Robeco: Keine Neuigkeiten sind gute Neuigkeiten für die Märkte

In letzter Zeit haben sich die Finanzmärkte ganz nach dem Motto verhalten: “Keine Neuigkeiten sind gute Neuigkeiten.“ Doch es könnte die Ruhe vor dem Sturm sein, meint Lukas Daalder von Robeco. …..

 

Lukas Daalder, Chief Investment Officer von Robeco Asset Allocation


In aller Kürze:

  • Der August war dank des Ausbleibens schlechter Nachrichten der Monat mit der geringsten Volatilität im Jahr 2016.
  • Anlegern steht jetzt ein traditionell wechselhafterer Herbst bevor.
  • Robeco hält an der Untergewichtung von Aktien und der Übergewichtung von Anleihen fest.

Im typischerweise ruhigen Monat August blieben Phasen erhöhter Kursschwankungen völlig aus – das hat die Kurse am Aktienmarkt naturgemäß weiter steigen lassen. Doch im traditionell wechselhafteren Herbst dürften die Märkte einen neuen Mix aus Problemen zu verarbeiten haben, so Lukas Daalder.

„Im August war die Volatilität so niedrig wie in bisher keinem anderen Monat im laufenden Jahr”, sagt Daalder, der Chief Investment Officer von Robeco Investment Solutions. „Interessanterweise galt das für alle wichtigen Anlageklassen. So erreichten der VIX (er misst die in Derivaten auf den US-Aktienmarkt implizierte Volatilität), der MOVE (er tut dasselbe in Bezug auf US-Anleihen) und sogar der CVIX (der sich auf Währungsschwankungen bezieht) alle ihren Jahrestiefstand Anfang August.”

„Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen bewegten sich im August im engsten Band seit fast zehn Jahren. Und Anfang September hatte der Aktienindex S&P 500 seit 40 Handelstagen keine stärkere Tagesschwankung von mehr als 1 % verzeichnet. Daraus ergibt sich ganz klar: Volatilität stellte an den Finanzmärkten die geringste Sorge dar.“

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Die Volatilität ist auf breiter Front zurückgegangen und erreichte in allen wichtigen Marktsegmenten einen Tiefstand. Quellen: Bloomberg, Robeco

Keine eindeutigen Signale zum Handeln

„Der Grund für diesen Rückgang der Volatilität ist schlicht und einfach der, dass in den letzten beiden Monaten keine wesentlichen Themen aufgekommen sind, die die Märkte hätten bewegen können. Der Ölpreis schwankt seit nunmehr vier Monaten zwischen 42 und 50 US-Dollar pro Barrel und hat dementsprechend nicht mehr denselben Einfluss auf die Märkte wie zu Beginn des Jahres. Gleichzeitig verharrten die Notenbanken in einer abwartenden Haltung. Sie versuchten aus den Wirtschaftsdaten abzulesen, ob sie (wie im Fall der US Federal Reserve) die Leitzinsen anheben können oder ob (wie im Fall der Bank of Japan) noch mehr monetäre Anreize nötig sind.”

„Die entsprechenden Analysen fielen nicht sonderlich schwer, da die meisten Daten den Erwartungen entsprachen und keine eindeutigen Signale für zu erwartende Änderungen der Geldpolitik lieferten. Der Citigroup Economic Surprise Index, der alle vier wichtigen Wirtschaftsregionen abdeckt, stieg von null um fünf Punkte stetig an, was anzeigt, dass alle Daten den Markterwartungen entsprechen.”

„Die Gewinnberichterstattung für das zweite Quartal endete ohne Überraschungen, größere politische Ereignisse blieben aus und auch in finanzieller Hinsicht geschah nichts Weltbewegendes: die italienischen Banken existieren noch, Großbritannien ist nach wie vor in der EU, Griechenland gehört weiterhin zum Euroraum – all das trug dazu bei, die Kapitalmärkte in einen spätsommerlichen Schlummer verfallen zu lassen.”

