Heller Thomas Schwyzer Kantonalbank

Schwyzer Kantonalbank : Gekommen, um zu bleiben

Schwyzer Kantonalbank : Lässt man die Zeit von 1972 bis 1979 aussen vor, als die Schweiz ausländische Bankguthaben mit 2% pro Quartal belastete, sind Negativzinsen ein jüngeres Phänomen.

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STANDPUNKT  Oktober 2020

Thomas Heller CIO der Schwyzer Kantonalbank


Es war die dänische Nationalbank, die 2012 erstmals Negativzinsen erhob. Ihr folgten 2014 die EZB, 2015 die SNB und die Schwedische Reichsbank sowie 2016 die Bank of Japan. Die Bank of England denkt darüber zumindest nach und in den USA hat die Fed Nullzinsen bis mindestens Ende 2023 in Aussicht gestellt. Im Sog der negativen Leitzinsen und als Folge der Anleihenkaufprogramme der Notenbanken sind auch die langfristigen Zinsen ins Rutschen geraten. Aktuell weisen Obligationen im Wert von über USD 15’000 Milliarden eine negative Rendite auf. Das entspricht etwa 1/7 des globalen Anleihenvolumens.

Notenbanken haben primär für Preisstabilität zu sorgen. Dieser Auftrag wird meist ergänzt um Aspekte wie etwa «Vollbeschäftigung» (Fed) oder «der konjunkturellen Entwicklung Rechnung tragen» (SNB). Erfüllen die Negativzinsen diesen Auftrag? Bezüglich der Konjunktur taten sie dies zu Beginn wohl schon. Heute gehen von ihnen aber kaum noch Wachstumsimpulse aus. Günstiges Kapital ist genügend da, es wird jedoch nicht abgerufen. Das zeigt sich am TLTRO-Programm (Targeted Longer-Term Refinancing Operation) der EZB, über welches sich die Banken günstig refinanzieren können (aktuell zu -0.5%), wenn sie die Ausleihungen als Kredite weitergeben. Die Nachfrage ist meist bescheiden. Die Vergaberunde im Juni bildete eine Corona-bedingte Ausnahme, was wohl auch bei weniger attraktiven Konditionen der Fall gewesen wäre.

Funktionieren können Negativzinsen hingegen, um die eigene Währung zu schwächen. In kleineren Volkswirtschaften wie Dänemark, Schweden oder der Schweiz liessen sich so Zinsanpassungen mit dem Ziel der Preisstabilität begründen. Der Wechselkurs hat in diesen Ländern aufgrund ihrer hohen Aussenhandelsverflechtungen (Importquoten von 30-40%) einen wesentlichen Einfluss auf die inländische Inflation. In der Eurozone oder in Japan ist das hingegen mehr als fraglich (Importquote weniger als 20%).

Auch wenn die negativen Zinsen den Auftrag der Notenbanken kaum (mehr) unterstützen, können wir uns angesichts der hohen Verschuldung deutlich höhere Zinsen nicht leisten. Die Notenbanken werden die Leitzinsen, sowie mittels Wertpapierkäufen auch die langen Zinsen, noch länger tief halten. Der Zinsauftrieb bleibt somit vorerst bescheiden. Was als vorübergehendes Phänomen angesehen wurde, wird uns noch lange begleiten. Die Negativzinsen sind gekommen, um zu bleiben.

Quelle: AdvisorWorld.ch