Marty René REYL Overseas

REYL & Cie: Sind US-Wahlen wie eine Flucht in die Sicherheit?

REYL & Cie: Wir werden oft gefragt, ob wir auch die Auswirkungen der US-Präsidentschaftswahlen zu spüren bekommen.

Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter


von René Marty, CEO, REYL Overseas Ltd


Das heisst, ob wir mehr Anfragen von US-Investoren erhalten und diese versuchen, ihre Engagements vor möglichen Regierungswechseln zu diversifizieren.

Die jüngsten US-Wahlen waren wohl eine seit einer Generation am meisten erwarteten. Aber bedeutete die Besorgnis über das Ergebnis – egal in welche Richtung – ein gesteigertes Interesse an Offshore-Investitionen? Die Realität ist, dass diese Frage nicht leicht zu beantworten ist.

US-Staatsschulden-Berge

Es gibt unzählige Gründe für Anleger, die ihr Vermögen im Ausland diversifizieren wollen. Da stellen die Wahlen nur eine Möglichkeit davon dar. In der Tat war einer der Hauptfaktoren in den letzten Jahren die enorme Staatsverschuldung, welche die USA angehäuft haben. Daraus resultiert eine Angst vor einem Zusammenbruch der US-Währung. Die Gesamtverschuldung der USA beläuft sich derzeit auf 27,5 Billionen Dollar – verglichen mit lediglich 5,6 Billionen Dollar vor 20 Jahren. Die Ereignisse des letzten Jahres haben die Schulden besonders schnell ansteigen lassen. Als Folge suchen viele Investoren die Flucht in eine stabilere Währung wie den Schweizer Franken – der US-Dollar hat seit 1970 fast 80 Prozent seiner Kaufkraft gegenüber dem Franken verloren.

Das vorherrschende Zweiparteiensystem bedeutet, dass die US-Politik ein Pendel ist, das im Laufe der Zeit immer wieder zwischen Demokraten und Republikanern hin- und herschwingt. So unternehmen die beiden grossen Parteien alle vier Jahre enorme Anstrengungen, um ihren eigenen Kandidaten ins Oval Office zu hieven. Das hat zur Folge, dass Investoren potenziell vor einem seismischen Wechsel sowohl in der Führung als auch in der Politik stehen. Für einen langfristig orientierten Investor gibt es zunehmend den Wert einer Diversifizierung des Vermögens ausserhalb der USA. Dies unabhängig davon, wer im Weissen Haus sitzt. Tatsächlich sticht eine Gruppe von Investoren besonders hervor: diejenigen, die bereits eine stärkere Verbindung zur Welt ausserhalb der USA haben. Dies entweder weil sie in die USA ausgewandert sind, also europäische Vorfahren haben, oder weil sie international Geschäfte machen.

Ein friedlicher Übergang

Da jetzt ein Machtwechsel von Donald Trump zu Joe Biden stattfinden wird, können wir gewisse Eventualitäten vorhersagen: Unter der Führung der Demokraten muss sich die Pharmaindustrie auf verstärkte Eingriffe in die Preisgestaltung einstellen, während der Regulierungsdruck im Finanzsektor wahrscheinlich zunehmen wird. Die Demokraten streben auch eine allgemeine Erhöhung der Körperschaftssteuern an, was sich auf die Gewinnzahlen der Unternehmen auswirkt. In einigen Bereichen haben wir auch eine Einigung bei den Prioritäten gesehen. Zum Beispiel waren sowohl die Republikaner als auch die Demokraten wahrscheinlich ein Segen für den Infrastruktursektor, so dass wir in den nächsten vier Jahren grosse ausländische Investitionen in die US-Infrastruktur erwarten können.

Mit all dem im Hinterkopf könnte es für Investoren noch mehr Anreize geben, nach Renditen ausserhalb des US-Marktes und des US-Dollars zu suchen. Für diejenigen Investoren, die eine bessere Diversifizierung ihres Vermögens erwägen, sei dies mit verschiedenen Finanzinstitutionen oder Ländern, stellt sich als nächstes die Frage: Wohin sollen sie gehen?

Stabilität der Schweiz

Mit der Kombination der politischen Stabilität und der eigenen starken Währung bietet die Schweiz ein ideales Umfeld für Investoren an: eine Stabilität, die sich ein ausländischer Investor wünscht, wenn Vermögenswerte tausende Kilometer entfernt platziert und investiert werden. Daneben spielt auch die Reputation des Schweizer Finanzplatzes eine grosse Rolle. Schliesslich hält die Schweiz heute fast einen Drittel aller im Ausland angelegten Gelder.

Schwankende Märkte vor uns

Natürlich gab es in letzter Zeit ausserhalb der US-Wahlen eine Fülle von Nachrichten, um die Investoren aufzumuntern. Die Märkte erholten sich von der Nachricht über mögliche Impfstoffe gegen den Coronavirus. Dies könnte mittelfristig die Lage verändern. Allerdings muss der Impfstoff noch offiziell zugelassen werden. Es können Produktionsprobleme wie Rohstoffknappheit oder Vertriebsfragen in der ganzen Welt aufkommen, so dass noch einige Unsicherheiten bestehen.

Selbst wenn der Impfstoff effizient ist, wird die wirtschaftliche Erholung höchstwahrscheinlich auf einem groben Pfad verlaufen. Wir können daher Perioden mit höherer Volatilität erwarten. Für die Investoren bleibt ein breiter Korb von Vermögenswerten, um all die potenziellen Risiken zu diversifizieren. Das alles bleibt mit einem längeren Zeithorizont so wichtig wie eh und je.

Unabhängig davon, ob die Risiken nach Geographie, Anlageklasse oder Duration verteilt werden: Die Notwendigkeit der Diversifizierung bedeutet, dass auch Anlagen in Betracht gezogen werden müssen, die möglicherweise weniger bekannt sind. Deshalb ist die Kompetenz eines Anlageberaters so entscheidend.

Quelle: AdvisorWorld.ch