Die Aktienmärkte mögen niedrige Volatilität

Muss man sich angesichts der ausbleibenden Kursschwankungen Sorgen machen? „Auf der einen Seite: nein. Solche Phasen niedriger Volatilität gab es auch in der Vergangenheit und sie dauern für gewöhnlich nicht länger als zwei Monate”, sagt Daalder. „Gefährlicher sind eher länger anhaltende Zeiträume mit geringen Kursschwankungen, da sie ein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln und die Anleger dazu verleiten, mehr Risiko einzugehen. Doch nach den Erfahrungen vom Jahresanfang, als die Volatilität hoch war, sind sich die Anleger der Risiken vollkommen bewusst, sodass dies aktuell nicht die Hauptgefahr darstellt.”

„Doch auf der anderen Seite gibt es eine direktere und kurzfristigere Folge: Die Aktienmärkte mögen niedrige Volatilität. Auch wenn die täglichen Kursgewinne nicht sonderlich eindrucksvoll sind, ist der zugrundeliegende Kurstrend in Phasen geringer Volatilität fast immer positiv. Wenn wesentliche Neuigkeiten ausbleiben, zeigen Aktien eine naturgemäße Tendenz zu steigenden Notierungen.”

Laut Daalder umfasst der Zeitraum seit 1930 beim S&P 500 Index 24 Zeiträume, in denen die Volatilität für mindestens zwei Monate niedrig blieb. In diesen Phasen stiegen die Aktienkurse im Schnitt um 4,6 % (siehe folgende Grafik).

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Quellen: Bloomberg, Robeco

Genießen, solange es geht

Anleger sollten die bisherige Phase genießen, solange es geht. Denn legt man auch hier die Vergangenheit zugrunde, wird sie nicht von Dauer sein, meint Daalder. An den Aktienmärkten wird das Geschehen im September und Oktober erfahrungsgemäß wechselhaft. So dürften eine ganze Reihe von Themen wie die weitere Entwicklung in Sachen „Brexit“ und die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen wieder zu einem Anstieg der Volatilität auf das gewohnte Niveau führen, warnt Daalder. Daher bleibt Robeco Investment Solutions in Bezug auf Aktien vorsichtig, nachdem man bereits während der Phase niedriger Volatilität im Sommer der Versuchung widerstanden hatte, sich stärker in Aktien zu engagieren.

„Insgesamt bleiben wir in Aktien untergewichtet, da wir zahlreiche Risiken sehen, die von den Aktienmärkten weitgehend ignoriert worden sind, als sich die Kurse während der Phase niedriger Volatilität wie von alleine aufwärtsentwickelt haben,” betont Daalder. „Für ein böses Erwachen sorgen könnten die hohen Bewertungsniveaus von US-Aktien, unter Druck stehende Unternehmensgewinne, unsichere Perspektiven in China, hohe Schuldenstände und die Wahlen in den USA im November.”

„Allerdings haben wir unsere auf einen fallenden Wechselkurs ausgerichtete Short-Position im britischen Pfund vorerst geschlossen. Denn die direkten negativen Folgen des Brexit-Votums erscheinen begrenzt, nachdem sich die Einzelhandelsumsätze und die Daten zum Verbrauchervertrauen im August wieder erholt haben. Wir glauben zwar nicht, dass Großbritannien bereits aus dem Gröbsten heraus ist, doch machen die positiven Nachrichten das Pfund derzeit anfällig für starke Gegenbewegungen.”

„Daneben haben wir angesichts der weiter sinkenden Renditeaufschläge bei Hochzinsanleihen unsere Übergewichtung in dieser Anlagekategorie schrittweise verringert. Gleichzeitig haben wir unser Engagement in europäischen Unternehmensanleihen ausgebaut, da wir damit rechnen, dass dieses Marktsegment für mindestens ein weiteres halbes Jahr vom Anleihenkaufprogramm der EZB profitieren wird. Wir gehen davon aus, dass die Renditeaufschläge gegenüber Staatsanleihen weiter zurückgehen und dass die Anleger sich dabei nach Alternativen umschauen, die noch etwas höhere Renditen bieten, zum Beispiel Anleihen aus dem Finanzsektor.”

Quelle: AdvisorWorld.ch