die Raiffeisenbanken haben.

Die verwalteten Kundenvermögen haben sich um 2,9 Prozent auf 202,8 Mrd. Franken verringert. Obwohl im vergangenen Jahr ein hoher positiver Netto-Neugeldzufluss von 8,0 Mrd. Franken verzeichnet werden konnte, reichte dieser nicht aus, um den Rückgang von 14,0 Mrd. Franken, der aus dem Verkauf von Vescore resultierte, zu kompensieren.

Im Hypothekargeschäft hat Raiffeisen die Erfolgsgeschichte fortschreiben können. Im 2016 stiegen die Hypothekarforderungen um 4,3 Prozent von 158,6 auf 165,4 Mrd. Franken. Im Vergleich dazu ist der schweizerische Hypothekarmarkt mit 2,6 Prozent weniger stark gewachsen. Der Marktanteil von Raiffeisen beträgt neu 17,2 Prozent. Das Wachstum hatte einmal mehr keine Auswirkungen auf die Ausfallrisiken: Die Verluste aus dem Kreditgeschäft betrugen lediglich 15,9 Mio. Franken und machten somit nur 0,01 Prozent der Kundenausleihungen aus. 

Patrik Gisel, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz: «Unser fortgesetztes Ertragswachstum gründet auf dem klaren Geschäftsmodell und der langfristigen Stabilität der Raiffeisen Gruppe. Wir sind nicht in spekulativen Märkten tätig, gehören zu den sichersten Banken der Schweiz und zeichnen uns durch hohe Kundennähe aus. Diese Erfolgsprinzipien haben sich einmal mehr ausbezahlt.»

Hervorragende Kapitalqualität

Im letzten Sommer hat der Bundesrat die «Too-big-to-fail»-Bestimmungen angepasst und unterscheidet bei systemrelevanten Banken neu zwischen Kapitalanforderungen für den Fortführungsfall («Going Concern») und den Anforderungen für den Sanierungs- und Liquidationsfall («Gone Concern»). Während die Gone-Concern-Anforderungen noch nicht bekannt sind, übertrifft Raiffeisen die aktuell bestehenden Going-Concern-Anforderungen von 14,4 Prozent. Die CET1-Quote beträgt per Ende 2016 15,3 Prozent und die Gesamtkapitalquote 17,0 Prozent. Auch die Leverage Ratio übertrifft die Vorgabe von 4,625 Prozent mit 6,84 Prozent deutlich.

US-Steuerstreit erfolgreich abgeschlossen und Weichen bei Notenstein La Roche gestellt

Zwei Ereignisse haben das Geschäftsjahr 2016 besonders geprägt: Der Verkauf der Vermögensverwaltungsgesellschaft Vescore an Vontobel und der erfolgreiche Abschluss im US-Steuerstreit. Im 2013 hatte sich Raiffeisen entschieden, im US-Steuerstreit in der Kategorie 3 teilzunehmen. Die im Dezember 2016 erzielte Lösung bestätigt, dass dies ein richtiger Entscheid war.

2016 war auch das Jahr der Reorganisation der Notenstein La Roche. Die Privatbankentochter vermochte zwar ihren Geschäftsertrag von 176,5 Mio. Franken (im Vorjahr 172,0 Mio. Franken) leicht auszubauen und einen Gewinnbeitrag von 17,6 Mio. Franken zum Gruppenergebnis beizusteuern, hat das Geschäftsjahr aber insgesamt unter den Erwartungen abgeschlossen. Der eingeleitete Wandel zielt darauf, die Prozesse und Strukturen der Privatbank zu verschlanken und die Produktpalette zu überarbeiten. Mit diesen Massnahmen legt Notenstein La Roche das Fundament für weiteres Wachstum und eine strategische Weiterentwicklung unter dem Dach der Raiffeisen Gruppe. Im Rahmen der Diversifikationsstrategie werden die Dienstleistungen der Privatbank und jene von Raiffeisen künftig noch besser aufeinander abgestimmt, um den Kunden in allen Lebensphasen massgeschneiderte Beratung in Anlagefragen bieten zu können.

Fokus auf das neue Kernbankensystem

2017 steht ganz im Zeichen der Einführung des neuen Kernbankensystems bei den Raiffeisenbanken, Raiffeisen Schweiz und Notenstein La Roche. Die Migration auf das neue System wird die Grundlage zur Nutzung von neuen Möglichkeiten in der Digitalisierung legen. Projekte sind unter anderem ein digitaler Dorfplatz zur lokalen Verankerung der Raiffeisenbanken in der digitalen Welt sowie ein digitaler Workplace für die Mitarbeitenden.

Das Raiffeisen-Netzwerk wird auch 2017 konsequent weiterentwickelt und auf die Kundenschnittstelle fokussiert. Im Zentrum steht der weitere Ausbau des Produkt- und Dienstleitungsangebotes in den Segmenten Retail-, Anlage- und Firmenkunden.

Auf finanzieller Ebene wird das Geschäftsjahr 2017 für die Raiffeisen Gruppe ein herausforderndes Jahr. Margendruck und Intensivierung des Wettbewerbs werden den Schweizer Bankenmarkt weiterhin prägen. Die Immobilienpreise dürften auf hohem Niveau konsolidieren, da die hohe Bautätigkeit der letzten Jahre zu einer Annäherung von Angebot und Nachfrage geführt hat. Zudem wirkt das erreichte Preisniveau in Verbindung mit regulatorischen Massnahmen dämpfend auf die Nachfrage. Trotz den anhaltend anspruchsvollen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rechnet Raiffeisen 2017 mit einem leicht höheren Ertragswachstum. Im Zinsgeschäft wird ein etwas tieferes Wachstum der Kundenausleihungen und Kundeneinlagen als 2016 erwartet. Insgesamt wird damit für 2017 ein höheres operatives Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Die Raiffeisen Gruppe blickt optimistisch in die Zukunft.

 

Quelle: AdvisorWorld.ch