Schlinder Alexander Union Investment

Union Investment: Bewegte Zeiten zum aktiven Handeln nutzen

Union Investment: So viel Disruption gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen gab es selten: Klimawandel, Digitalisierung, Deglobalisierung und zuletzt die Corona-Krise.

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Von Alexander Schindler, Vorstandsmitglied Union Investment


In solchen Phasen der tiefgreifenden Veränderung ordnen sich die Anlagemärkte neu. Das ist mit Risiken, aber auch Chancen für Investoren verbunden. Mit Hilfe eines aktiven Investmentstils lässt sich in diesem anspruchsvollen Umfeld erfolgreich navigieren.

Das hohe Veränderungstempo wird auch künftig vor allem die institutionelle Kapitalanlage bestimmen. Die Wirtschaft und damit auch die Finanzmärkte befinden sich in einem grundlegenden Wandel. Er wurde nicht erst durch die Corona-Pandemie angestossen, aber durch diese noch verstärkt wird. Zukunftsgerichtetes Handeln ist gefragt, zumal die Kapitalmärkte nicht überall und jederzeit vollkommen effizient sind. Dies anders als die Theorie der effizienten Märkte von Eugen Fama besagt: Laut dieser treffen die Marktakteure in der Gesamtheit rationale Entscheidungen und alle am Markt verfügbaren Informationen gehen in die Bewertung von Wertpapieren ein. Daher sei es nicht möglich – etwa durch technische Analyse oder Fundamentalanalyse – unterbewertete Titel zu finden. Fazit: Es gebe keine Möglichkeit, die allgemeine Marktrendite durch gezielte Auswahl von Wertpapieren auf Dauer zu schlagen.

Selten fielen Kurse so rasant

Der Blick auf die Praxis der Kapitalanlage zeigt jedoch, dass die Erkenntnisse der Markteffizienzhypothese immer wieder auf die Probe gestellt werden. Dies gilt vor allem für Entwicklungen, in deren Verlauf es an den Märkten zu Umbrüchen oder gar Schocks kommt. Ein aktuelles Beispiel verdeutlicht dies: Selten fielen in einer Krise die Kurse so rasant wie im März dieses Jahres. Institutionelle Investoren wie Privatanleger verkauften vielfach Aktien quer durch die Bank, häufig ohne zwischen Märkten, Sektoren und Einzeltiteln zu differenzieren. Die Devise vieler Anleger lautete offenbar „raus aus den Märkten, koste es, was es wolle“, bis Regierungen und Notenbanken für eine Stabilisierung sorgten. An manchen Handelstagen während der Krise schlugen die Kurse mehrfach heftig in die eine und dann wieder genauso heftig in die andere Richtung aus. Die Schwankungsbreiten erreichten beispiellose Ausmasse. Von einem effizienten Markt kann in einer solchen Situation wohl kaum gesprochen werden.

Gerade in herausfordernden Phasen schlägt daher das Herz des aktiven Chancenmanagements besonders kräftig: Denn die Bewertungen haben sich schlagartig verändert, aber in vielen Fällen noch nicht wieder auf einem angemessenen Niveau eingependelt. In einem solchen Umfeld kann der genaue Blick auf einzelne Unternehmen helfen. Inwieweit wurde das Geschäftsmodell tatsächlich nachhaltig beschädigt? Wie angeschlagen ist die Bilanz? In welchem Umfang haben die Gewinnaussichten tatsächlich gelitten, oder ergeben sich durch die neue Situation künftig gar Chancen auf steigende Umsätze? Vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit der akuten Pandemie stellen sich diese und ähnliche Fragen insbesondere mit Blick auf einige Sektoren wie etwa die Pharma- und Tech-Branche. Dabei zählt der selektive Ansatz des aktiven Managements. Denn neben potenziellen Gewinnern der Epidemie wird es in diesen Branchen auch Verlierer geben. Die Kunst besteht darin, beide zu identifizieren und die Ergebnisse nutzbringend ins Portfolio einfliessen zu lassen. Bei dieser Aufgabe bedient sich der aktive Manager grundsätzlich der gleichen Methoden und Techniken wie in weniger herausfordernden Zeiten. Der Unterschied ist nur, dass es in bewegten Zeiten umso mehr gilt, die spezifischen Anlagechancen gezielt zu nutzen.

