Studie AxaIM: Interesse und Einstellung der Schweizer Bevölkerung zur 2. Säule

Mehr Interesse am Kapitalbezug…

Dr. Werner E. Rutsch, Head Institutional Business bei AXA Investment Managers Schweiz


59 Prozent der Befragten akzeptieren die Notwendigkeit von Korrekturmassnahmen zur Sicherung zukünftiger Renten.

Immer mehr Befragte möchten sich dereinst ihr ganzes Pensionskassengeld bei Pensionierung auszahlen lassen.

86 Prozent befürworten die Verantwortung der Pensionskassen für die Vorsorgevermögen.

Trotz der sich verschärfenden Probleme der 2. Säule ist das Interesse für das Thema Vorsorge immer noch gering.

Die demografische Entwicklung, das anhaltend tiefe Zinsniveau sowie zu hohe Umwandlungssätze beeinflussen in Zukunft die Substanz und die Anlagestruktur vieler Pensionskassen. Die seit 2011 zum sechsten Mal durchgeführte Umfrage ermittelt den Wissensstand und die Einstellung der Schweizer Bevölkerung zur 2. Säule. Zusätzlich geht die diesjährige Studie den Fragen nach, wie die BVG-Versicherten die verschiedenen Korrekturmassnahmen einschätzen, in welcher Form sie ihre Rente bei Pensionierung beziehen möchten und welche Rentenzeitmodelle bevorzugt werden.  

Die Reform der Altersvorsorge wird akzeptiert

Dr. Werner E. Rutsch, Head Institutional Business bei AXA Investment Managers Schweiz, betont: «Die Akzeptanz der Schweizer Bevölkerung für eine Reform der Altersvorsorge ist hoch. Die Menschen werden immer älter, und das Tiefzinsumfeld belastet die Renditen der Vorsorgevermögen. Deshalb anerkennen 59 Prozent der Befragten die Notwendigkeit von Korrekturmassnahmen.»

Unter den vorgeschlagenen Massnahmen wie Beitragszahlungen vor dem 25. Lebensjahr, höhere Beiträge, höheres Rentenalter sowie Kürzung der aktuellen Renten, akzeptieren 81 Prozent der Befragten Beitragszahlungen schon vor dem 25. Lebensjahr. Auch die Erhöhung der Beiträge geniesst eine hohe Zustimmung von 65 Prozent. Steuervergünstigungen für freiwilliges Sparen (87 Prozent) und die Förderung von freiwilliger Teilzeitarbeit ab 64 respektive 65 Jahren (76 Prozent) werden ebenfalls befürwortet. Mit einer Zustimmungsquote von nur 12 Prozent am wenigsten populär ist die Kürzung der Renten.

22 Prozent der Versicherten wissen nicht, dass das gesparte PK-Geld ihnen gehört

Auf die Frage, wem die Lohnabzüge für die berufliche Vorsorge gehören, antworten nur 78 Prozent der Befragten mit «mir selbst». 15 Prozent denken, das Geld gehöre der Pensionskasse, 4 Prozent nennen den Staat, und 3 Prozent meinen, die PK-Mittel gehörten dem Arbeitgeber oder sie machten keine Angabe. Während es bei den Antworten keinen geschlechtsspezifischen Unterschied gibt, wissen nur 65 Prozent der Westschweizer, dass das Geld ihnen gehört; in der deutschen Schweiz sind es 79 Prozent und im Tessin 94 Prozent. Jüngere aktiv Versicherte zwischen 25 und 41 Jahren wissen besser Bescheid (83 Prozent) als ältere und bereits pensionierte Versicherte (73 bzw. 75 Prozent). Es fällt auf, dass 11 Prozent der Befragten in der Westschweiz den Staat als vermeintlichen Eigentümer der PK-Gelder nennen, in der Deutschschweiz und im Tessin sind es nur je 2 Prozent.

