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Vontobel: Market update Ölpreis: Trotz Preisrückgang ist ein Kurs von 60 US-Dollar möglich

Angesichts des jüngsten Rückgangs des Ölpreises unter 50 US-Dollar pro Fass stellt sich die Frage, ob unsere Prognose für diesen Rohstoff revidiert werden muss. Wir sind jedoch nach wie vor der Ansicht, dass er sich innerhalb eines Jahres auf ein Niveau von 60 US-Dollar erholen wird, da das Nachfragewachstum das Angebotswachstum übersteigt.  .….

 Von Stefan Eppenberger, Investment & Commodity Strategist bei Vontobel


Am 8. März wurde der Ölpreis durch eine weitere erhebliche Zunahme der US-Rohöllagerbestände belastet. Selbst die saison- und nachfragebereinigten Zahlen zeigten einen Anstieg der US-Lagerbestände auf ein Fünfjahreshoch (siehe Grafik 1). Daher kostete ein Fass Rohöl der Sorte WTI zum ersten Mal in diesem Jahr weniger als 50 US-Dollar. 

Deutet dies also auf eine Schwächephase des Ölpreises hin? Unserer Ansicht ist dies aus zwei Gründen nicht der Fall.

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1) Die Entwicklung der US-Lagerbestände entspricht nicht der globalen Situation. Die globalen Lagerbestände gehen in Tat und Wahrheit zurück – ein Trend, den die Märkte früher oder später zur Kenntnis nehmen dürften. Zudem ist das Bild in den USA uneinheitlich, denn die USLagerbestände für Ölprodukte wie Benzin sinken. 

Ein wichtiger Faktor für den Rückgang der globalen Lagerbestände ist die Entscheidung der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) vom November 2016, die Fördermengen zu reduzieren. Die Mitgliedstaaten machten deutlich, dass sie einen Rückgang der Lagerbestände auf einen Fünfjahresdurchschnitt anstreben. Daher wird das globale Angebotswachstum nachlassen und allmählich hinter dem globalen Nachfragewachstum zurückbleiben. Dadurch werden die Lagerbestände in den kommenden zwölf Monaten zurückgehen. Die Opec-Länder machten deutlich, dass sie Preise unter 50 US-Dollar nicht akzeptieren werden. Sollten sie mit der Entwicklung der Lagerbestände nicht zufrieden sein, könnten sie zudem die Förderkürzungen bis Ende dieses Jahres verlängern.

2) Angesichts der günstigen Aussichten für die Weltwirtschaft wird die globale Nachfrage das Angebotswachstum übersteigen. Grund dafür sind ein stabiles strukturelles Wachstum in den Schwellenländern und der globale konjunkturelle Rückenwind. Demzufolge wird die zusätzliche Nachfrage nach Öl wahrscheinlich jährlich weiterhin um über eine Million Fass pro Tag steigen. Gleichzeitig wird das Angebotswachstum durch die Förderkürzungen der Opec und das Einverständnis von Nicht-Opec-Ländern wie Russland nach oben begrenzt. Eine offene Frage ist, inwieweit US-amerikanische Schieferölproduzenten in der Lage sein werden, wieder zu den früheren Fördermengen zurückzukehren. Seit dem Opec-Abkommen, an das sie nicht gebunden sind, ist ihre Förderung überraschend stark. Unseres Erachtens werden sie den Rückgang der Opec-Förderung zu diesen Preisniveaus jedoch nicht vollständig ausgleichen können. 

Wöchentliche Freigaben der US-Öllagerbestände könnten den Ölpreis kurzfristig unter Druck setzen. Aufgrund der hohen spekulativen „Netto-Long“-Positionen reagieren die Preise in gewissem Maße anfällig auf diese wöchentlichen Zahlen (siehe Grafik 2). 

Grundsätzlich sollten sich Anleger mit einem mittel- bis langfristigen Horizont über kurzfristigen Gegenwind nicht allzu große Sorgen machen. Das langfristige Einpendeln des Marktes wird nicht beeinträchtigt, zumindest solange die Opec die Fördergrenzen weiterhin einhält. Daher gehen wir nach wie vor von einem Ölpreis von 60 US-Dollar in den kommenden zwölf Monaten aus.

Wir behalten unsere moderate „Übergewichtung“ in Rohstoffen und unser Engagement im Ölsektor – ausgedrückt durch Positionen in der norwegischen Krone, europäischen Energietiteln und kanadischen Aktien – bei. 

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Quelle:  AdvisorWorld.ch