Wirtschaft im Wandel

Aktives Management funktioniert nicht nur in Zeiten krisenhafter Finanzmärkte, wenn Vermögenspreise irrational verzerrt sein können. Auch umfassende Veränderungen an den Realmärkten oder die Aussicht darauf eröffnen Potenzial für aktive Manager. Denn nicht selten bewirken sie eine fundamentale Neuausrichtung der Rahmenbedingungen mit erheblichen Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle von Unternehmen.

Deutlich wird dies beim Thema Nachhaltigkeit. Lange Zeit galt die ESG-konforme Ausrichtung von Wirtschaft und Kapitalanlage als nachrangiger Aspekt für das Handeln von Marktakteuren. Im Zuge des immer dringlicher werdenden Kampfes gegen die Erderwärmung hat sich dies allerdings völlig geändert. Die von der Politik energisch betriebene Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft ist ein „Game Changer“ und wird die Rahmenbedingungen des Wirtschaftens spürbar verändern.

Dass dies selbstverständlich erhebliche Auswirkungen auf die Gewinnaussichten von Unternehmen und damit auf die Kapitalanlage von Investoren haben wird, liegt auf der Hand. Ein Beispiel hierfür liefert eine Untersuchung unseres Hauses über die Auswirkungen der CO2-Bepreisung auf die Unternehmen im DAX 30. Danach drohen den DAX-Unternehmen durch die Bepreisung von CO2-Emissionen potenzielle Belastungen in Milliardenhöhe, wenn sie ihre Emissionen nicht reduzieren. Die Untersuchung zeigt, wie wichtig es ist, die Veränderungen der Spielregeln an den Märkten genau im Auge zu behalten und die Portfolios auf entsprechende Konsequenzen hin auszurichten. Dass hier in Sachen Klimaschutzpolitik noch Nachholbedarf besteht, darauf hat erst unlängst die internationale Investorenorganisation Principles for Responsible Investment (PRI) in einer eigenen Studie hingewiesen. Darin warnte sie, dass die zunehmende klimapolitische Regulierung durch die Politik von den Märkten in erheblichem Masse bisher noch nicht eingepreist worden sei. Das heisst nichts anderes, als dass die Bewertung zahlreicher Unternehmen weltweit gegenwärtig noch verzerrt ist und somit Spielraum für aktives Management bietet.

Zukunftsgerichtet agieren

Themenfelder, auf denen aktive Manager ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können, gibt es viele. Die fortschreitende Digitalisierung ist eines davon. Sie dürfte auch im Zuge der Erfahrungen während der Corona-Krise verstärkt an Bedeutung gewinnen. Als weiteres potentielles Themenfeld könnte sich die Deglobalisierung erweisen. Bereits vor der aktuellen Krise war erkennbar, dass sich die Globalisierung als Folge von Handelskonflikten und Renationalisierung nur noch mit angezogener Handbremse entwickelt. Die Covid-19- Pandemie kann diesen Prozess verstärken. Hat sie doch Politik und Wirtschaft die Anfälligkeit einer globalisierten Wirtschaft vor Augen geführt. Darüber hinaus bot sie Anlass, darüber nachzudenken, ob bestimmte Wirtschaftstätigkeiten unter Umständen nicht doch besser auf nationaler Ebene umgesetzt werden sollten. Sollte sich ein entsprechender Trend tatsächlich vollziehen, wären auch damit Chancen für aktive Manager verbunden.

Wichtig ist es, die einschneidenden Veränderungen an den Märkten rechtzeitig zu erkennen und für die Kapitalanlage zu nutzen. Dazu braucht es nicht nur Methodenkompetenz, sondern auch ein leistungsstarkes Themen-Research, mit dessen Hilfe die Relevanz von Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen sowie geopolitische Zusammenhänge laufend analysiert werden. Risiken in Zeiten des Umbruchs sollten nicht den Blick dafür verstellen, dass sich gleichzeitig vielfältige neue Anlagemöglichkeiten eröffnen und in einem Niedrig- oder gar Negativzinsumfeld positive Perspektiven für Investoren bieten. Asset Manager sind aufgefordert, diese Chancen mit aktivem Management für ihre Kunden zu nutzen.

Quelle: AdvisorWorld.ch