Und wer soll das Pensionskassengeld verwalten und für Rentenlücken aufkommen? Rund zwei Drittel der BVG-Versicherten wissen, dass Pensionskassen sowohl privaten Institutionen als auch der öffentlichen Hand gehören können. 86 Prozent der Befragten finden es grundsätzlich richtig, dass die Pensionskassen für die Geldanlage zuständig sind. Bei freier Wahl würde aber rund ein Fünftel der Befragten die Gelder lieber selber anlegen oder eine Vertrauensperson damit beauftragen. Hat ein Rentner sein Pensionskassengeld nach Kapitalbezug aufgebraucht, geniesst er unter den Befragten nur wenig Unterstützung. Die Hälfte der Befragten findet, er müsse dann von der AHV und seinem Ersparten leben. 34 Prozent würden das Sozialamt und je rund 20 Prozent die Familie und die Pensionskasse in die Pflicht nehmen (Mehrfachnennungen möglich).

Bezug des Pensionskassengeldes vor Pensionierung

Das viel diskutierte Thema des Vorbezugs des PK-Geldes wird in der Studie detailliert untersucht. 10 Prozent der Befragten wünschen ausdrücklich, das Pensionskassengeld vor Erreichung des Pensionsalters beziehen zu können – und zwar ohne Restriktionen. Den Vorbezug für Wohneigentum und andere Vorsorgelösungen wie Lebensversicherungen befürworten 44 Prozent. Immerhin 42 Prozent der Versicherten finden jedoch, das gesparte Pensionskassenvermögen solle ohne Ausnahme erst bei Pensionierung bezogen werden können.

Würden die Befragten heute in Pension gehen, liesse sich jeder Fünfte sein ganzes Pensionskassengeld auszahlen – was eine Verdoppelung gegenüber 2015 darstellt. Werner E. Rutsch erklärt: «Für dieses Resultat verantwortlich könnte eine erhöhte Sensibilisierung bezüglich sinkender Umwandlungssätze, als auch die allgemeine Unsicherheit in Bezug auf wirtschaftliche und politische Entwicklungen sein». Die Auszahlungsvariante Gesamtbezug ist vor allem bei Männern, jüngeren Versicherten im Alter von 25 bis 41 Jahren und bei Tessinern beliebt. Die Hälfte der Bevölkerung entschiede sich für eine monatliche Rente, und jeder Vierte würde einen Mix von Rente und Kapitalbezug wählen. Diese Werte entsprechen den Antworten der Vorjahre.  

Hartnäckiges Desinteresse und Lichtblick

Obwohl eine Reihe notwendiger Korrekturmassnahmen zur Sicherung zukünftiger Renten ansteht, herrscht in der Bevölkerung immer noch ein geringes Interesse für das Thema Vorsorge: Jeder fünfte Befragte interessiert sich grundsätzlich nicht für die Altersvorsorge. Das Interesse unter den aktiv Versicherten im Alter von 42 bis 65 Jahren ist mit 84 Prozent am höchsten, unter den passiv Versicherten – also nach der Pensionierung – ist es mit 63 Prozent am geringsten. Besser Verdienende interessieren sich mehr für die Altersvorsorge als Personen mit geringem Einkommen. Als Hauptgrund für das mangelnde Interesse wird «noch zu jung zu sein» angegeben. Bequemlichkeit, keinen Einfluss darauf zu haben, schon pensioniert zu sein oder im Alter sowieso kein Geld mehr zu erhalten, werden ebenfalls genannt.

Dieser eher desolate Zustand wird jedoch von einem vielversprechenden Lichtblick erhellt: 41 Prozent der Befragten würden freiwillig gerne länger arbeiten, respektive hätten gerne länger gearbeitet als bis zum Rentenalter. Als wichtigste Gründe dafür werden die Freude an der Arbeit, finanzielle Überlegungen, eine gute Gesundheit und der Wunsch, aktiv zu bleiben, genannt.

 

Quelle: AdvisorWorld.ch