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Reyl: Corona traf die asiatischen Tiger gut vorbereitet

REYL: Oft führen globale Krisen und starke Kursschwankungen an den Finanzmärkten zu Turbulenzen in den Schwellenländern.

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von Daryl Liew  Head of Portfolio Management, REYL Singapore


Wie gingen die vier asiatischen Tiger Hongkong, Singapur, Südkorea und Taiwan mit dem Corona-Virus um?

Die ursprünglichen vier asiatischen Tiger – Hongkong, Singapur, Südkorea und Taiwan – wurden für ihren Erfolg bei der Eindämmung der ersten Welle von Covid-19-Infektionen gelobt. Dies weitgehend ohne den drakonischen Schritt, die Städte zu sperren. Der Grund für ihren relativen Erfolg liegt zum Teil darin, dass alle vier Länder in jüngster Zeit Erfahrungen im Umgang mit ansteckenden Infektionen gemacht haben: Hongkong, Singapur und Taiwan mit SARS im Jahr 2003 und Südkorea mit MERS im Jahr 2015. Dabei profitierten sie von den Lehren, die während des vorherigen Ausbruchs gezogen wurden, und die seitdem getroffenen Vorbereitungen. Sie ermöglichten es allen vier Ländern, schnell und koordiniert zu handeln, um mit dem Virus umzugehen.

System für Früherkennung

Ein entscheidender Faktor bei der Eindämmung der Virusausbreitung ist die Früherkennung: Dies ermöglicht nicht nur die Isolierung des Patienten, um den Kontakt mit anderen Menschen zu minimieren, sondern verbessert durch eine frühzeitige Behandlung auch die Heilungsraten. Alle vier Länder haben die Überwachung entlang ihrer Grenzen rasch verstärkt und versuchen, mit Hilfe von Temperatur-Screening-Maschinen Verdachtsfälle zu identifizieren. Dabei konzentrieren sie sich besonders auf die Einreisenden aus den betroffenen Regionen. Die Entwicklung von Testkits, sobald das Genom des Virus bekannt war, und die anschliessende Massenproduktion dieser Kits waren ebenfalls wichtig für den Nachweisprozess.

Das Problem mit Conora bestand darin, dass einige infizierte Fälle im Gegensatz zu SARS oder MERS asymptomatisch waren oder leichte Symptome aufwiesen. Dies bedeutete, dass die Träger des Virus die Grenzkontrollen umgehen und sich unter die Bevölkerung mischen konnten, bevor das Virus entdeckt wurde. Daher war eine energische Kontaktverfolgung notwendig. So wurden ihre Bewegungen zurückverfolgt und alle Personen identifiziert, mit denen sie in Kontakt gekommen waren. Diese mühsame Arbeit wurde von Regierungsbeamten mit Hilfe einer Vielzahl von Werkzeugen durchgeführt, darunter Aufnahmen von Sicherheitskameras und GPS-Informationen von Smartphones. Singapur hat soeben eine App (TraceTogether) eingeführt, die die Behörden bei der Durchführung ihrer Aktivitäten zur Ermittlung von Kontaktpersonen unterstützen wird.

Bisher gut abgeschnitten

Sobald diese Personen identifiziert wurden, wurden Anweisungen zum zu Hausebleiben oder zur Hausquarantäne erlassen, um ihren Kontakt mit anderen Personen zu minimieren. Es wurden verschiedene Technologien eingesetzt, um sicherzustellen, dass die Quarantäneanordnungen eingehalten werden. So wurden in Südkorea, Taiwan und Hongkong von Geofencing-Apps (StayHomeSafe) eingeführt, während in Hongkong auch ein Geolokalisierungs-Armband verwendet wird.
Hinter diesen Quarantäneanordnungen verbergen sich Schicksale: In Singapur verlor ein Daueraufenthalter seinen Status, weil er gegen die Mitteilung über seinen Heimataufenthalt verstossen hatte. Ein weiteres Ehepaar wurde wegen falscher Angaben zu seinem Aufenthaltsort gemäss dem Infectious Diseases Act angeklagt. In Taiwan wurde ein Mann mit der Höchststrafe von 1 Million TWD bestraft, weil er die Quarantäne verlassen hatte, um in einen Club zu gehen. Ähnliche Strafen gibt es in Südkorea, wo ein vorsätzlicher Bruch der Quarantäne zu einem Jahr Gefängnis oder einer Geldstrafe von bis zu 10 Millionen KRW führen kann, und in Hongkong, wo die Höchststrafe 25’000 HK$ und sechs Monate Gefängnis beträgt.

Die vier asiatischen Tiger haben bisher also gut abgeschnitten. Ihre Verfahren werden streng getestet, um mit der aktuellen zweiten Infektionswelle fertig zu werden, die in den letzten Wochen aufgetreten ist. Die Zahl der importierten Fälle, die in den USA, Europa und Südostasien in ihre Grenzen gelangt sind und sich mit dem Virus infiziert haben, ist stark angestiegen. Dies hat dazu geführt, dass vorübergehend weitere Grenzbeschränkungen verhängt wurden, um den Zustrom möglicher neuer Fälle zu begrenzen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Beschränkungen gelockert werden können, sobald sich die Situation stabilisiert hat.

Quelle: AdvisorWorld.ch